Im Auto geblitzt? Meist gibt es Fehler

Richtig gemessen? Etwa 200  000-mal blitzt es jedes Jahr in MV.  Experten bemängeln viele Fehler.
Richtig gemessen? Etwa 200 000-mal blitzt es jedes Jahr in MV. Experten bemängeln viele Fehler.

Verwechslungen, Messfehler, Verwaltungspannen: Nur 15 Prozent aller Bußgeldverfahren gegen Temposünder laufen vollkommen korrekt ab, unterstellt eine neue Studie. Etliche der fast 200 000 Geblitzten in MV hätten zu Unrecht gezahlt. Der Knöllchen-Skandal.

von
20. März 2009, 11:51 Uhr

Schwerin | Mit einem Blitz wird die Fahrt teuer: 111 Stundenkilometer zeigt das Polizeifoto an - mitten in einer 70-Zone. Wirklich? Der Bußgeldbescheid ließ den vermeintlichen Raser zweifeln. Die Überprüfung ergab: Die 111 waren lediglich drei Striche - eine fehlerhafte Messung.

Olaf Neidel, Geschäftsführer der Verkehr-Unfall-Technik-Sachverständigengesellschaft (VUT), nennt es einen der "größten Klopfer". Die VUT hat 1810 Bußgeldverfahren überprüft. In mehr als 80 Prozent der Fälle entdeckten die Experten Fehler. Mal wurden Radargeräte oder Laserpistolen falsch aufgebaut, mal waren die Beamten nicht geschult. Mal wurden Fahrzeuge bei der Abstandsmessung verwechselt, mal war die Dokumentation unvollständig. In nur 15 Prozent der Fälle gab es keine Beanstandungen. Bei fünf Prozent seien die Mängel aber so gravierend gewesen, dass kein Bußgeldbescheid hätte erlassen werden dürfen, so der Automobilclub von Deutschland (AvD).

Zur Einordnung: Den aktuellsten Zahlen zufolge führte die Polizei in MV im Jahr 2007 insgesamt 39400 Geschwindigkeitskontrollen durch und blitzte dabei 191 747 Fahrer. Wie viele davon wurden zu Unrecht belangt? Neidel räumt ein, dass man nicht 80 Prozent der Ergebnisse pauschal als falsch bezeichnen könne. Auch seien keine regionalen Differenzierungen möglich. "Aber wenn ich die 190 000 Fälle aus MV auswerten dürfte, wäre das Ergebnis nicht viel anders, davon bin ich fest überzeugt."

ADAC-Experte Matthias Schmitting hält die Zahlen für "überraschend hoch, aber keine Sensation". Bei einer durch Menschen durchgeführten Kontrolle würden eben Fehler passieren. Zudem seien viele Standards einzuhalten.

Bei der Schweriner Polizeidirektion zeigt man sich gelassen. "Wir gehen davon aus, dass die Messungen bei uns richtig sind", sagt Sprecherin Steffi Nietz. Die Beamten würden regelmäßig geschult und müssten Sachkundenachweise erbringen. "Und die Geräte müssen regelmäßig geeicht werden. Da gibt es Bundesvorschriften." Zudem habe ja jeder die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen.

Genau das sollten auch viel mehr geblitzte Autofahrer tun, rät der Schweriner Verkehrsanwalt Holger Rochow. "Es sind mehr Ordnungswidrigkeiten fehlerhaft als man annimmt." Auch Rochow kennt diverse Beispiele: Eichpässe, die nicht passen, falsche Aufstellung, Pannen im Messprotokoll. In Schwerin stellte sich etwa heraus, dass das Messgerät nicht exakt parallel zur Fahrbahn stand. Ein minimaler Fehler, der den Raser vor Punkten in Flensburg bewahrte. "Es lohnt sich in jedem Falle, den Bußgeldbescheid überprüfen zu lassen", sagt Rochow. "Gerade wenn Punkte drohen."

Wie viele Blitzer-Opfer in MV tatsächlich Widerspruch einlegen, taucht in der Statistik nicht auf. In Rostock beispielsweise wurden im vergangenen Jahr 8831 Bußgeldverfahren gegen Temposünder eingeleitet. Glaubt man der Studie, hätten rund 450 davon überhaupt nicht erlassen werden dürfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen