Schweriner Pilger : „Ich bin unglaublich erleichtert“

David Britsch zurück in seiner Schweriner Wohnung.
David Britsch zurück in seiner Schweriner Wohnung.

Der Schweriner Pilger David Britsch feiert nach neun Monaten Haft in der Türkei Weihnachten in der Familie.

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22. Dezember 2017, 18:55 Uhr

Inzwischen kann David Britsch sogar wieder lachen. „Ich bin unglaublich erleichtert wieder hier in Schwerin zu sein“, sagt der 55-Jährige gestern gegenüber unserer Redaktion. Nach fast neunmonatiger Haft in der Türkei ist Britsch freigelassen worden und wieder bei seiner Frau und seinen Kindern.

„Es wird dauern bis ich zur Ruhe komme und alles aufgearbeitet habe,“ schilderte er seine Stimmungslage. Das diesjährige Weihnachtsfest werde er bei seinem im Sterben liegendem Vater in Süddeutschland verbringen. Der Freigelassene hatte während seiner Haftzeit in der Türkei große Angst, seinen kranken Vater nicht mehr lebend wiederzusehen.

Britsch wollte ursprünglich zu Fuß von Schwerin nach Jerusalem pilgern und brach am 21. November 2016 ohne jeden Cent auf. Über Polen und andere osteuropäischen Staaten gelangte er bis in die Türkei. Dort angekommen, gab es die ersten Probleme mit der Polizei. „Häufig wurde ich kontrolliert, befragt und manchmal an völlig fremden Orten wieder freigelassen“, so der Pädagoge. An der Grenze nach Syrien war schließlich Schluss. Der Pilger wurde Anfang April verhaftet und in Abschiebehaft genommen.

„Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen,“ sagte er und betonte, dass seine Festnahme „absurd, da außerhalb eines rechtsstaatlichen Rahmens“ gewesen sei. „Von einem Nato-Partner und EU-Beitrittskandidaten hätte ich nicht erwartet, dass meine Freiheit und die Menschenrechte so beschnitten werden“, wunderte sich Britsch.

Die Haftbedingungen seien schlimm gewesen. Er habe sich eine Zelle mit fünf bis sieben Mitgefangenen teilen müssen. Die meisten von ihnen waren Abschiebehäftlinge aus Afghanistan und Pakistan, von denen die türkischen Behörden offenbar vermuteten, dass sie als Islamisten ins Kampfgebiet nach Syrien wollten.

„Die Verständigung mit ihnen war schwierig“, sagte Britsch, „weil sie kein Englisch sprachen.“

Seit Mittwoch weiß seine Frau von der bevorstehenden Freilassung, wollte es aber nicht glauben, bevor sie ihn am Donnerstagabend endlich in die Arme schließen konnte. Denn es war nicht das erste Mal, dass ihnen von der Türkei Hoffnungen auf ein Haftende gemacht worden war. „Auch nach dem türkischen Gesetz hätte ich schon nach sechs Monaten aus der Abschiebehaft entlassen werden müssen“, meinte Britsch. Rechtlichen Beistand habe er erst nach sieben Monaten bekommen.

Um alles zu verarbeiten, will er seine Erlebnisse in einem Buch festhalten und veröffentlichen.

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