Haft nach Anschlag auf Flüchtlingsheim : Ideologische Verblendung

Die beiden Angeklagten  im Landgericht Rostock
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Die beiden Angeklagten im Landgericht Rostock

Fünf Jahre Haft für Brandanschlag auf Flüchtlingsheim. Tätern war das Leben von 38 schlafenden Bewohnern egal

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07. März 2016, 21:00 Uhr

Nach einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Groß Lüsewitz bei Rostock hat das Landgericht Rostock zwei Männer wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung zu je fünf Jahren Haft verurteilt.

Die 25 und 26 Jahre alten Angeklagten hätten wegen ihrer ausländerfeindlichen Gesinnung und aus „ideologischer Verblendung“ die Unterkunft mit zwei selbstgebauten Molotow-Cocktails angegriffen, hieß es am Montag in der Urteilsbegründung zu den niederen Beweggründen der beiden Täter. Das Gericht bescheinigte den beiden ebenfalls Heimtücke, weil sie ihren Angriff gegen schlafende Menschen richteten.

Die beiden Angeklagten nahmen das Urteil ohne erkennbare Regung auf. Sie waren auf die Höhe der Strafe längst vorbereitet. Für den Fall umfassender Geständnisse, so hatten es Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidiger zu Beginn des Prozesses ausgemacht, würden sie kaum mehr Haftzeit zu erwarten haben. Die Angeklagten nahmen das Angebot an.

In ihren Geständnissen machten sie aus ihrer ausländerfeindlichen Einstellung kein Hehl, entschuldigten sich allerdings auch bei den Opfern. Der eine Angeklagte bekundete offen, zur Zeit der Tat mit der NPD sympathisiert zu haben. Beide verbreiteten über Facebook zudem zahlreiche ausländerfeindliche Kommentare. Während der eine Angeklagte für sich in Anspruch nahm, inzwischen toleranter gegenüber Ausländern geworden zu sein, sagte der andere lediglich, die Flüchtlingsunterkunft in Brand setzen zu wollen, wäre wohl „keine Lösung“ gewesen.

Der Hilfsarbeiter und der Kurierfahrer entschlossen sich im Oktober 2014 auf einer Grillparty, das Flüchtlingsheim in ihrem Heimatort anzugreifen, weil dort nur „Scheinasylanten“ untergebracht seien. Sie fuhren zu einer Tankstelle, um einen Reservekanister aufzufüllen. Ein alter Pullover musste für die Lunten herhalten. Einer ihrer Brandsätze brannte dann auf einem Fenstersims aus. Der andere fiel von einem Baugerüst zurück auf den Rasen vor dem vierstöckigen Gebäude. Die 38 Bewohner des Hauses, die überwiegend im obersten Stockwerk lebten, kamen nicht zu Schaden, Der Sachschaden betrug rund 4000 Euro.

Die Angeklagten hätten von einem „glücklichen Ausgang“ ihres Angriffs nicht ausgehen können, urteilte das Gericht. Ihnen sei das Leben der Bewohner „egal“ gewesen. Noch während die Brandsätze loderten, flohen sie und verbrachten den Rest der Nacht in einer Diskothek. Verhaftet wurden sie erst elf Monate später. Gerüchte über ihre Täterschaft kursierten in Groß Lüsewitz wohl schon länger, bevor ein Dorfbewohner der Polizei den entscheidenden Tipp gab. Er habe auf die ausgelobte Belohnung verzichtet, teilte das Gericht am Montag mit.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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