Gedenkstätte Fünfeichen : Hunger, Krankheit, Tod

Ein großes 'gestütztes Kreuz' des Holzgestalters Uwe Grimm erinnert im Eingangsbereich der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen an die Schicksale der Gefangenen.
Ein großes "gestütztes Kreuz" des Holzgestalters Uwe Grimm erinnert im Eingangsbereich der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen an die Schicksale der Gefangenen.

Im ehemaligen Lager starben über 10 000 Gefangene - Menschen erinnern an Schicksale der Häftlinge

svz.de von
02. September 2018, 20:45 Uhr

In Fünfeichen sperrten Wehrmacht und Sowjet-Geheimdienst Tausende Menschen ein. Zur endgültigen Schließung des Lagerstandortes vor 70 Jahren hat die Stadt Neubrandenburg nun an das Leid der Opfer erinnert.

Rund 300 Menschen gedachten am Samstag in Fünfeichen bei Neubrandenburg der Schicksale der Gefangenen in den Internierungslagern der NS-Zeit und des Sowjet-Geheimdienstes NKWD. „Zwei Diktaturen haben hier ihre Willkür an Menschen ausgelebt“, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU). Die Gedenkstätte Fünfeichen sei damit ein bedeutendes Stück deutscher Geschichte.

Neues Wahrzeichen für Mahn- und Gedenkstätte

An die von Hunger, Krankheiten und Misshandlungen geprägte Zeit von 1939 bis 1948 erinnerten Schüler, die Auszüge aus Tagebüchern der Gefangenen vorlasen. Anlässlich der Gedenkveranstaltung wurde auch das neu aufgestellte und elf Meter hohe „Gestützte Holzkreuz“ als Wahrzeichen der Mahn- und Gedenkstätte eingeweiht.

Anders als in anderen Lagern wie Sachsenhausen oder Buchenwald wird in Fünfeichen gemeinsam an die Zeit der Kriegs- und Nachkriegsjahre erinnert. Anlass für die Gedenkveranstaltung der Stadt Neubrandenburg mit Gästen aus Italien, Polen, Georgien und England, darunter auch Überlebende, war die Schließung des letzten Lagers 1948 .

Von 1945 bis 1948 Lager des Sowjetgeheimdienstes

Fünfeichen war von 1939 bis 1945 das erste Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht für das damalige Pommern und Mecklenburg - mit rund
120 000 Häftlingen. Bis 1945 kamen rund 5600 Häftlinge aus zehn europäischen Staaten und den USA ums Leben, darunter rund 5200 Rotarmisten. An sie erinnern Gräberfelder und Namenstafeln.

Von 1945 bis 1948 war Fünfeichen als „Speziallager NR.9“ eines der größten von insgesamt zehn Lagern des Sowjetgeheimdienstes NKWD in Ostdeutschland. In Fünfeichen wurden etwa 15 000 Deutsche in den meisten Fällen unschuldig und ohne Gerichtsverfahren eingesperrt. Etwa 5000 Menschen starben, Hunderte wurden nach Sibirien oder in andere Lager überstellt. Überlebende mussten in der DDR schweigen, erst nach 1990 wurde ihr Schicksal langsam aufgearbeitet. Man werde wohl nie alle Schicksale aufklären können, sagte Hoffmeister.„Dazu hat man zu spät beginnen können.“ So wurden tote Rotarmisten und andere Soldaten in der NS-Zeit auch in Massengräbern bestattet, von denen niemand genau weiß, wo diese liegen und wer dort begraben liegt. Das Stadtarchiv findet mit Hilfe russischer Quellen immer wieder Namen von Toten heraus, die auf Namenslisten in der Gedenkstätte eingearbeitet werden.

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