Autor Sebastian Fitzek in Schwerin : Im angstfreien Ambiente behaglich gruseln

Sebastian Fitzek schreibt sich  eigene  Ängste von der Seele. Foto: Kruppa
Sebastian Fitzek schreibt sich eigene Ängste von der Seele. Foto: Kruppa

Der erfolgreiche Thrillerautor Sebastian Fitzek stellte am Montag in Schwerin seinen neuen Roman "Der Nachtwandler" vor. In dem Werk geht es um die Grausamkeiten des Schlafwandelns.

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07. Mai 2013, 06:28 Uhr

Schwerin | "Die Kakerlake kroch auf Leons Mund zu. Nur noch wenige Zentimeter und die langen Fühler würden seine geöffneten Lippen berühren." Das Insekt war riesengroß und bedrohte Leon in seinen Albträumen.

Leon ist der Protagonist in dem neuen Roman "Der Nachtwandler", den Sebastian Fitzek am Montagabend in der Schweriner Buchhandlung Hugendubel vorstellte.

Der erfolgreiche Thrillerautor liebt es, seinen Fans vorzulesen. Kürzlich hat er zur Buchmesse in Leipzig eine Lesung verlost, die beim Gewinner zu Hause im Schlafzimmer stattfinden sollte. 120 Bücherfreunde waren im Pyjama an seinen Messestand gekommen. Das Los entschied, und Fitzek hat sich königlich amüsiert. In seinem jüngsten Werk geht es um die Grausamkeiten des Schlafwandelns, eine hoch spannende Geschichte mit vielen komplizierten Wendungen und einigen überaus blutigen Szenen. Leon, ein junger Architekt, lebt mit seiner Frau in einem wunderschönen Altbau. Doch eines Morgens wacht er auf und findet seine Frau weinend beim Kofferpacken. Ihr Gesicht ist gezeichnet von harten Schlägen. Leon ist entsetzt. In seiner Jugend litt er unter Schlafstörungen. Als er schlafwandelnd ein Kind mit dem Messer bedrohte, musste er psychiatrisch behandelt werden. Ist die Krankheit zurückgekehrt?

Leon geht die Frage wissenschaftlich an, er befestigt eine Kamera an seinem Kopf. Damit will er seine schlafwandlerischen Aktivitäten aufzeichnen. Und damit beginnt das Grauen. Sein nächtliches Ich steigt durch eine ihm völlig unbekannte Tür hinab in die Dunkelheit. Fitzek erzählt, dass er früher auch unter Albträumen litt.

Der Schlaf als biologisches Phänomen hat ihn außerdem interessiert. "Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. Wissenschaftlich gibt es da noch einiges zu erforschen. Auch über die Ursachen des Schlafwandelns weiß man wenig", sagt Fitzek, der bei seinen Recherchen auf faszinierende Details stieß. Und mit der ihm eigenen Phantasie entstand eine gruselige Geschichte.

"Die Frage, die mir vermutlich auf Lesungen am häufigsten gestellt wird, ist: Muss man nicht selbst eine Macke haben, um so etwas zu schreiben? Was ist bei Ihnen in der Kindheit bloß schief gelaufen?"

Der Autor, 1971 in Berlin geboren, hatte eine unspektakuläre Kindheit. Er spielte gern Tennis, musizierte und studierte dann Jura bis zum ersten Staatsexamen. Er promovierte im Urheberrecht und arbeitete für verschiedene Radiostationen.

Nebenbei schrieb er den Thriller "Therapie". Sein Erstling erschien 2006 im Droemer Knaur Verlag. Die Filmrechte an dem Buch kaufte die Odeon Film AG. 2007 wurde der Film als bestes Krimi-Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Fitzek schmunzelt: "Auch wenn ich im Leben nicht einen Tag juristisch gearbeitet habe, bin ich doch den Axtmördern und Psychopathen treu geblieben, die ich während meiner Strafrechtsvorlesungen so lieb gewonnen hatte."

In seiner Phantasie passierten die schrecklichsten Verbrechen, es drängte ihn, sie aufzuschreiben. "Schreiben an sich macht schon Spaß, explizite Gewaltdarstellung zu beschreiben macht mir keinen Spaß - das ist eher eine Art Therapie, wenn ich mir als Autor meine eigenen Ängste von der Seele schreibe." Fitzek beschäftigt sich mit den verborgenen Ängsten, und auch gründlich mit dem Bösen. Denn das Böse zeigt sich ja nicht nur in einer Blutspur, die sich über Fliesen zieht, sondern das Böse zeigt sich auch in Form von häuslicher Gewalt, in den Abgründen der menschlichen Seele.

Der zweite Thriller "Amokspiel" erschien im April 2007, die Goldkind Film AG kaufte die Filmrechte. Bislang hat Fitzek acht Romane veröffentlicht, seine Bücher sind in 18 Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren wird er auch in England und den USA verlegt.

Seine Gesamtauflage liegt bei bisher 3,5 Millionen verkauften Büchern. Ein für ihn auch erklärlicher Erfolg. "Wir brauchen diese Thriller, um uns tatsächlich in einem angstfreien Ambiente zu Hause gruseln zu können und uns den Ängsten, die uns in der Realität begegnen, besser stellen zu können."

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