GEW : Im Land fehlen 500 Lehrer

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Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt an Grundschulen

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29. Januar 2018, 21:00 Uhr

Die Lehrergewerkschaft GEW schlägt Alarm: Nach ihren Berechnungen fehlen in Mecklenburg-Vorpommern derzeit rund 500 Pädagogen. Der strukturelle Lehrermangel führe neben der hohen Unterrichtsverpflichtung und einem ständig steigenden Aufgabenumfang regelmäßig zu Überstunden, kritisierte gestern die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner. Vorhandene Lehrkräfte müssten den Mangel ausgleichen. „Die Lehrer kriechen auf dem Zahnfleisch.“

Andere Bundesländer würden bessere Bedingungen anbieten, sagte Lindner. Das betreffe nicht nur die Anrechnungsmöglichkeiten von zusätzlichen Aufgaben, sondern auch das Gehalt. So würde in Berlin und Brandenburg die Bezahlung von Grundschullehrern an die Entlohnung ihrer Kollegen an weiterführenden Schulen angeglichen. „Das Gehalt des Lehrers sollte sich nicht nach der Größe des Schülers richten“, betonte die GEW-Vorsitzende. Im Bildungsministerium laufen derzeit Gespräche zu diesem Thema.

Zur Verbesserung der Arbeits- und Lernbedingungen braucht es nach Ansicht der Gewerkschaft mehr als die so genannte Busch-Zulage für junge Lehrer in ländlichen Regionen. „Zum einen ist das eine Ohrfeige für diejenigen, die dort schon seit Jahren unterrichten“, so Lindner. Zum anderen werde das grundsätzliche Problem damit nicht gelöst: Ohne entsprechende Infrastruktur und kulturelle Angebote sei das Umfeld vieler Dorfschulen für junge Leute einfach nicht attraktiv.

Die Gewerkschaft schlägt dagegen einen Sechs-Punkte-Plan vor: Ganztagsschulen ausbauen, Lehrverpflichtung reduzieren, mehr Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen einsetzen, Klassen verkleinern, fünf Prozent Personalpuffer einplanen und den Etat für Sachkosten erhöhen. „Wir brauchen in etwa 320 Millionen Euro, und da spreche ich nicht von Baukosten, sondern von Inhalten“, sagte Lindner.

Wie wichtig der personelle Puffer sei, zeigten auch Unterrichtsausfall und Vertretungsbedarf. Jährlich müssten etwa zehn Prozent der Stunden vertreten werden, zwei Prozent würden ganz ausfallen. In 30 Prozent der Fälle finde die Vertretung in Form von Klassenzusammenlegungen statt, kritisierte Lindner. Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, spricht sich für ein Vertretungsbudget von einer Wochenstunde je Lehrkraft aus. „Damit haben Schulen Freiräume, den ausfallenden Unterricht unkompliziert zu vertreten.“ Um den Beruf wieder attraktiver zu machen, sollte älteren Lehrkräften außerdem die Möglichkeit eingeräumt werden, in Altersteilzeit zu gehen, so Oldenburg.

Bessere Arbeitsbedingungen fordert die GEW auch in den Kindertagesstätten des Landes. Es gebe noch immer zahlreiche Träger, die nicht nach Tarif zahlen. Die rund 1100 Kitas in Mecklenburg-Vorpommern haben demnach 370 Träger. Während zuletzt viel über die Elternentlastung gesprochen wurde, sorgt sich die Gewerkschaft um die Betreuungsqualität. Grundsätzlich befürworte sie die kostenfreie Kita. Das dürfe jedoch nicht zu Lasten der Qualität gehen, sagte Lindner. „Zu viele Kinder werden durch eine Fachkraft betreut. Wir haben die Sorge, dass dieser Zustand durch die Elternentlastung zementiert wird.“ Bei Verbesserungen kämen auch hier Mehrkosten auf das Land zu.

Laut GEW wird in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit am wenigsten je Kita-Platz ausgegeben. In MV sind es demnach 6566 Euro, in Sachsen-Anhalt beispielsweise 7923 Euro, in Sachsen 7946 und in Schleswig-Holstein 8882 Euro.

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