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Statist im Schweriner Kult-Musical "The Rocky Horror Show" : Ihr Hobby brachte sie auf die Bühne

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Sie ist nur eine von vielen auf der Bühne. Eine der heimlichen Stars im Hintergrund. Und doch wäre die Aufführung ohne sie nicht denkbar. Martha Tiede singt im Statisten-Chor bei der Rocky Horror Show im Staatstheater.

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erstellt am 07.Feb.2013 | 05:45 Uhr

Schwerin | Sie ist nur eine von vielen auf der Bühne. Eine der heimlichen Stars im Hintergrund. Und doch wäre die Aufführung ohne sie nicht denkbar. Martha Tiede singt im Statisten-Chor bei der Rocky Horror Show im Staatstheater in Schwerin. Als Sängerin unterstützt sie die Hauptdarsteller bei ihren Kult-Liedern und sorgt für die richtige Atmosphäre. Jede Gesangseinlage ist bis auf den Punkt einstudiert, jede Bewegung passt zum Gesamtbild auf der Bühne. Und auch wenn es nur eine Statistenrolle ist, die Aufführung würde nur halb so viel Wirkung zeigen ohne die Statisterie.

Seit Mitte Dezember probt der Chor für die Aufführungen. Erst im Probenraum für sich allein. Danach folgten die Hauptproben auf der großen Bühne. "Es ist ein tolles Gefühl, dabei zu sein. Die Auftritte machen riesigen Spaß", erzählt Martha Tiede mit leuchtenden Augen. Auf der Bühne trägt sie ein schwarzes Tüllkleid mit einer Korsage. Die Augen sind auffällig rot geschminkt mit viel Glitzer. Die Haare werden toupiert und eine große rote Feder wird auf ihrem Kopf befestigt. 20 Minuten verbringt sie vor jedem Auftritt in der Maske. "Es ist schön, dieses Theaterfeeling zu erleben, wenn man auch mal mitbekommt, was alles dazu gehört. Und die Kostüme sind einfach großartig."

Die junge Frau singt das erste Mal beim Statisten-Chor im Theater mit. Zum Tag der offenen Tür im vergangenem Jahr erfuhr sie von dem Casting für die Rollen. "Ich habe die erste Bewerbung leider zu spät mitbekommen und mich geärgert, dass ich es verpasst habe. Aber dann habe ich gehört, dass sie noch eins machen und ich bin spontan hingegangen," erzählt die 29-Jährige. Am 3. November war es dann soweit. Jeder Bewerber musste vor John R. Carlson, dem musikalischen Leiter, vorsingen. "Es hat ganz gut geklappt", erinnert sich die Statistin. Doch aufgeregt war sie schon. "Ich habe nie gelernt, Noten zu lesen. Ich habe immer nur gern gesungen, schon als Kind. Singen ist mein Hobby, deswegen wollte ich auch mitmachen. Mein Vorteil war vielleicht, dass ich die ganzen Lieder in und auswendig kenne." Danach wartete sie zwei Wochen lang auf eine Antwort. "Und dann kam endlich die Email. Ich war so glücklich, dass sie mich genommen haben."

Einige Erfahrungen am Theater hat die 29-Jährige schon als Kind gesammelt. Als Statist hat sie bei der Aufführung "Im Land des Lächelns" mitgewirkt. Doch danach kam die Ausbildung und der Weg führte sie in den Berufsalltag. "Es war damals schon toll. Doch nun als Erwachsener wieder auf der Bühne zu stehen, ist noch einmal ganz was anderes." Und auch ihre Funktion hat sich geändert. "Der Chor hat keine wirklichen Statisten-Aufgaben. Sie gehören zur Band", erzählt John R. Carlson. Die Arbeit mit den Sängern macht ihm sichtlich Spaß: "Es ist schon erstaunlich, wie viel Erfahrung die Sänger mitbringen. Sie sind schon wie alte Bühnenprofis, nur mit dem Unterschied, dass sie noch mehr Respekt vor den Auftritten haben. Das ist einfach super. Es ist alles Magie, was hier passiert und das spürt man auch", erzählt der musikalische Leiter begeistert.

Die Energie auf der Bühne spürte Martha das erste Mal im Jahr 2004. Sie war als Zuschauerin bei der ersten Premiere der Rocky Horror Show im Schweriner Theater. Schon damals war sie gefesselt von diesem Stück. "Die Leute und die ganze Aufführung haben mich total fasziniert. Alle sind völlig ausgeflippt. Nun kann ich selbst mitmachen. Das ist einfach toll."

Und noch einen anderen Berührungspunkt hat sie mit der Rocky Horror Show. Ihr Vater spielt von Anfang an den Eddie, der mit seinem Motorrad auf die Bühne kommt. "Er ist seit Mitte der 80er-Jahre am Theater, als Techniker. Aber für diese Rolle ist er einfach prädestiniert", erzählt Martha. Bei den kommenden Auftritten werden sie nun gemeinsam vor dem Publikum singen. "Als er davon erfuhr, dass ich im Chor genommen wurde, meinte er nur: Geh und hab Spaß. Aber meine Mama war ganz aufgeregt. Sie kommt auch zur Premiere." Als A-Besetzung im Chor, wird Martha das erste Mal vor Publikum heute Abend bei der Premiere singen. Danach hat sie fast jeden Abend eine Vorstellung. "Es ist schon stressig. Ich arbeite ja auch von Montag bis Freitag", erzählt die Physiotherapeutin. "Doch das Gefühl zu erleben, neue Leute kennenzulernen und auch hinter die Kulissen blicken zu können, dafür lohnt es sich." Dass etwas schief gehen könnte, darüber macht sie sich erst gar keine Gedanken. Doch ihre Aufregung kann sie nicht ganz verbergen. "Es wird schon alles gut laufen. Und John, der musikalische Leiter, sagt immer, es soll einfach Spaß machen. Es ist ein Trash-Stück, einfach Rock’n’Roll, da muss nicht alles perfekt sein."

Eine Zusatzvorstellung für das Kult-Musical „Richard O‘Briens The Rocky Horror Show“ bietet das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin am Ostermontag, den 1. April um 18 Uhr an.

Für sämtliche 16 Februar-Vorstellungen sind die regulären Plätze ausverkauft. Nur noch Stehplätze sind zu haben.

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