Im Land sind die Jäger los

Hoch zu Ross auf die Pirsch:  In Dalwitz (Kreis Güstrow) sind  Schleppjagden zur Tradition geworden. zvs
Hoch zu Ross auf die Pirsch: In Dalwitz (Kreis Güstrow) sind Schleppjagden zur Tradition geworden. zvs

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02. November 2010, 08:57 Uhr

Schwerin | Für die gut 11 000 Jäger, die in MV auf Jagd gehen dürfen, beginnt mit dem Hubertustag am 3. November die Hauptsaison auf rund zwei Millionen Hektar Wald und Flur im Land. "Nach Einschätzung des Landesjagdverbandes reicht die Zahl der Jäger aus, um die Wildbewirtschaftung zu gewährleisten", sagte Rainer Pirzkall vom Verband. Kritiker bemängeln dagegen zu hohe Wildbestände. Bei den Schwarzkitteln ist laut Pirzkall ein Eingriff geglückt: "Im Jagdjahr 2008/09 wurden knapp 76 000 Schweine erlegt, im Jahr darauf nur noch 58 000." Das sei ein Zeichen dafür, dass der Bestand reduziert wurde.

Der Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Marco Gemballa aus Zinzow (Ostvorpommern), hat selbst einen Jagdschein: "Ich kann nur jedem Landwirt empfehlen, auch Jäger zu sein." Der 35-Jährige schätzt die Schäden durch Wildschweine auf einigen Schlägen auf bis zu zehn Prozent der Ernte.

Am günstigsten sei es, vor allem die Maisflächen von vornherein zu parzellieren. "In den Schneisen säen wir Roggen oder Hafer, der im Juli/August geerntet wird", meint der Verbandsvize. Wenn das Schwarzwild dann in den Mais geht, sei es zu sehen und könne auch erlegt werden. Allerdings bevorzugen die Wildschweine nach Gemballas Erfahrung den Wald, wenn es genügend Eicheln und Bucheckern gibt.

Für den Wald sind Wildschweine kein Problem, wie der Geschäftsführer des Ökologischen Jagdverbandes, Falk Jagszent, sagte. Der Wald leide eher an zu viel Dam- und Rotwild. "Wir haben flächendeckend im ganzen Bundesland überhöhte Bestände an Schalenwild", kritisierte er, zu dem außerdem Rehwild, Schwarz- und Muffelwild gehören. Wo eine verträgliche Wildmenge lebe, sehe man dies den Wäldern an. Ein Modellbeispiel dafür, wie in einer überschaubaren Zeit der Wildbestand auf ein vernünftiges Maß reduziert werden kann, ist der Müritz-Nationalpark. Dort waren am Ostufer der Müritz, im ehemaligen Staatsjagdgebiet, vor 20 Jahren vor allem die Damwildbestände viel zu hoch. "Heute brauchen wir kaum noch Zäune, um die jungen Bäume zu schützen", sagte Sprecher Hendrik Fulda.

Nach Pirzkalls Ansicht gibt es nur dort Schäden, wo wenig gejagt wird und sich das Wild konzentriert. Über den Abschuss würden Hegegemeinschaften entscheiden. "Die Trophäenjagd spielt eine untergeordnete Rolle." Pirzkall zufolge haben auch die Jäger ein demografisches Problem: "Was wir uns wünschen, sind mehr junge Jäger." Das Durchschnittsalter der 10 000 im Verband organisierten Jäger liege jenseits der 50 Jahre.

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