MV besonders betroffen : Hunderten Haushalten wird Strom abgestellt

Bis zu 8000 Kunden mussten wegen unbezahlter Rechnungen zumindest tageweise in diesem Jahr ohne Strom auskommen.
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Bis zu 8000 Kunden mussten wegen unbezahlter Rechnungen zumindest tageweise in diesem Jahr ohne Strom auskommen.

Mecklenburg-Vorpommern ist besonders betroffen. Die Versorger verschärfen ihr Forderungsmanagement.

svz.de von
16. Dezember 2013, 20:00 Uhr

Leben ohne Strom: Die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Energiekosten treiben tausende Stromkunden in MV in die Schuldenfalle. Etwa bis zu 8000 Kunden mussten wegen unbezahlter Rechnungen zumindest tageweise in diesem Jahr ohne Strom auskommen, ergab eine Umfrage unserer Zeitung.

Bei den Stadtwerken Rostock beispielsweise würden in den Haushalten der 106 000 Stromkunden jedes Jahr „einige hundert Stromsperren“ eingerichtet, teilte ein Sprecher mit. In Schwerin kappten die Stadtwerke bei etwa 750 der insgesamt 117 000 Kunden die Leitungen. Bei der Wemag AG, zweitgrößter Versorger in MV, gingen bei „weniger als 1200 Kunden“ wegen unbezahlter Rechnungen die Lichter aus, teilte Unternehmenssprecher Jost Broichmann gestern mit – etwa 200 weniger als vor einem Jahr. Während in Westmecklenburg die Zahl der Stromsperren zurückgeht, führt die angespannte Einkommenssituation im Ostteil des Landes immer häufiger zu Stromgeldschulden. Die Stadtwerke Neubrandenburg schalteten monatlich bei 50 ihrer insgesamt rund 40 000 Kunden wegen offener Rechnungen den Strom ab, erklärte Unternehmenssprecherin Anja Hünemörder – 600 in diesem Jahr, fast 60 mehr als noch vor zwölf Monaten. Damit verzeichnet Neubrandenburg den höchsten Anteil schuldiger Zahler – etwa 1,5 Prozent der Stromkunden stehen bei ihrem Lieferanten so stark in der Kreide, dass die Stromlieferung eingestellt wird. Im Landesschnitt wird Experten zufolge bei etwa einem Prozent der schätzungsweise 800 000 Kunden in MV zeitweise Sperren verhängt. Bundesweit seien mehr als 300 000 Abschaltungen erfolgt, ermittelte die Bundesnetzagentur. Sechs Millionen Mal sei die Sperrung angedroht worden, im Schnitt bei einem Rückstand von 120 Euro. Stromfirmen dürfen laut Gesetz ab einem Rückstand von 100 Euro den Hauptschalter drücken.

Im Niedriglohnland MV leiden Stromkunden besonders unter den Energiekosten: Betroffen seien vor allem Kunden mit geringem Einkommen, meinte Horst-U. Frank, Energieexperte der Verbraucherzentrale MV. Oftmals reichten die Regelsätze von Hartz-IV-Empfängern nicht aus, die Kosten zu decken. Strom abschalten – für die Versorger sei das das letzte Mittel, erklärte Schwerins Stadtwerke-Sprecherin Ute Becker. Zuvor würden den Betroffenen eine Reihe von Hilfsangeboten gemacht – Stundungen, Raten, Zahlungspläne. „Es muss keiner gesperrt werden“, sagte Becker. Viele Schuldner reagierten aber oftmals gar nicht oder erst zu spät auf Mahnschreiben. Die Wemag hat indes ihr Forderungsmanagement verschärft: Inzwischen würden säumige Zahler bereits bei Rückständen von weniger als 100 Euro gemahnt, erklärte Wemag-Sprecher Broichmann. Das lohnt: In Westmecklenburg sei die Zahl der säumigen Kunden gegenüber 2012 deutlich um mehr als 200 gesunken.

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