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Behindertengerechter Umbau : Humboldthaus wird nachgerüstet

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Das knapp zwei Millionen Euro teure Humboldthaus im Schweriner Zoo wird umgebaut. Der Behindertenbeirat kritisierte, nicht rechtzeitig genug in die Planungen einbezogen worden zu sein.

svz.de von
erstellt am 30.Nov.2011 | 07:51 Uhr

Ostorf | Das in die Kritik geratene, knapp zwei Millionen Euro teure Humboldthaus im Schweriner Zoo wird behindertengerecht umgebaut. Zu diesem Ergebnis kamen Zoo-Geschäftsführung, Architekten, Oberbürgermeisterin und Mitglieder des Aufsichtsrates, der Stadtvertretung und des Behindertenbeirats bei einem Vor-Ort-Termin auf der neuen Südamerika-Anlage. Konkret bedeutet das: Die schweren gläsernen Eingangstüren werden mit einer Technik versehen, die auch das automatische Öffnen per Knopfdruck möglich macht. Der Fußbodenbelag aus eingestreuten Holzhäckseln, in dem Rollstühle heute noch stecken bleiben können, wird zum größten Teil durch farbig gestalteten Estrich ersetzt. Lediglich ins Obergeschoss werden Gehbehinderte oder Familien mit Kinderwagen weiterhin nicht alleine kommen. Statt eines Fahrstuhls soll es einen riesigen Flachbildschirm geben, auf dem Live-Aufnahmen aus den oben ausgestellten Terrarien gezeigt werden.

"Die Kritik des Behindertenbeirates, dass er nicht rechtzeitig genug in die Planungen des Humboldthauses einbezogen wurde, nehme ich an", erklärte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow noch im Zoo. "Das können wir besser." Man habe vereinbart, künftig früher über solche Vorhaben in Kontakt zu treten. Manfred Rehmer, Vorsitzender des Behindertenbeirates, hatte zum Lokaltermin drei Rollstuhlfahrer mitgebracht, die das Gebäude testeten - und Schwachstellen aufzeigten. Warum das bislang teuerste Bauvorhaben des Schweriner Zoos ohne Beteiligung des Behindertenbeirates so weit gedeihen konnte, das mag sich heute keiner mehr so recht erklären. Rehmer jedenfalls sei von der Verwaltung vorher nie zur Stellungnahme aufgefordert worden. Dass seit 2005 bereits an dem Haus im Zoo geplant und gebaut wurde, war ihm bis zu diesen November nach eigenen Aussagen verborgen geblieben. Erst einen Monat nach der Eröffnung des Hauses machte die UB-Fraktion mit scharfen Worten auf den Mangel aufmerksam - und rief damit auch Manfred Rehmer auf den Plan.

Frank Kirsten wiederum, Architekt des Humboldthauses und anderer Tier-Anlagen, habe in der Vergangenheit von der Stadt keine Auflage erhalten, den Behindertenbeirat zu kontaktieren. "Demnächst werde ich es natürlich von mir aus tun", so der Schweriner. Allerdings sei der Zoo der Landeshauptstadt an vielen Stellen nicht behindertenfreundlich - das reicht von starken Steigungen auf Hauptwegen bis zu Treppen in Gebäuden. "Daher waren wir davon ausgegangen, dass Rollstuhlfahrer stets in Begleitung hierher kommen", so Kirsten. "Wir wurden nun eines Besseren belehrt." Konsequenz: Alle Neubauten werden künftig behindertengerecht sein.

Übrigens hätten nicht allein die Kosten, sondern vor allem die Sicherheit der Tiere in den Planungsüberlegungen für die mechanische Tür gesprochen: Die nötige Raumtemperatur würde so besser gehalten, außerdem könnten die umtriebigen Weißbüschelaffen nicht so schnell ausbrechen. Die Häckselschicht schließlich sollte für Tropenwald-Flair und gleichzeitig Lärmschutz sorgen. "Wir hatten gehofft, dass sich die Holzstückchen festtreten", so Zoodirektorin Dr. Monika Häfner.

Die vorgesehenen Arbeiten sollen demnächst beginnen. Da aber noch technische Detailfragen geklärt werden müssen, wollte sich die Zoodirektorin über die entstehenden Kosten noch nicht äußern.

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