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Mecklenburg-Vorpommern

20. Oktober 2017 | 00:06 Uhr

Handwerk in MV : Im Chefsessel des Vaters

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unternehmensnachfolge im Handwerk: Jede sechste Firma steht vor Generationswechsel

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2017 | 06:25 Uhr

Von den landesweit rund 20 200 Handwerksbetrieben stehen 3500 vor einem Generationswechsel - ihre Eigentümer sind älter als 55 Jahre. „Der Übergang ist oft schwierig, doch er birgt Chancen für junge kreative Köpfe,“ sagt der neue Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Jens-Uwe Hopf. „Es ist vielfach eine Renaissance zu erkennen, bei der junge Leute alte Gewerke neu interpretieren.“

Nach Ansicht der Rostocker Firmenchefin Saskia Schritt gibt es kein Patentrezept bei einer Betriebsübergabe innerhalb der Familie - außer: „Alles vertraglich so regeln, als wenn das Unternehmen an Fremde übergeht“, sagte die Chefin der Firma „Bootswerft & Bootsmotorenservice“. Es dürfe gerade innerhalb der Familie kein Platz für Diskussionen darüber geben, wer das Sagen hat. „Wir haben uns zwei Jahre intensiv vorbereitet - Hauruck-Aktionen funktionieren nicht.“ Anfang 2016 hatte die 38-Jährige die Firma mit heute fünf Mitarbeitern übernommen, die 1950 vom Großvater gegründet worden war und seit 1962 von ihrem Vater geleitet wurde. Die Firma vertreibt Angel- und Sportboote und richtet sie entsprechend aus.

Frühere Traditionen wie der Übergang an die nächste Familiengeneration greifen nicht mehr, wie Hopf erklärte. „Nur rund 40 Prozent der Kinder von Handwerksunternehmern sind bereit, den Betrieb weiterzuführen.“ Das Handwerk habe Schlüsse aus der bedrohlichen Situation gezogen. „Im Rahmen der bundesweiten Imagekampagne werden verstärkt Gymnasiasten und Studienaussteiger angesprochen, um ihnen die Berufschancen wie die Übernahme gut aufgestellter Betriebe vorzustellen.“ Nischen seien selbst in Gewerken wie Bäckereien oder Fleischereien zu erkennen, wo starke Discounter mit aller Macht in den Markt hineindrücken oder ihn schon beherrschen. Hopf empfahl einen Blick etwa nach Bayern, wo in der Breite viel mehr hochwertige Lebensmittel mit regionaler Herkunft angeboten würden. Der Trend hin zur gesunden Ernährung oder auch Rücksicht auf Allergien würden die jungen Firmen stärken.

Auch im Bereich der Wildverarbeitung sieht Hopf Chancen. Mecklenburg-Vorpommern stehe für Natur und Waldlandschaft. „Menschen, die in Großstädten wie Berlin leben, haben immer Interesse an Produkten aus der nahen Region.“

Auch wenn junge und kreative Köpfe angesprochen sind, sollte ein Fahrplan in der Regel mit einem Vorlauf von fünf Jahren eingehalten werden. Dabei werde die Bedeutung des Meistertitels deutlich. Hopf: „Er ist ein Qualitätssiegel für fachlich qualitativ hochwertige Leitungen sowie zukunftsorientiertes Wissen im Management und kaufmännischen Bereich.“

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