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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 10:53 Uhr

"Ich bin und bleibe Mecklenburger"

vom

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erstellt am 06.Mär.2012 | 08:41 Uhr

Schwerin | Es ist bitterkalt, als Joachim Gauck gestern Vormittag vor dem Schweriner Schloss aus seiner Berliner Limousine steigt. Doch der Kandidat für das Bundespräsidentenamt braucht nicht lange, um bei seinem Besuch auf Einladung der Landtagsfraktionen von SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen warm zu werden. Die Visite in der Landeshauptstadt sei ihm eine Herzensangelegenheit, meint Gauck. "Ich bin und bleibe Mecklenburger - auch wenn ich seit 20 Jahren in Berlin wohne", sagt der frühere Rostocker Pastor zu den drei Fraktionsvorsitzenden Norbert Nieszery (SPD), Vincent Kokert (CDU) und Jürgen Suhr (Grüne), die ihn gemeinsam mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) in Empfang nehmen - Heimspiel für den Kandidaten.

Die Erwartungen sind hoch. Eine weitere Annährung zwischen Ost und West erhofft sich Sellering von Gauck. "Er wird im Westen gehört", weiß der Ministerpräsident. Dass ihm im Osten dagegen auch Kritik von ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern entgegenschlägt, nimmt Gauck gelassen. "Ich weiß, dass es Skeptiker gibt, das war schon immer so. Ich denke aber, dass 90 Prozent meiner ehemaligen Weggefährten glücklich darüber sind, dass ich für das Amt des Bundespräsidendenten kandidiere", sagt der 72-Jährige. Die Skepsis rühre vermutlich daher, dass er früher die gleichen Themen besetzt habe wie seine heutigen Kritiker. "Ich muss da nicht sagen, entschuldigt bitte, ich habe zu spät daran gedacht, Oppositioneller zu werden. Das wäre eine gröbliche Missdeutung meiner Laufbahn", sagt Gauck mit gewohntem Selbstbewusstsein.

Dann entschwindet ins Schloss café, wo die drei Fraktionen und Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) auf ihn warten - Vorstellungsrunde hinter verschlossenen Türen. Gauck werde dem Amt des Bundespräsidenten seine Würde wiedergeben, meint Norbert Nieszery im Anschluss. Die Fraktion der Linken, die mit Beate Klarsfeld eine Gegenkandidatin aufstellt, wurde nicht zu dem Treffen eingeladen. Bei der anschließenden Sondersitzung des Landtags zur Bestimmung der 13 Wahlleute des Landes für die Wahl des Bundespräsidenten am 18. März gibt es für die Klarsfeld-Unterstützer allerdings eine Stimme mehr als Abgeordnete der Linksfraktion.

Die erste schwierige Situation steht Gauck schon bald bevor. Er habe sich noch nicht entschieden, ob er am Großen Zapfenstreich zur Verabschiedung des bisherigen Amtsinhabers Christian Wulff in Berlin teilnehmen werde: "Wie ich mich auch entscheide, ich bin sicher, Herr Wulff wird es verstehen", so Gauck in Schwerin. Zuvor war bekannt geworden, dass die vier noch lebenden Amtsvorgänger Wulffs nicht an der Verabschiedung teilnehmen wollen.

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