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Prozess : „Ihr war bewusst, ihr Kind ertrinkt“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wegen des gewaltsamen Todes ihres Neugeborenen soll eine Mutter aus Grevesmühlen für mehrere Jahre ins Gefängnis.

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2014 | 20:59 Uhr

Wegen des gewaltsamen Todes ihres Neugeborenen soll eine Mutter aus Grevesmühlen für mehrere Jahre ins Gefängnis. In seinem Schlussvortrag forderte der Staatsanwalt gestern vor dem Schweriner Landgericht für Totschlag eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren. Es gebe keine Anzeichen für einen minderschweren Fall. Die Frau sei sich über die Folge ihres Tuns im Klaren gewesen, als sie das Kind unmittelbar nach Geburt in der eigenen Wohnung in die mit Wasser gefüllte Wanne zurücklegte, machte der Anklagevertreter deutlich. „Sie sah, wie der Kopf unter Wasser sank. Ihr war bewusst, ihr Kind ertrinkt“, betonte er. Das Urteil soll am Donnerstag gesprochen werden.

Nach Ansicht des Verteidigers war die Frau, die zur Tatzeit bereits drei Kinder hatte, generell mit ihrer Situation überfordert. Auch er sah den Vorwurf des Totschlags nach neun Verhandlungstagen als bestätigt an. Doch geht er von einem minderschweren Fall aus, der zu einer geringeren Strafe führt. Seine Mandantin sei selbst nicht „behütet“ aufgewachsen und als Jugendliche vom Stiefvater vergewaltigt worden. Sie habe ihr Leben nicht eigenständig und „sozial adäquat“ gestalten können. Der Anwalt mahnte ein „gerechtes“ und „mildes“ Urteil für die 28-Jährige an, ohne sich auf ein konkretes Strafmaß festzulegen.

„Es tut mir alles so leid“, sagte die 28-Jährige unter Tränen zum Abschluss des Prozesses. Die Frau hatte im April 2013 das Baby allein in der Badewanne ihrer Wohnung zur Welt gebracht. Gerichtsmediziner stellten fest, dass das Kind gesund auf die Welt kam, nach der Entbindung atmete und dann ertrunken ist. Die drei Kinder der Angeklagten leben inzwischen getrennt beim leiblichen Vater, der Großmutter und in einer Pflegefamilie, wie es hieß.


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