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Mecklenburg-Vorpommern

22. Oktober 2017 | 17:21 Uhr

Prozess : Im eigenen Haus überfallen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Es gehört wohl zu den schlimmsten Alpträumen, die eine Familie sich vorstellen kann: im eigenen Haus überfallen zu werden.

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2014 | 21:00 Uhr

Es gehört wohl zu den schlimmsten Alpträumen, die eine Familie sich vorstellen kann: im eigenen Haus überfallen zu werden. Familie S. ist genau dies geschehen, zwei Tage vor Heiligabend 2009, im gutbürgerlichen Friedrichsthal am Rande Schwerins. Offenbar haben die Täter – beide als Weihnachtsmänner maskiert – die Familie gezielt ausgesucht. Drei Tage vor dem Überfall, als er früh auf dem Weg zur Arbeit war, habe er sich schon beobachtet gefühlt, sagte gestern der Familienvater als Zeuge vor dem Landgericht. Aus einem Auto heraus seien die Blicke auf ihn gerichtet gewesen, präzisiert der Baumarkt-Chef seine Erinnerung. Am selben Tag findet seine Frau Spuren im Schnee auf der Terrasse. „Jemand hat versucht, sie zu verwischen“, sagt die Frau gestern. Niemand konnte ahnen, was kurz darauf geschehen sollte: Die beiden falschen Weihnachtsmänner verschafften sich Einlass, als die Frau allein im Haus war und nach dem Klingeln die Haustür vorsichtig öffnete. Sie habe sich heftig gewehrt und einen Täter in die Hand gebissen, erzählt sie vor Gericht.

 

Eine zierliche Frau, die gegen zwei kräftige Männer nicht den Hauch einer Chance hatte. Die gehen nicht gerade zimperlich mit ihr um. Sie bekommt Schläge, wird gegen die Heizung geschleudert, holt sich eine blutige Verletzung am Kopf. Jeder der Täter hat eine Pistole, Schüsse lösen sich. Dass die Waffen mit Gaspatronen geladen sind, erfährt sie erst später. Als sich ihr damals elfjähriger Sohn dem Haus nähert, habe sie versucht, ihn durch lautes Rufen zu warnen. Das Kind glaubt an einen Scherz – und findet sich ebenso in den Fängen der Gewalttäter wieder. Mutter und Sohn werden gefesselt und geknebelt. Kaum betritt Stunden später der Filialleiter das Haus, überwältigen sie auch ihn und fahren, wie der Zeuge erzählt, zielgerichtet mit ihm zum bereits geschlossenen Baumarkt. Doch als er den Tresorschlüssel nicht fand, hätten sie ihn gezwungen, an einem Bankautomaten 1 000 Euro mit seiner EC-Karte abzuheben. Dann hätten sie ihn laufen lassen. Dass einer der Angeklagten bei seinem Vorgänger mal ein Praktikum im Baumarkt absolvierte, habe er erst später erfahren.

„Ich bin froh, dass du das so gut überstanden hast“, sagt Rene P. zu dem inzwischen 15-jährigen Sohn, der gestern ebenfalls aussagen musste. Der 30-jährige Angeklagte, der am ersten Prozesstag ein Geständnis ablegte, entschuldigte sich bei Mutter und Sohn. Das alles sei die Idee von Denny P. gewesen. Der zweite Angeklagte, der auch am zweiten Prozesstag seine Sonnenbrille auflässt, schreibt eifrig mit – und schweigt. Für ihn geht es um viel. Dem mehrfach vorbestraften Mann droht Sicherungsverwahrung. Rene P. ist zu dieser Strafe, die sich auf unbestimmte Zeit an die reguläre Haft anschließt, bereits verurteilt. Für den Prozess sind Termine bis Ende Februar anberaumt worden.

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