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Helge Schneider plaudert aus dem Nähkästchen : "Ich sehe sehr merkwürdig aus"

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"Musik, Quatsch und ernste Themen" verspricht Helge Schneider den Besuchern seiner aktuellen Tournee "…with Love in my Fingers!", die ihn jetzt auch in unser Bundesland nach Schwerin und Rostock führt.

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 05:46 Uhr

Berlin | "Musik, Quatsch und ernste Themen" verspricht Helge Schneider den Besuchern seiner aktuellen Tournee "…with Love in my Fingers!", die ihn jetzt auch nach Schwerin und Rostock führt. (Tourdaten unten). Zuvor empfing der Multiinstrumentalist und Meister des absurden Humors die Medien bei Hackbällchen, Kartoffelsalat und Eis zur Fragestunde im Berliner Admiralspalast.

"Ich nenne das, was ich mache, nicht unbedingt Jazz", positioniert sich Helge Schneider zunächst. "Ich mache Musik, die mir Spaß macht, da ist auch Anderes dabei. Aber der Urgedanke ist schon Jazz. Und obwohl viele Leute mit Jazz nichts anfangen können, fahren dann 2.000 Menschen bei unserem Konzert darauf ab. Das hat etwas mit der Freiheit zu tun, die man sich bei seiner Arbeit selbst gewährt. Ich zeige den Leuten, dass ich mich von schlechten Regeln nicht unterbuttern lasse. Ich kann auch mal gerne Töne von mir geben, die schlecht oder falsch klingen und damit gut leben. Ich werde häufig gefragt, ob ich nicht Angst habe, mich zu verspielen. Das gibt es bei mir nicht. Vielleicht habe ich ein dickes Fell."

Völlig improvisiert ist der Ablauf des Abends natürlich nicht: "Man hat schon eine Auswahl an Stücken im Kopf, wenn man auf die Bühne geht. Ich merke es für mich immer sofort, wenn etwas nicht funktioniert. Dann schalte ich sofort um und mache etwas Anderes. Manchmal gehe ich mit den Jungs auf die Bühne und wir alle denken, wir spielen als erstes Stück "Texas". Und dann spiele ich plötzlich, ohne etwas zu sagen, etwas ganz anderes. Meine Bandkollegen wissen das und nehmen es mir auch nicht krumm. Sie finden es gut, plötzlich so gefordert zu sein. Es ist eine Art Sport."

Was erwartet den Besucher also auf der neuen Tour? "Ich habe in der letzten Zeit viel Gitarre gespielt. Es kann sein, dass ich dann Lieder wie am Lagerfeuer singe. Aber genau weiß ich das noch nicht. Ich weiß genau, dass ich tolle Musiker habe, zum Beispiel Ira Coleman, der Kontrabass spielt und mit dem ich vor so 40 Jahren mal eine Band hatte. Er ist danach nach Amerika und hat mit ganz vielen berühmten Jazz-Musikern gespielt. Der Schlagzeuger ist Willy Ketzer, den ich auch schon seit zwanzig Jahren kenne. Das ist ein tolles Trio, wir können ganz viel improvisieren und müssen nicht viel üben. Wir erfinden nicht bei jedem Konzert etwas Neues, aber wir verbessern das Programm immer weiter. Wir haben Scott Hamilton am Saxophon als Gast dabei." Auch Edel-Bläser Tyree Glenn jr., Drummer Pete York und Bewegungskünstler Sergej Gleithmann wollen mal vorbeischauen.

Früher hat Helge Schneider jene Zuschauer, die lautstark den Hit "Katzeklo" eingefordert haben, mit Straf-Jazz belegt. "Da war ich auch noch auf einer anderen Stufe. Da war ich noch unsicher. Das Lied war ja aus dem Ärmel geschüttelt. Ich fand es nicht wirklich gut. Heute finde ich es gut. Ich habe für die Leute sehr viel Verständnis. Das ist genauso, als wenn man angesprochen wird: "He, Helge, wart’ doch mal, Foto machen!" Manchmal kann man das nicht, weil man keine Zeit hat. Aber ich muss immer daran denken, dass es ja mein Beruf ist. Ich habe mir das selbst eingebrockt. Es macht mir eigentlich nichts aus. Ich finde es ganz gut. Ich genieße es, dass mich keiner erkennt, wenn ich mal nicht in Deutschland bin, sondern zum Beispiel in Spanien. Hier werde ich immer erkannt, egal, wie ich rumlaufe. Ich verstehe das auch gar nicht. Anscheinend sehe ich sehr merkwürdig aus."

Der Tournee-Stress geht auch dem alten Hasen an die Substanz. "Mein Beruf ist schon auch anstrengend. Nicht die Konzerte, die sind nicht anstrengend, aber das Dahinkommen, das Autofahren oder Fliegen. Man muss täglich drei- oder vierhundert Kilometer zurücklegen, manchmal auch 1000. Das ist schon manchmal ermüdend. Der von zu Hause gewohnte Tagesablauf - Aufstehen, Frühstück, Mittagessen - funktioniert auf Tournee nicht. Dann kommt man irgendwohin und dort steht da so ein Catering. Jemand hat sich viel Mühe gegeben und unglaublich viel Essen hingelegt. Da muss man sich im Griff haben, sonst wird man dick. Es gab Kollegen, denen man das nach drei Tagen schon angesehen hat." Groupies lassen aber auch bei Normalfigur auf sich warten. "Die vielen Frauen kommen nur in meine Konzerte. Die Zeiten sind vorbei, in denen sie an der Garderobe stehen und auf dich warten. Das ist nur bei Roland Kaiser so."

Helge Schneider ist auch ein begnadeter Autor: "Mich haben Raymond Chandler und Patricia Highsmith inspiriert, aber auch Charles Bukowski. Der ist mir mal begegnet, in Köln-Mülheim. Er hatte eine Lesung in einer kleinen Galerie. Ich kannte ihn damals noch nicht. Man hat mich gefragt, ob ich da Alt-Saxophon spielen würde. Ich habe gesagt, nee, das mache ich nicht. Ich bin aber hingegangen und war zwei Meter von ihm entfernt. Er hat dann so gelesen, englisch auch noch, das habe ich gar nicht verstanden. Im Nachhinein habe ich mich total geärgert. Ich hätte den gern mal kennengelernt und natürlich auch für ihn gespielt."

Seine ersten Gehversuche im Musikgeschäft hat Schneider nie vergessen. "Damals habe ich meine Zeitungskritiken selbst geschrieben, unter falschem Namen. Die habe ich dann ausgeschnitten, fotokopiert und an alle Jazz-Clubs verschickt. Ich habe noch Videoaufnahmen, da habe ich den ganzen Abend vor zwei Leuten gespielt."

Zu den Shows seiner aktuellen Tour werden deutlich mehr Besucher pilgern. Schneiders Erfolgsrezept: "Emsige Arbeit und Qualität."


Helge Schneider auf Tour

  • 17. 8. 2013 Schwerin - Freilichtbühne
  • 30. 8. 2013 Hamburg - Stadtpark
  • 1. 9. 2013 Rostock - IGA Parkbühne


Karten: 0800 / 20 50 74 02
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