zur Navigation springen

Michael-Wirkner-Ausstellung in Neustadt-Glewe : "Ich rede nicht über meine Bilder"

vom

In Neustadt-Glewe ist seit dem Wochenende eine große Michael-Wirkner-Ausstellung zu sehen. Zu sehen sind knapp 50 Exponate aus den Werkgruppen Seestücke, Kopflandschaften und Hohes Land.

svz.de von
erstellt am 25.Jun.2013 | 07:30 Uhr

Neustadt-Glewe | Nein, ihm selbst, dem Mecklenburger Zeichner, Maler und Grafiker Michael Wirkner, der sich aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen vor einem Jahr von dieser Welt verabschiedet hat, kann man nicht mehr beistehen. Aber man kann einiges dafür tun, das hinterlassene Werk dieses wichtigen zeitgenössischen Malers zum einen zusammenzuhalten und zum anderen öffentlich machen - also auszustellen, damit zum Beispiel seine Seestücke auch wirklich Sehstücke sein können, also gesehen, betrachtet und selbstverständlich auch diskutiert werden können. Aber dazu müssen sie eben erst einmal an einer Ausstellungswand hängen.

Genau das geschieht seit dem Wochenende im Alten Haus auf der Burg in Neustadt-Glewe, wo am letzten Sonnabend unter erfreulich starker Publikumsbeteiligung die Ausstellung "In Moll gestimmt" mit Handzeichnungen und Tafelmalerei von ihm eröffnet wurde. Diese Exposition hatte dessen bester Freund, Eckhart Sarnow, noch zusammen mit Wirkner vorbedacht und vorbereitet, die jetzt knapp 50 dort gezeigten Exponate aus den drei großen Werkgruppen - Seestücke, Kopflandschaften und Hohes Land musste Sarnow jetzt allein auswählen und verantworten. Er hat eine gute, sehenswerte Auswahl getroffen.

Die Laudatio zur Vernissage der Wirkner-Werkschau, die durch eigene englische Lieder der beiden Singer-Gitarristen Detlev Böhm und Michael Bohnen aus Schwerin musikalisch kongenial begleitet wurde, hielt der Kunstwissenschaftler Ulrich Kavka. In seiner Rede berichtete Kavka über eine merkwürdige Erscheinung: "…seitdem er nicht mehr leibhaftig zu erleben, zu spüren ist, bilde ich mir beinahe zyklisch ein, sein merkwürdiges Gelächter zu hören, ein Kichern wohl eher, hinter dem er den Ernst, oder die Qual, oder die Ungeduld, oder die Freude, oder das Glück …, verbarg. Aber wer weiß das schon?", so Kavka. Seine Bilder jedoch, die gezeichneten und die gemalten, kündeten davon, freilich ohne ihre Geheimnisse gänzlich zu offenbaren, die seines Gemüts und die der vielseitigen Natur, aus denen sie gespeist wurden.

Auch der Kunstwissenschaftler Kavka sprach davon, dass es ein öffentliches Interesse gebe, sein hinterlassenes Werk lebhaft zu pflegen und im Kern zusammenzuhalten. Die unweit von Wirkners langjährigem Arbeits- und Lebensmittelpunkt Schwerin gelegene Burg in Neustadt-Glewe sei ein würdiger Ort dafür - mindestens für die Dauer der Ausstellung bis Ende Juli.

Kavka sprach auch über den Beginn ihrer Bekanntschaft im Herbst 1984 während einer Künstlerversammlung in der Schweriner Gaststätte "Mueßer Bucht". Recht brüsk antwortete der Maler Wirkner damals dem Kunstwissenschaftler Kavka: "Nein, ich möchte mit Ihnen nicht über meine Bilder reden." Rückerinnernd sei diese erste persönliche Begegnung und diese sperrige Attitüde jedoch "der eigentliche Beginn einer langen, bisweilen arg strapazierten Freundschaft" gewesen. Und dennoch werde er, so fügte Kavka noch hinzu, der bis heute glaube, Wirkner recht gut gekannt zu haben, immer wieder aufs Neue überrascht von den unendlichen, ja unergründlichen Tiefen, Räumen, Strukturen und Flächen. In der Tat vertrieben ihm Wirkners Bilder jeglichen Anflug von Langeweile, "auch weil sie mir wieder und wieder begegnen, als hätte ich sie noch nie gesehen."

Kein Zweifel schwäche sein Interesse. Vielmehr beflügele die unablässige Neugier die Spannung, sagte Ulrich Kavka, der sich künstlerisch gesehen von Wirkner gern auf die Folter spannen lasse. "Wer und was verbergen sich hinter den Linien und Farben? Welches Drama? Oder welches Glück? Das ewig lebhafte Dasein der Kunst begründet sich in solchen Fragen. - Seit dem Menschsein also kein Anfang und kein Ende!"

Gelegenheit, sich selbst derart auf die Folter spannen und der sehr lebendigen Kunst des toten Michael Wirkner zu begegnen, besteht auf der Neustädter Burg noch bis zum 28. Juli 2013. Geöffnet ist "In Moll gestimmt" jeweils dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie am Wochenende von 13 bis 16 Uhr.

Und es ist zu hoffen, dass das Werk dieses sich besonders zwei Landschaften und Kulturlandschaften heimatlich verbunden fühlenden Künstlers - dem "Hohen Land" des Erzgebirges und eben Mecklenburg-Vorpommern - einen würdigen Ort dauerhafter Präsentation findet. Schon des anhaltenden öffentlichen Interesses und dem Erhalt dieses öffentlichen Interesses wegen. Die Kunst des Michael Wirkner hat es verdient.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen