Festspiele MV: Violistin Vilde Frang : „Ich spiele besser, wenn die Leute nicht so nett sind“

Vilde Frang
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Vilde Frang

Die Norwegerin Vilde Frang ist in 17 Konzerten bei den Festspielen MV zu erleben

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25. Juni 2016, 16:00 Uhr

Unter den vielen Musikerinnen der jüngeren Generation gehört Vilde Frang zweifellos zu denjenigen Geigerinnen, die nicht allein in puncto Energie und dynamischer Wendigkeit aufhorchen lassen, sondern auch durch ihre Klangfarbigkeit. Das wird die 29-Jährige in diesem Sommer als „Preisträgerin in Residence“ in ihren 17 Konzerten bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern beweisen. Den Auftakt bildet das Konzert am Mittwoch, 29. Juni, in Hasenwinkel. Bis Sonntag, 3. Juli, folgen Auftritte in Wittenburg, Rühn, Wismar und Ulrichshusen. Christoph Forsthoff hat die Norwegerin getroffen.

Sie sprechen wunderbar Deutsch – da könnten wir doch eigentlich das Interview auch auf Deutsch führen…
Vilde Frang (lacht): Oh, nein, ich kann in Deutschland überleben, aber ich finde mein Deutsch wirklich schrecklich… Ich habe viel Zeit in Deutschland verbracht, und ich unterhalte mich auch wirklich gern auf Deutsch mit Menschen aus Korea, Japan oder Russland. Gelernt habe ich die Sprache an der Musikhochschule in Hamburg. Manchmal, wenn mein Selbstbewusstsein sehr gefestigt ist, dann spreche ich Deutsch (lacht).
Und in welchen Momenten ist Ihr Selbstbewusstsein besonders stark?
Schwer zu sagen… Meistens ist es der Fall, wenn ich ein Konzert gebe, denn dann fühle ich mich auf dem Gipfel.
Obwohl Sie doch selbst sagen, Musik stelle permanent Fragen, auf die man als Interpret Antworten finden müsse – finden Sie denn da immer Antworten?
Manche Antworten habe ich noch nicht gefunden, dafür wird es noch ein paar Jahre brauchen, vielleicht auch Jahrzehnte. Doch sobald du eine Antwort gefunden hast, tut sich eine neue Frage auf: Du hast also das Problem nicht wirklich gelöst. Vielleicht sollten wir uns daher zu verschiedenen Zeiten unseres Lebens bestimmte Fragen aufs Neue stellen.
Warum das?
Wir verbringen ja unser Leben mit diesen Komponisten – und so wie sich unsere Beziehung zu ihnen verändert, so verändert sich auch die Bedeutung der Antworten und Fragen. Als Vierjährige war die Bedeutung eine ganz andere als nun mit 29 Jahren oder eines Tages mit 50. Für mich ist das eine ewige Suche – und trotzdem hoffe ich, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem ich alle Antworten gefunden habe: Dann hätte ich als Musikerin meine Erfüllung gefunden.
Welche Antworten haben Sie denn noch nicht gefunden?
Es gibt Stücke, die für mich wie eine Bibel sind, denen gegen- über ich einen gewaltigen Respekt habe und wo Menschen sagen: Halte dich zum jetzigen Zeitpunkt von diesem Stück fern, denn du solltest es nicht anrühren, bevor du nicht durch gewisse Krisen gegangen bist und weißt, was Leben eigentlich bedeutet.

Man kann sich das Leben auch schwer machen…
In der Tat ist das ein gefährlicher Denkansatz. Und dennoch: Beethovens Violinkonzert etwa ist für mich ein wenig wie die Mona Lisa – du siehst das Lächeln, aber du begreifst ihr Lächeln nicht wirklich: Lächelt sie mir zu oder lächelt sie über mich? Ich bin noch nicht wirklich so weit, dass ich das verstehen könnte – und so ähnlich ist es mit Beethoven.

Sie werden nicht selten als„Jahrhunderttalent“ gehandelt – belasten Sie solche Vorschusslorbeeren?
Ich denke, dass ich sehr viel besser spiele, wenn die Leute nicht so nett zu mir sind (lacht). Solch positive Kritiken setzen mich nur unter Druck und das entfernt mich auch von meiner Persönlichkeit. Nein, das ist nicht mein wirkliches Ich, das dort abgebildet wird.

Christoph Forsthoff


Karten gibt es unter 0385 5918585 oder an der Abendkasse.



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