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Proteinreiche Alternative zum Fischmehl : Idee: Fliegenlarven als Tierfutter

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Unternehmer Heinrich Katz von der Katz-Biotech-AG zeigt in Baruth die Larve einer Soldatenfliege (Hermetia illucens). Katz will aus gezüchteten Fliegenlarven ein proteinreiches Futtermittel für Nutztiere herstellen.

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erstellt am 12.Okt.2012 | 07:51 Uhr

Baruth/Mark | Heinrich Katz weiß, wann sich seine Fliegen besonders wohlfühlen. Bei feuchtwarmen 25 bis 30 Grad Celsius vermehren sich die Insekten in den weißen Stoffkäfigen unter dem gläsernen Dach der Firma in Baruth (Teltow-Fläming) prächtig. Innerhalb weniger Tage schlüpfen aus den Eiern der Soldatenfliegen kleine Larven. Mit ihnen hat Katz Großes vor: Sie sollen ein neues, proteinreiches Futtermittel für Fische, Schweine und Geflügel werden.

"Seit der BSE-Krise sind wir völlig abhängig vom Fischmehl als Futtermittel mit tierischem Protein", sagt Katz, der gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen Hermetia führt. Hermetia illucens - das ist die Fliege, auf die Katz seine neue Entwicklung baut.

Als der Rinderwahn Ende der 1990er Jahre europaweit Tausende Kühe infizierte, habe die Europäische Kommission 2001 mit einer Richtlinie reagiert, erläutert Katz. Darin sei festgehalten, dass neben pflanzlichem Protein, das zum Beispiel aus Soja gewonnen werden kann, nur Fischmehl als tierisches, proteinreiches Futtermittel zugelassen sei.

Dieses ist für Katz jedoch eine "ökologische Katastrophe". Denn um als Futtermittel für hochwertige Fischarten zu dienen, müssen zuvor etliche andere Fische sterben. "Für ein Kilogramm Lachs müssen drei Kilogramm Fischmehl verfüttert werden", erläutert Katz. "Dabei sind die Meere eigentlich jetzt schon überfischt." Auch alternative pflanzliche Rohstoffe wie Soja seien nicht unbegrenzt verfügbar. Zudem steige der Bedarf an eiweißreicher Nahrung weltweit.

2006 kam der Verband Naturland auf Katz mit der Idee einer Larvenzucht zu. Normalerweise beschäftigt sich der Ingenieur mit lebenden Insekten. Denn das traditionsreiche Familienunternehmen Katz Biotech AG hat sich auf die biologische Schädlingsbekämpfung spezialisiert. In den gleichen Hallen, in denen sich auch die Fliegen befinden, züchtet Katz Marienkäfer und andere Nützlinge, die gegen schädliche Insekten auf Pflanzen eingesetzt werden.

"Es ist ein altes, großes Thema der Aquakultur, nach Möglichkeit unabhängig vom Fischmehl werden zu wollen", sagt Stefan Bergleiter von Naturland. Die Zucht der Hermetia-Larven sei dabei eine vielversprechende Option. "Die Verfügbarkeit von Fischmehl ist schon heute an ihre Grenzen gekommen", sagt Bergleiter. Wirbellose Tiere als alternatives Futtermittel zu benutzen, biete sich an, da die Fische auch in ihrem natürlichen Umfeld Insekten fressen.

"Wir sind startklar für eine umfangreiche Produktion", sagt Katz. Doch dafür müssten noch die Vorgaben der Europäischen Kommission geändert werden. Katz kämpft an zwei Fronten: Neben der Zulassung als Futtermittel ist auch die Aufzucht der Fliegen noch umstritten. Denn der Unternehmer möchte die Larven auf Biomasse kultivieren - das heißt, auf alten, pflanzlichen Speiseresten, wofür es ebenfalls keine Genehmigung gibt.

Wenn Katz von den Problemen in Europa spricht, denkt er auch schnell an Übersee. In Kürze soll in Brasilien ein Werk zur Fliegenzucht entstehen. Ein Mitarbeiter von Katz wird dort die technische Leitung übernehmen. "Unsere Fütterungsversuche waren alle hoch zufriedenstellend", sagt Katz. Eine Studie habe zudem bestätigt, dass sich die Larven als Futter auch für Schweine und Geflügel eignen. In der Aquakultur sei es sogar der beste Ersatzstoff für das Fischmehl.

Zwei fette Karpfen in der Produktionshalle könnten als Beweis dienen. Sie wurden laut Katz in den vergangenen Jahren nur mit den Larven als proteinreicher Futterkomponente versorgt. Die Testphase mit dem Ersatzstoff für Fischmehl ist längst vorbei, doch die Karpfen tummeln sich weiter in dem Becken neben den Fliegenkäfigen.

Die würden nicht mehr geschlachtet, erklärt Katz. "Die Mitarbeiter würden sofort kündigen - die Karpfen sind ihnen ans Herz gewachsen."

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