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Mecklenburg-Vorpommern

19. September 2017 | 18:57 Uhr

Wittstock : Im Bombodrom blüht die Heide

vom

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Bombodrom Wittstock gedeiht eine besondere Heidelandschaft. Die Heinz Sielmann Stiftung kümmert sich seit Herbst um 4000 Hektar des insgesamt 12000 Hektar großen Areals.

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2013 | 05:10 Uhr

Wittstock | Ruhe und Weite - im ehemaligen Truppenübungsplatz Bombodrom Wittstock in Nordbrandenburg gibt es davon heute mehr er als genug. Etwa 85 Kilometer entfernt von der quirligen Millionen-Metropole Berlin wird eine Heidelandschaft gepflegt und bewahrt, wie es kaum etwas Vergleichbares in Europa gibt. Die Heinz Sielmann Stiftung kümmert sich seit Herbst vergangenen Jahres um rund 4000 Hektar des insgesamt 12 000 Hektar großen, einstigen Schießplatzes des Militärs. Die Bundeswehr wollte das Gelände in der Kyritz-Ruppiner Heide übernehmen, scheiterte aber am Widerstand der Bürger. Von 2009 an war Schluss mit der militärischen Nutzung.

"Betreten verboten gilt auch heute noch", sagt Lothar Lankow, Projektbetreuer der Heinz Sielmann Stiftung. Die Bürger hätten für die freie Heide gekämpft, frei zugänglich ist das Areal aber immer noch nicht. Die Gefahr durch Blindgänger ist zu groß. Über Jahrzehnte wurden Bomben abgeworfen, Granaten explodierten, und Feuer vernichtete immer wieder nachwachsende Pflanzen. Unter diesen Bedingungen entstand im Sperrgebiet die trockene Europäische Heide als außergewöhnliche Landschaft. "Seit Abzug des Militärs kann sich die Flora ungehindert entwickeln, die Heide ist in Gefahr", berichtet Lankow. Birken und Kiefern schießen in die Höhe, aus einzelnen Bäumchen wird schnell eine Gruppe, in deren Schatten die Heide mickert. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Heidelandschaft verschwindet, wenn nicht der Mensch eingreift" sagt der Naturschutzexperte.

Im Herbst blüht die Heide und leuchtet in vielen Schattierungen - rosa, lila und dunkelrot. Im Frühsommer sieht das Areal eher unspektakulär aus: braune kniehohe Sand- und Besenheide, offene Grasflächen und Bäume. Dann aber sind Flächen mit verkohlten Stämmen und niedergebranntem Gras zu sehen. "Alles in Ordnung", beschwichtigt Lankow. Hier sei kontrolliert Feuer gelegt worden im Kampf gegen die Verholzung der Heide. Dabei werden auch Kiefern als Störenfriede beseitigt. Der Erfolg zeigt sich mit ersten zarten grünen Spitzen: die Heide erneuert sich. Langsam wandelt sich auch die Kiefernmonokultur in einen Naturwald.

Zwei Revierförster, vier Waldarbeiter und ein Feuerwerker sind für die Stiftung im Einsatz. Neben den Lohnkosten fallen auch eine Reihe von Sachkosten an. Die Heinz Sielmann Stiftung muss pro Jahr rund 320 000 Euro durch umfangreiche Unterstützung von Spendern aufbringen. In Brandenburg hat die Stiftung bereits drei Naturlandschaften mit rund 8000 Hektar Fläche. Dazu gehört die Döberitzer Heide westlich von Berlin. Auf dem einstigen Truppenübungsplatz siedeln Wisente und Przewalski-Wildpferde.

Lankow weiß, dass die Heide-Landschaft nicht jeden anzieht. Die Schönheit und das Besondere offenbaren sich erst bei genauem Hinsehen. Doch dazu legt die militärische Belastung durch Kampfmittel einen Riegel vor: Ohne fachkundige Begleiter darf niemand aufs Gelände.

In der künftigen Sielmann Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide gibt es mit Ausnahmegenehmigung auch schon Kutschfahrten - auf oberflächig gesicherten Forstwegen. Künftig soll es auch thematische Wanderungen geben. "Hier ist eine sternenklare Sicht möglich", sagt Lankow. Hobbyastronomen könnten ungehindert Sterne beobachten. 2015 soll es dann eine zentrale Aussichtsplattform geben und entlang der Wanderstrecken auch Schutzhütten.

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