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AfD schmeißt Federau von der Wahlliste : „Ich war die Seele der Partei“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

AfD-Parteitag kippt Petra Federau von der Kandidatenliste zur Landtagswahl

von
erstellt am 29.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Als der AfD-Landesvorsitzende Leif-Erik Holm am Sonnabend um 14.24 Uhr den Parteitag in Binz für beendet erklärte, war ihm die Erleichterung anzusehen. Die schwierige Personalie Petra Federau war bewältigt und die Partei hatte sich dabei nicht selbst zerlegt. „Wir sind den Kinderschuhen entwachsen“, lobte Holm sich und seine rechtskonservative AfD am Ende.

Zuvor hatte es hitzige Debatten über die Abwahl der Schweriner Kommunalpolitikerin Petra Federau vom aussichtsreichen dritten Platz auf der Kandidatenliste zur Landtagswahl am 4. September gegeben. Holm sagte gleich zu Beginn, er sei enttäuscht, dass Federau einen Teil ihrer Biografie vor der Wahl auf die Kandidatenliste im Februar verschwiegen habe. „Es geht um ein entscheidendes Kriterium im Leben, über das informiert werden muss, sonst macht man sich erpressbar“, erklärte der Parteivorsitzende vor den knapp 140 angereisten Mitgliedern. Auch auf spätere Nachfragen zu den Vorwürfen und auf mehrere Gesprächsangebote habe Petra Federau, die zu den Rechtsaußen der AfD in Mecklenburg-Vorpommern zählt, nicht reagiert, so Holm. Kommuniziert habe man nur über ihren Anwalt. Das Vertrauen sei dahin.

Recherchen unserer Redaktion hatten aufgedeckt, dass Federau bei der Kandidatenkür für die Wahl Details aus ihrem Leben verschwiegen hatte. So hat sie in den Jahren 2009 und 2010 Frauen für einen im arabischen Raum tätigen Escort-Service angeworben. Der Landesvorstand hatte die Schwerinerin aufgefordert, freiwillig auf ihren Platz auf der Landesliste zu verzichten. Dem kam sie nicht nach. Darum wurde der Abwahl-Parteitag einberufen.

Auf dem Parteitag beantragte Federau, die Presse auszuschließen. Der Parteitag entschied sich für einen Verbleib der Medien. Bei ihrer anschließenden Rede wirkte die Schweriner Stadtvertreterin und Geschäftsführerin ihrer AfD-Stadtfraktion nervös. Sie sagte, jeder habe in seinem Leben schon einmal einen Fehler gemacht. „Ich habe niemanden geschadet“, betonte sie und sie habe auch nicht gegen Regeln der AfD verstoßen. Inhaltlich sagte Federau nichts über die Escort-Geschichte. Kein Dementi, keine Erklärungsversuche. Vielmehr schlüpfte sie in eine Märtyrerrolle und sprach von einer Intrige des AfD-Landesvorstandes und einer Schmutzkampagne der Medien gegen sie. „Ich war die Seele der Partei, auf einmal bin ich nur noch Dreck“, rief die Schweriner Kommunalpolitikerin. „Wir stehen das durch“, sagte sie später, „weil ich für dieses Land, für dieses Volk kämpfe.“ Emotion statt Information.

In den Redebeiträgen einiger angereister Mitglieder klang an, dass Petra Federau vermutlich weniger über die Escort-Affäre selbst als vielmehr über ihre fehlende Offenheit und ihr mangelndes Vertrauen gestolpert ist.

Der Parteitag entschied sich gegen die Schwerinerin. Von 137 anwesenden Mitgliedern votierten in geheimer Wahl 84 für eine Abwahl, 47 dagegen, sechs enthielten sich.

Kommentar: Ohne Frauen?

Die Abwahl Petra Federaus von der Kandidatenliste war für die rechtskonservative AfD zweifellos die richtige Entscheidung. Seit Bekanntwerden der Escort-Geschichte vor knapp einem Dreivierteljahr herrscht Funkstille zwischen der Schweriner Kommunalpolitikerin und ihrer Parteiführung um Leif-Erik Holm. Keine Kommunikation, kein Vertrauen.

Wie darf man sich da bitte die Zusammenarbeit in einer AfD-Landtagsfraktion vorstellen, wenn die Partei am 4. September in das Landesparlament einziehen sollte? Dauerkonflikte wären programmiert. Zumal auch andere Kandidaten wie der Rostocker Holger Arpe (jetzt Listenplatz 3) nicht als pflegeleicht gelten.

Mit der Abwahl von Federau haben die Rechtskonservativen allerdings ein neues, möglicherweise größeres Problem. Auf der Kandidatenliste stehen jetzt bis Platz 15 nur Männer. Ausgehend von den aktuellen Umfragewerten würde die AfD am 4. September mit 18 Prozent in den Landtag einziehen. Die Fraktion bestünde dann laut Liste aus 14 Männern. Null Frauen. Man hört schon den ätzenden Spott der anderen Fraktionen: „Zweimal sieben Zwerge und kein Schneewittchen.“

 

 

 

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