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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 10:07 Uhr

Im Nervenzentrum des Landes

vom

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2013 | 08:29 Uhr

Potsdam | Am großen Konferenztisch herrscht hektische Betriebsamkeit. Die schwarzen Telefone werden fleißig benutzt, an den Wänden hängen Landkarten der Flutgebiete. Im Hinterhaus des Potsdamer Innenministeriums, einem eher unscheinbaren, gelben Bürogebäude, von dessen Wänden die Farbe abblättert, befindet sich das Nervenzentrum des Brandenburger Kampfes gegen die Hochwasserfluten. Im "Koordinierungszentrum Krisenmanagement" (KKM) laufen die Informationen aus dem ganzen Land zusammen. Mehrmals am Tag finden hier Lagebesprechungen statt, rund um die Uhr ist die Einrichtung besetzt.

"Wir koordinieren von hier die Einsatzversorgung, die Logistik, die Versorgung mit Sandsäcken", sagt Ingo Decker, Sprecher des Innenministeriums. Der Wetterdienst, die Bundeswehr, die Feuerwehren, das Landesumweltamt - alle für das Land und den Kampf gegen das Hochwasser wichtigen Akteure seien hier durch Mitarbeiter vertreten.

Regelmäßig stehe man in Kontakt mit den Landkreisen, die für den Katastrophenschutz vor Ort verantwortlich seien. "Gestern hatten wir etwa eine Anfrage aus der Prignitz, die 500 000 Sandsäcke aus unserem Zentrallager in Beeskow abgerufen haben", sagt der Referatsleiter für Katastrophenschutz im Innenministerium, Carsten Prans. Die Aufgabe der Koordinierungsstelle sei dann, die Materialien auf dem schnellsten Weg zum Einsatzort zu bringen, und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der Lagerbestand von drei Millionen Sandsäcken schnellstmöglich aufgefüllt werde. "Natürlich kann das etwas dauern, bis wir neue Säcke in Beeskow haben."

Und wenn etwa irgendwo im Land eine Bundeswehreinheit, eine aus gut 100 Feuerwehrleuten bestehende Brandschutzeinheit oder eine Mannschaft des Technischen Hilfswerks zum Deichbau benötigt werde, werde sie vom Koordinierungszentrum aus in Marsch gesetzt.

Dabei verfügt die Zentrale über die modernsten technischen Möglichkeiten. "Auf unseren Videomonitoren können wir zum Beispiel Live-Bilder von unseren Polizeihubschraubern einspielen, um uns direkt ein Bild von der Lage vor Ort zu machen", sagt Decker.

Die in manchen Katastrophenfilmen gezeigten Feldbetten allerdings sucht man im Brandenburger Lagezentrum vergebens: Die Mitarbeiter arbeiten im Schichtbetrieb, kommen abends oder gehen nach Hause. "Wenn wir die ganze Zeit hier blieben, gäbe das irgendwann ein Ergebnis, das keiner von uns will", sagt Prans. Gut zwei Wochen werde das Koordinierungszentrum nun besetzt sein, schätzt man im Innenministerium. Eine Ausnahmesitutation, auch für die Mitarbeiter der Behörden. Denn obwohl auch nach dem Busunglück in Schönefeld oder bei Waldbränden im Landkreis Teltow-Fläming von hier aus gearbeitet wurde - zuletzt war das Zentrum 2010 im Dauereinsatz. Ebenfalls bei einem Hochwasser.

Aber solche Katastrophen kommen in Brandenburg eben zum Glück nicht täglich vor.

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