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Prozess in Schwerin : „Ich sehe ständig diese Maske vor mir“

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwei junge Männer nach Überfall auf Tankstelle in Neustadt-Glewe verurteilt

von
erstellt am 11.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Nachdem sie einen Monat lang immer wieder vor Gericht erscheinen mussten, verabschiedeten sich zwei Räuber gestern mit einem kurzen Handschlag. Der eine wurde zurück ins Gefängnis gebracht, der andere verließ das Schweriner Landgericht auf freiem Fuß. Wegen eines Raubüberfalls auf eine Tankstelle in Neustadt-Glewe verurteilten die Richter den 27-Jährigen zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Der 21-Jährige hingegen soll für zwei Jahre ins Gefängnis. Die Bewährung verweigerten ihm die Richter – aus erzieherischen Gründen.

Ende Februar ließen sich die beiden von zwei Bekannten in die Nähe der Tankstelle fahren. Mit Masken vor den Gesichtern näherten sie sich zu Fuß dem Ziel ihres Raubzugs. Der Jüngere lief mit dem Messer in der Hand durch den Hintereingang, schrie die Angestellte an, schubste sie gegen die Wand und floh mit 673 Euro. Der Ältere kam, bewaffnet mit einer Camping-Axt, erst durch die vordere Tür, als der Spuk vorbei war.

Die Kassiererin blieb unverletzt. Aber sie litt viele Nächte lang an Albträumen. „Ich sehe ständig diese Maske vor mir“, berichtete sie vor Gericht. Weil sie krankgeschrieben war, musste sie zudem auf einen Teil ihres Einkommens verzichten. Beide Täter haben sich bei der 51-Jährigen entschuldigt. Der eine hat ihr 2000 Euro Schadensersatz versprochen.

Die Räuber erzählten, sie seien einige Tage zuvor nach einem Tankbetrug an einer anderen Tankstelle auf der Flucht in einem Feld stecken geblieben. Sie hatten jedoch kein Geld, den Abschleppdienst zu bezahlen und ihr Auto wieder auszulösen. Der Jüngere hatte die Idee, eine Tankstelle zu überfallen. Der Ältere sträubte sich eine Zeit lang, machte dann aber mit.

Im Februar war der Jüngere erst 20 Jahre alt. Deshalb mussten die Richter abwägen, ob er als Heranwachsender oder als Erwachsener bestraft wird. Sie entschieden sich für das mildere Jugendstrafrecht. Besonders der Plan des Angeklagten, nach der Entlassung seine in der Untersuchungshaft begonnene Lehre abzubrechen, um erst einmal richtig Geld zu verdienen, zeigte dem Gericht, dass er noch nicht reif wie ein Erwachsener ist. Aber die Richter wollen ihn erzieherisch zu seinem „Glück“ verhelfen – und weigerten sich, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. So hat er genug Zeit, seine Lehre zu beenden.

Dem 27-Jährigen bescheinigte ein Gutachter, nur vermindert schuldfähig zu sein. Es mangele ihm ein wenig an Intelligenz. Er habe sich aus falsch verstandener Solidarität mit seinem Freund zu dem Überfall überreden lassen. Er muss in eine betreute Wohngruppe ziehen, wo er durch einen geregelten Tagesablauf von „falschen Freunden“ fern gehalten werden soll, die ihn möglicherweise zu neuen Straftaten überreden könnten.

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