"Ich könnte Deine Oma sein"

Ein 25-jähriger mutmaßlicher Vergewaltiger, neben seinem Anwalt (l) und einem Justizbeamten (M), muss sich am 05.03.2013 im Landgericht Potsdam wegen seiner Tat an einer 78-Jährigen Frau in Falkensee (Havelland) verantworten. Foto: Nestor Bachmann/dpa
Ein 25-jähriger mutmaßlicher Vergewaltiger, neben seinem Anwalt (l) und einem Justizbeamten (M), muss sich am 05.03.2013 im Landgericht Potsdam wegen seiner Tat an einer 78-Jährigen Frau in Falkensee (Havelland) verantworten. Foto: Nestor Bachmann/dpa

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05. März 2013, 07:46 Uhr

Potsdam | Das Verbrechen hat die Menschen in Falkensee (Havelland) bei Berlin erschüttert: Ein junger Mann vergewaltigt eine Frau, die seine Großmutter sein könnte. Der Schock der 78-Jährigen ist so groß, dass sie einen Herzinfarkt erleidet und stirbt. Seit gestern muss sich der mutmaßliche Täter wegen Vergewaltigung mit Todesfolge vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Ihm drohen mindestens zehn Jahre Haft. Die Anklage offenbart, welches Leid die Seniorin erdulden musste: Demnach hat der 25-Jährige die Frau am 4. August 2012 derart brutal vergewaltigt, dass sie erhebliche Verletzungen im Genitalbereich erlitt. Der mutmaßliche Täter soll der Radfahrerin in einem Tunnel in der Nähe des Bahnhofs aufgelauert und sie in ein Gebüsch gezerrt haben.

Die Frau habe um Gnade gebettelt, sagte Staatsanwalt Peter Petersen als er die Anklage verlas. "Ich könnte Deine Oma sein", habe sie gerufen. Doch der Angeklagte habe nicht von der Seniorin abgelassen. "Sie konnte aus Angst keine Gegenwehr leisten", sagte Petersen. Außerdem sei ihr der Angeklagte körperlich deutlich überlegen gewesen. Ein 21-Jähriger, der auf dem Weg zur Arbeit war, kam der Frau zur Hilfe. "Sie rief Hilfe, Hilfe, Hilfe - er hat mich vergewaltigt", schilderte der Mechatroniker vor Gericht. Ein junger Mann sei geflohen. Der Angeklagte war kurz nach der Tat festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Laut Anklage belasten ihn DNA-Spuren.

Die Frau kam damals in eine Klinik - doch sie starb dort einige Stunden später an einem Herzinfarkt. "Wir haben vorher noch gesprochen. Der Mann war so rabiat, hat sie gesagt", berichtete der Ehemann des Opfers am Rande des Prozesses. Der 83-Jährige und seine Tochter treten im Verfahren als Nebenkläger auf. Aufmerksam musterte der schmächtige Witwer den Angeklagten, der gepflegt mit hellblauem Hemd zu Sakko und Jeans erschienen war. Blass, aber mit ungerührter Miene verfolgte der Fliesenleger das Geschehen.

Der 25-Jährige schwieg zum Prozessauftakt. Auch Angaben zu seiner Person werde er erst später machen, erklärte sein Verteidiger. Damit bleibt das Motiv des jugendlich wirkenden Mannes rätselhaft. Laut Staatsanwaltschaft hat er es abgelehnt, sich psychia trisch untersuchen zu lassen. Durch Sexualdelikte sei er bislang nicht aufgefallen, sagte Staatsanwalt Petersen. Vorbestraft sei der Mann unter anderem wegen Raubes und Sachbeschädigung. Das Landgericht Potsdam will beim nächsten Prozesstag am 11. März weitere Zeugen hören. Insgesamt sind zunächst acht Prozesstage geplant. Ein Urteil könnte demnach am 30. April gesprochen werden.

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