Zeitungszusteller geehrt : Ihr Lohn ist der Sonnenaufgang

Für unsere Leser auf Achse: Zeitungszusteller aus MV wurden für ihre Arbeit geehrt.
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Für unsere Leser auf Achse: Zeitungszusteller aus MV wurden für ihre Arbeit geehrt.

Ministerpräsident Erwin Sellering ehrt langjährige Zeitungszusteller – darunter Ingrid Heinrich, die seit 20 Jahren die SVZ austrägt

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02. Juni 2016, 21:00 Uhr

Für Ingrid Heinrich aus Zittow bei Schwerin war gestern ein besonderer Tag, denn am Nachmittag sollte sie für ihre langjährige Tätigkeit als Zeitungszustellerin der SVZ geehrt werden.

Doch ihr Tag begann wie immer. Um vier Uhr morgens verließ die 60-Jährige das Haus, um ihre Tour durchs Dorf zu starten – in aller Herrgottsfrühe, während andere noch tief schlafen. Das Zeitungszustellen ist eine eher einsame Angelegenheit. „Menschen begegne ich dabei eigentlich nie. Erst ab um 6 Uhr stehen die ersten auf“, erklärt sie. Dann sei ihre Runde aber meist geschafft.

Und obwohl sie kaum einer Menschenseele begegnet, ist sie doch nicht allein. Denn Katze Pfötchen begleitet sie oft auf ihrem Weg durchs Dorf – in dem Ingrid Heinrich jeden Briefkasten und jede Familie beim Namen kennt. Auch ihr Mann hilft fleißig mit, wo er kann. Sein Auto ist das einzige, das man zu so früher Stunde im Ort fahren hören und sehen kann.

Obwohl Ingrid Heinrich fast jeden Tag seit 20 Jahren denselben Weg durch Zittow geht, wird es ihr doch nie langweilig. So sind beispielsweise zu dieser Zeit die Vögel sehr aktiv und zwitschern und tirilieren, wie man sie am Tage nie hört. Aber und an ist auch das eine oder andere größere Tier unterwegs. „Am Anfang hatte ich etwas Angst, im Dunkeln allein unterwegs zu sein“, gibt sie zu. Doch neben den Katzen des Dorfes – und ab und an einem Wildschwein – begegnet die gebürtige Schwerinerin nur einigen Hunden. „Für sie habe ich immer einen Beutel Leckerlis dabei.“ Verschiedene Sorten, „schließlich muß ich mich ja mit allen Hunden anfreunden, um dem typischen Postboten-Klischee zu entgehen.“

Zeitungen trägt Ingrid Heinrich seit 1995 aus. Vor der Wende arbeitete die heute 60-Jährige als Lageristin für Textilwaren. „Das wurde nach der Wende aber nicht mehr gebraucht“. Auch als Verkäuferin versuchte sie ihr Glück, bis auch dieser Betrieb „dichtmachte“ – schwere Zeiten nach der Wende. Schließlich stieß sie dann auf eine Ausschreibung für Zeitungszusteller. Und ist dieser Tätigkeit seit 1995 treu geblieben. Verändert habe sich in all den Jahren nicht viel, sagt sie. Aber das Zustellen sei früher etwas einfacher gewesen. „Da gab es hier noch nicht so viele Bewohner und auch viel weniger Post“, sagt sie mit einem Lächeln. Vor allem am Wochenende sei es manchmal schwer, die Auslieferungszeit einzuhalten. „Aber die Leute in Zittow verstehen das.“ Manchmal bekommt Ingrid Heinrich von ihnen sogar kleine Geschenke, wie einen Schokoweihnachtsmann zum Nikolaus, Blumen oder mal ein Glas Honig. „Das zeigt mir, wie sehr sie meine Arbeit schätzen“, freut sich Ingrid Heinrich.

Nach ihrer allmorgendlichen Runde machte sich die 60-Jährige gestern noch ein bisschen schick und brach dann auf zur Orangerie des Schweriner Schlosses. Dort wurden sie und 45 weitere Zusteller von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und dem Vorsitzenden des Verbandes der Zeitungsverlage Norddeutschlands (VZN), Axel Gleie, gestern für ihre harte Arbeit geehrt. Neben viel Lob dafür, dass die Zusteller „auch bei Wind und Wetter dafür sorgen, dass die Zeitung morgens pünktlich im Briefkasten landet“, stellte Axel Gleie, der zugleich Geschäftsführer unserer Zeitungsgruppe ist, vor allem heraus, wie schwierig die Zustellung oft sei. Umso mehr zollte den Anwesenden für ihr Durchhaltevermögen Respekt.

Auch Regierungschef Sellering ließ es sich bei der Übergabe der Urkunden und Ehrenmedaillen nicht nehmen, den Zustellern „auch ganz persönlich, als Zeitungsleser“ zu danken. Er freute sich, dass „die Menschen auch in Zeiten des Internets noch ihre Tageszeitung lesen wollen.“

Ingrid Heinrichs größter Lohn für die getane Arbeit bleiben indes die schönen Sonnenaufgänge, die sie zuweilen bewundern darf. „Darum werde ich auch in Zukunft Zeitungen austragen“, verspricht sie. Ob Wind, ob Regen oder Sonnenschein.

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