Todesfalle Osterfeuer : Igel leben brandgefährlich

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Holzhaufen dienen Tieren als Unterschlupf, Naturschützer fordern Umschichten der Stapel kurz vor dem Verbrennen

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03. April 2015, 09:00 Uhr

Osterfeuer sind ein beliebter Brauch in Mecklenburg-Vorpommern. Doch für viele Wildtiere können sie zur tödlichen Falle werden. Der Grund: Vielerorts werden Äste und Zweige schon Wochen vor dem Osterfest zu großen Haufen aufgeschichtet. Hasen, Spitzmäuse und Insekten nutzen die teils meterhohen Stapel als Unterschlupf, Vögel wie Rotkehlchen und Zaunkönig als Brutstätte. Igel und Kröten überwintern sogar darin. So wird der vermeintliche Rückzugsort schnell zum Scheiterhaufen. „Das Anzünden des Osterfeuers bedeutet häufig den grausamen Tod für die darin lebenden Tiere“, sagt Manuela Heberer, Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) Mecklenburg-Vorpommerns.

Der Nabu rät daher auf seiner Internetseite, Osterfeuer nicht unbedacht zu entzünden. „Aus Naturschutzsicht ist es sinnvoll, das Brennmaterial erst kurz vor dem Anzünden aufzuschichten oder es zumindest vorher einmal vorsichtig umzuschichten“, so Heberer. Ist der Reisighaufen bereits älter, beispielsweise aus dem Vorjahr, sollte er erst gar nicht angerührt werden.

Ein komplettes Umsetzen ist notwendig, damit die Tiere flüchten können. Nur an dem Brennmaterial zu rütteln reiche da nicht. Denn dann seien die Tiere verschreckt. Um Schutz zu suchen würden sie sich nur noch tiefer in ihr Versteck zurückziehen. Wird das Osterfeuer angefacht, haben sie dann keine Möglichkeit mehr, den Flammen zu entfliehen.

Besonders gefährdet sind Igel, die sich zum Winterschlaf unter die Holzstöße vergraben haben. Für die stacheligen Gesellen ist ein Entkommen vor dem Feuer nahezu unmöglich. Denn die Tiere befinden sich zu dieser Jahreszeit noch in einem komaähnlichen Zustand. Selbst wenn sie erwachen würden, benötigen sie etwa zwölf Stunden, um sämtliche Körperfunktionen zu aktivieren. Dazu kommt, dass Igel keine Fluchttiere sind. Droht Gefahr, rollen sie sich meist zusammen. Die Tiere sterben qualvoll.

Tiere, die dem Feuertod entrinnen, sind mit schweren Wunden gezeichnet, weiß Heidi French vom Verein Igelhilfe Mecklenburg-Vorpommern zu berichten. „Ich hatte schon angebrannte Tiere. Die Stachel waren durch das Feuer zusammengeschmolzen wie angeschmorter Kunststoff. Ein schrecklicher Anblick“, erzählt die 54-Jährige, die in ihrem Haus in Groß Potrems bei Rostock eine private Igel-Pflegestation unterhält. Im Schnitt etwa 100 Tieren pro Jahr gibt French vorübergehend ein Zuhause. Viele davon seien verwaiste Jungtiere, deren Mütter oft von Autos überfahren wurden. Aber auch um kranke und verletzte Tiere, die beispielsweise von Mähdreschern und Rasentrimmern regelrecht skalpiert wurden, kümmere sie sich, bis sie wieder ausgewildert werden könnten.

French wünscht sich gerade zu Ostern mehr Rücksicht auf Igel und andere Tiere. „Die Gefahr für die Tiere, im Feuer zu sterben, kann einfach umgangen werden, wenn man die Haufen umschichtet oder erst an dem Abend vor dem Entzünden aufschichtet.“

Worauf Sie beim Osterfeuer achten sollten

Mindestens 100 Meter Abstand zu Straßen und 50 Meter zu Gebäuden und Bäumen muss ein Osterfeuer haben. Worauf Veranstalter, aber auch Privatpersonen, sonst noch achten müssen, erklärt der Deutsche Feuerwehrverband in Berlin:

Anmeldung: Osterfeuer müssen bei der zuständigen Behörde angemeldet werden. Das ist häufig das Ordnungsamt. So kommt es nicht zu Fehleinsätzen von Feuerwehren.

Brennmaterial: Erlaubt ist nur das Verbrennen von unbehandeltem Holz und trockenen Pflanzenresten. Wer Haus- oder Sperrmüll verbrennt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Vorsicht ist bei brennbaren Flüssigkeiten als Brandbeschleuniger geboten. Wird zu viel Material auf einmal abgebrannt, fliegen Funken. Feuchtes Grünzeug entwickelt viel Rauch.

Sitzgelegenheit: Strohballen sollten nicht als Sitzgelegenheit genutzt werden. Schon allein die Hitzestrahlung des Feuers kann sie entzünden.

Aufsicht: Offenes Feuer darf nie unbeaufsichtigt abbrennen, und der Veranstalter darf die Stelle nach dem Löschen erst verlassen, wenn sie komplett erkaltet ist. Gerade Kinder müssen im Auge behalten werden.

Notfall: Kleinere Verbrennungen werden zehn Minuten lang mit zehn bis 20 Grad warmem Wasser gekühlt. Großflächige Verbrennungen und Stellen, an denen Substanzen an der Haut festkleben, werden erst nur abgelöscht. Eine längere Kühlung könnte hier Komplikationen zur Folge haben. Direkt den Notarzt unter 112 alarmieren. Für den Fall der Fälle sollte eine Zufahrt für die Feuerwehr und den Rettungsdienst frei sein.

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