zur Navigation springen

Verkehr : „Idiotentest“: Jeder Zweite scheitert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

1784 Fahrer mussten 2015 in MV zur medizinisch-psychologischen Untersuchung

von
erstellt am 29.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Alkohol und illegale Drogen am Steuer oder wiederholte Verkehrsverstöße: In Mecklenburg-Vorpommern mussten sich im vergangenen Jahr 1784 Fahrzeugführer einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen, die im Volksmund oft als „Idiotentest“ bezeichnet wird. Wie das Schweriner Verkehrsministerium gegenüber unserer Redaktion weiter mitteilte, bestanden nur 933 Probanden den Eignungstest – eine Quote von 52 Prozent. 768 Verkehrssünder scheiterten und 83 weitere mussten zur Nachschulung.

Der Schweriner Verkehrsanwalt Holger Rochow zu den Gründen des Scheiterns: „Viele ändern ihr Trinkverhalten nicht und können während des Tests nicht glaubhaft darlegen, dass sie zukünftig keine erhöhte Gefahr für die Verkehrssicherheit sind.“

Wie teuer ist eine MPU?
Alle Kosten der Untersuchung trägt der Verkehrssünder. Wie teuer die MPU letztlich wird, hängt davon ab, aus welchem Grund sie angeordnet wurde. Bei Fahren unter Alkoholeinfluss schlägt sie mit mindestens 400 Euro zu Buche. Waren Drogen im Spiel, werden rund 550 Euro fällig. Zusammen mit einem Vorbereitungskurs kann mit Ausgaben von insgesamt 1500 Euro gerechnet werden.

In Mecklenburg-Vorpommern wird nicht wie in einigen anderen Bundesländern erst bei Trunkenheitsfahrten ab 1,6 Promille eine MPU angeordnet, sondern auch bei der Neuerteilung einer strafgerichtlich eingezogenen Fahrerlaubnis. Das bedeutet, dass der Test ab 1,2 Promille obligatorisch wird. Grundlage ist ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Greifswald von 2013.

Alkohol gehört nach unangepasster Geschwindigkeit und Nichtbeachten der Vorfahrt zu den häufigsten Unfallursachen. Von den 43 Menschen, die in der ersten Hälfte dieses Jahres auf den Straßen des Landes starben, waren vier Opfer von Alkoholunfällen.

Bundesweit müssen jährlich knapp 100.000 Fahrer zur MPU. Der Grund ist in jedem zweiten Fall auffälliges Verhalten unter Alkoholeinfluss. Bei 23 Prozent der Betroffenen führen die Einnahme von Drogen oder Medikamenten zum Test. In 16 Prozent der Fälle müssen Fahrer zur MPU, die wegen wiederholter Verkehrsverstöße aufgefallen sind.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen