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Vergewaltigung in Schwerin : Im Hausflur angegriffen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatsanwältin verlangt Haftstrafe für mutmaßlichen Vergewaltiger

svz.de von
erstellt am 11.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Die Winternacht weicht langsam dem Morgen. Maria* läuft nach Hause. Fröhlich, weil die Party gut war. Die Schuhe in der Hand, weil die Füße schmerzen. Deshalb hat sie ja die Disko eher verlassen, allein, ohne die Freunde. Sie hat es nicht weit, andere Nachtschwärmer sind auch noch unterwegs. Maria erreicht das Haus, öffnet die Tür. Nur noch ein paar Stufen, dann endlich die Füße hoch legen! Die Haustür fällt hinter ihr ins Schloss. Doch dann geht sie wieder auf. Was nun passiert, wird ihre Anwältin Monate später einen „Supergau“ nennen. Und einer ihrer Freunde, der in jener Nacht nichtsahnend weiter tanzte, wird vor Gericht noch immer fassungslos wirken: „Ich dachte, so etwas gibt es nur im Fernsehen, aber doch nicht in Schwerin“.

Es war der große Unbekannte, der hinter der hübschen jungen Frau hergeschlichen war. Der sie im dunklen Hausflur plötzlich von hinten zu Boden riss und der sie schließlich vergewaltigte. Maria, starr vor Angst, wagte kaum Gegenwehr. Als er endlich verschwindet, ruft sie aufgelöst die Freunde an. Die kommen sofort, alarmieren die Polizei. Der Unbekannte wird noch in der gleichen Nacht geschnappt.

Er sitzt noch immer in Untersuchungshaft und ist nun kein ganz so Unbekannter mehr. 25 Jahre alt, Facharbeiter, fester Job, zur Tatzeit nur zu Besuch in Mecklenburg. Zu Beginn des Prozesses am Schweriner Amtsgericht legt er ein Geständnis ab. Er bereue alles sehr, betont er. Einen Entschuldigungsbrief hat er Maria geschrieben. Nie, nie, nie wieder werde er so etwas tun, beteuert er auch gestern am zweiten Prozesstag.

Vor nicht allzu langer Zeit hat er schon mal eine Frau angegriffen. Die konnte entkommen. Er wurde dafür von einem anderen Gericht auf Bewährung verurteilt. „Ein klassischer Bewährungsversager“, sagt die Staatsanwältin nun und fordert eine Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren. Vier Jahre sind das Maximum an einem Amtsgericht.

Auch der Verteidiger versucht gar nicht erst, die Tat zu bagatellisieren. Doch spräche das Geständnis und die Reue für seinen Mandanten. Der Verteidiger plädiert für maximal zwei Jahre Freiheitsstrafe, erneut zur Bewährung ausgesetzt.

Und Maria? Sie musste der Polizei stundenlang immer wieder Details des Übergriffs schildern. Sie musste eine peinlich-genaue ärztliche Untersuchung über sich ergehen lassen. Und schließlich musste sie vor Gericht Frage um Frage beantworten, immer den Angeklagten im Blickfeld. Möglicherweise nicht zum letzten Mal. Ist eine Seite nicht zufrieden mit dem Urteil, wird am Landgericht erneut verhandelt. Dort hätte der Fall nach Ansicht von Nebenklageanwältin Christine Habetha gleich hingehört. Dann wäre eine belastende Mehrfachvernehmung ihrer Mandantin von vornherein ausgeschlossen gewesen, sagt sie und verweist auf eine Gesetzesänderung, die einen besonderen Schutz der Opfer vorsieht. Sie hat wie die Staatsanwältin auf dreieinhalb Jahre Freiheitsentzug plädiert. Das Gericht will am Dienstag das Urteil verkünden.

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