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Kritik an Razzia in Banzkow : „Ich bin doch nur ein Zeuge“

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Aus der Onlineredaktion

Betroffener Polizist kritisiert Vorgehen der Kollegen bei Antiterror-Einsatz

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Die ramponierte Eingangstür ist provisorisch mit Holzplatten geflickt. „Die ist komplett im Eimer und muss ausgetauscht werden“, sagt der Hausbewohner. Vermummte und mit Maschinenpistolen bewaffnete Elitepolizisten hatten die Tür ihres Kollegen mit einer Ramme aufgebrochen – das Haus des Beamten in Banzkow war eines von mehreren Objekten, die am Montag bei einem groß angelegten Antiterroreinsatz gestürmt und durchsucht wurden. Ins Visier haben die Ermittler von der Bundesanwaltschaft auch einen Polizisten genommen – aber es ist nicht der Beamte aus Banzkow. „Ich bin nur Zeuge in dem Verfahren“, erklärt er.

Den rabiaten Hausbesuch kritisiert der Beamte deshalb als „völlig unverhältnismäßig“. Die Elitepolizisten waren gegen sechs Uhr früh ins Haus gestürmt. Seine Freundin und die beiden Kinder seien traumatisiert. „Die Kinder wollen nicht mehr ins Haus zurück“, erzählt er. Der „Einsatz mit voller Kapelle“ sei überhaupt nicht nötig gewesen. Es hätte Alternativen zu dem martialischen Zugriff gegeben. „Die hätten mich doch beim Verlassen des Grundstückes oder auf offener Straße einfach beiseite nehmen können.“ Er gelte schließlich nicht als Verdächtiger.

Durch den massiven Polizeieinsatz war bei Dorfbewohnern und Medien fälschlicherweise der Eindruck entstanden, der Banzkower sei jener Beamte, gegen den die Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt (BKA) wegen des Verdachts der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Der beschuldigte Polizist lebt aber in Grabow. Er und ein Rostocker Rechtsanwalt sollen eine Liste mit Politikern aus dem linken Spektrum angelegt haben, die im Krisenfall getötet werden sollten. Die Ermittler sprechen von einem Anfangsverdacht. Der verdächtigte Beamte ist vorläufig vom Dienst suspendiert worden. Der Anwalt aus Rostock hat die Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen.

Der Polizist aus Banzkow wird in dem Verfahren dagegen als nicht tatverdächtiger Dritter geführt. Er kenne die Beschuldigten, sagt er. Es seien flüchtige Bekanntschaften. Das Innenministerium bestätigte, dass gegen ihn derzeit keine Ermittlungen und keine Disziplinarmaßnahmen laufen. „Dafür gibt es keinen Grund“, so eine Ministeriums-Sprecherin.

Doch warum rückte das Spezialeinsatzkommando dann in Banzkow überhaupt an? Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft begründete das robuste Vorgehen als Vorsichtsmaßnahme: „Es diente der Eigensicherung.“ Die von den Durchsuchungen Betroffenen und Beschuldigten seien im Besitz legaler Waffen. Bei vergleichbaren Aktionen sei schon mal Gegenwehr geleistet worden. Der Banzkower Polizist kommt zu einer anderen Bewertung. „Das war für beide Seiten die gefährlichste Variante.“ Als sich die Beamten an seiner Tür zu schaffen machten, habe er erst an Einbrecher gedacht. „Was wäre passiert, wenn ich aus Notwehr zu meiner Waffe gegriffen hätte?“ Hat er glücklicherweise aber nicht. Nur die Tür nahm bei dem Einsatz einen Schaden – für den wohl das BKA aufkommen wird.

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