Alternative Mobilität : „Ich brauche jetzt dringend Strom“

Grüne Zukunftstour: Johann-Georg Jaeger, Vorsitzender des Landesverbandes der Grünen in MV, ist Initiator der Aktion, bei der E-Autos und H2-Autos von Rostock nach Schwerin fahren.
Grüne Zukunftstour: Johann-Georg Jaeger, Vorsitzender des Landesverbandes der Grünen in MV, ist Initiator der Aktion, bei der E-Autos und H2-Autos von Rostock nach Schwerin fahren.

Grüne fordern mehr Ladesäulen in Mecklenburg-Vorpommern für Elektro-Autos. Andere Länder sind schon viel weiter

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03. September 2018, 05:00 Uhr

„Wer in Mecklenburg-Vorpommern ein Elektroauto bewegt, bekommt es überall bewegt.“ Gleich zu Beginn der „Zukunftstour“ der Grünen Mecklenburg-Vorpommerns legt der 42-jährige Benedikt Klees aus Bargeshagen bei Rostock den Finger in eine der offenen Wunden der alternativen Mobilität. Denn die schlechte Ladeinfrastruktur für Elektro-, aber auch für Wasserstoffautos ist einer der großen Bremsklötze bei der Entwicklung der alternativen Mobilität. Die „Zukunftstour“ mit knapp 50 Teilnehmern im Alter von 18 bis 94 Jahren führte von Rostock nach Schwerin und wieder zurück.

Schon die knapp 120 Kilometer lange Strecke von Rostock über den Windpark Mistorf bei Güstrow zum Wemag-Batteriespeicher Schwerin bringt die Akkus zumindest der kleineren Autos an ihre Grenze. „Ich brauche jetzt dringend Strom“, sagt Uwe Hempfling aus Rostock bei der Ankunft in Schwerin. Er ist mit einem kleinen E-Smart unterwegs, die einstündige Pause zur Besichtigung des Batteriespeichers beim Energieversorger Wemag ist nicht nur für sein Auto dringend notwendig, um wieder zurück nach Rostock zu kommen. Es herrscht großer Andrang an den Ladesäulen.

Es ist ein außergewöhnlich ruhiges Vergnügen, an diesem Samstag in einem der 13 Elektro- und 2 Wasserstofffahrzeugen auf kleinen Straßen durch Mecklenburg zu fahren. „Wer langsam fährt, kommt schneller an“, erklärt Klees, der sich sein Auto ein bisschen aus einem „Nerd-Faktor“ und Spieltrieb heraus zugelegt hat. Denn je höher die Geschwindigkeit ist, desto schneller geht die Batterieladung zur Neige.

Eine Einstellung zur Entdeckung der Langsamkeit, mit der in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern mit seinen gerade mal 500 reinen Elektroautos noch nicht viele Anhänger zu gewinnen sind.„Wir sind uns sicher, dass die Zeit der sauberen und entspannteren Mobilität bald kommen wird“, sagt die grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Müller.

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es bereits viele Staaten gibt, die in der Entwicklung der alternativen Mobilität deutlich weiter sind. Die Automobilindustrie habe die Entwicklung verschlafen, betont der grüne Landeschef Johann Georg Jaeger. Denn viele Menschen könnten sich vorstellen, ein E-Auto anzuschaffen. Doch Wartezeiten von einem halben Jahr - und teilweise weit darüber hinaus - seien für viele nicht akzeptabel, wenn sie dann gleichzeitig noch die geringe Reichweite und den höheren Preis bedenken.

Die Grünen wollen mit ihrer Tour ein politisches Signal für die künftige Mobilität auch im Automobilbereich setzen und insbesondere auf die mangelhafte Ladeinfrastruktur aufmerksam machen. In MV gibt es den Angaben zufolge rund 400 Ladepunkte für Elektroautos, lediglich eine für Wasserstoffautos, die steht in Rostock. Ein Zustand, der nach Ansicht Jaegers nicht haltbar ist. Zwar kommt in Kürze eine weitere H2-Station in Hagenow dazu, doch landesweit seien mindestens sieben notwendig, ist er überzeugt.

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