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Schauspieler Herbert Köfer : „Ich wollte anders sein“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

2015 feiert Herbert Köfer ein Jubiläum, das nicht allzu häufig ist: Er ist dann seit 75 Jahren Schauspieler

Er moderierte die erste Sendung des DDR-Fernsehens – und auch die letzte. Er spielte im Defa-Film „Nackt unter Wölfen“ (1963) mit. Jahrzehnte später stand er dann für Serien wie „Der Landarzt“ oder „Von Fall zu Fall“ vor der Kamera. Auch die Theaterbühne ist sein Zuhause. 2015 wird Herbert Köfer dann seit 75 Jahren als Schauspieler arbeiten – ein seltenes Jubiläum.

Und noch immer ist der Terminkalender des Mimen, der im Februar 94 Jahre alt wird, voll. Köfer gehört zu den ältesten noch aktiven Schauspielern Deutschlands. Den Beruf habe er nur aus einem Grund gewählt: „Ich wollte anders sein, als ich bin.“ Er sei in der Schule eher ein Hänfling gewesen – „nicht der Größte in der Klasse und auch keine Sportskanone.“ Heute mache es ihn glücklich, wenn Fans zu ihm sagen: „Sie haben mir Freude gebracht.“ „In Ehre und Anstand alt zu werden, halte ich für besser, als mit 1000 Operationen nicht mehr seine eigene Persönlichkeit zu behalten“, ist seine Maxime. Köfer fühlt sich topfit. Bei der Frage nach möglichen Zipperlein denkt er lange nach – und schaut seine Frau Heike an, die 40 Jahre jünger ist. Eine Antwort fällt beiden nicht ein. Sie lachen nur. Spuren, die das Alter möglicherweise bei ihm hinterlassen haben, gibt er nicht preis.

Auf Fragen antwortet er geschliffen und ist dazu sehr charmant. Die Arbeit halte ihn jung, meint Köfer, der erst im Oktober bei den „Jedermann“-Aufführungen im Berliner Dom als der arme Nachbar auf der Bühne stand. Um seine Kondition zu halten, gehe er mit Ehefrau Heike und den beiden Hunden spazieren. Vor Jahren hatte er mal einen Hometrainer. Ansonsten geht das Paar gerne schwimmen, meist im nahen See. Sport sei aber nie sein Ding gewesen, betont Köfer. Auch auf die Ernährung achte er nicht besonders. „Ich esse und trinke, was mir schmeckt“, sagt er.

Sich gut zu fühlen, verdanke er seinen Fans. „Ich versuche denen zu sagen: Das machen Sie, dass ich mein Leben schön finde“, sagt der geborene Berliner.

Vor zwei Jahren zog Köfer mit seiner Frau in ein neu gebautes Haus am Seddiner See in Brandenburg. Nicht nur fürs Foto habe er bei den Bauarbeiten eine Schubkarre in der Hand gehabt, versichert er. Das glaubt man ihm ohne weiteres – so viel Energie strahlt er aus.

Das Arbeitspensum des 93-Jährigen ist beachtlich. Ab Januar geht er mit seinem vor zehn Jahren gegründeten Tournee-Theater auf Reise. „Bislang haben wir neun Stücke gespielt“, sagt er. Zuletzt gab es in der Comödie Dresden eine Adaption von „Rentner haben niemals Zeit“ – frei nach der 20-teiligen Serie des DDR-Fernsehens. Köfers Auftritte als Opa Paul Schmidt sind legendär und haben ihn zum Publikumsliebling gemacht.

Natürlich denkt er über das Alter nach, betont der agile Senior, der auch Autor ist und gerade wieder ein Buch mit Theateranekdoten herausgegeben hat. „Mit dem Wissen um sich selbst erkennt man auch die Fehler, die im Leben gemacht wurden“, sagt er. Mit dem Alter fehle die Zeit, sie auszubügeln. Für ihn gebe es dafür aber keinen Grund. Zumindest bereite es ihm auch heute keine Mühe, sich auf eine neue Rolle vorzubereiten und den Text zu lernen.

 

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