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Kreise lockern Stallpflicht : Hühner und Enten wieder im Freien

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ie Vogelgrippe grassiert weiter in Deutschland. Fachleute sehen bislang keine Anzeichen für ein Abklingen der Seuche. Dennoch lockert Mecklenburg-Vorpommern die Stallpflicht für Nutzgeflügel. Doch die Umsetzung der Ministeriumsvorgaben in den Kreisen stiftet Verwirrung.

svz.de von
erstellt am 10.Mär.2017 | 13:35 Uhr

Nach exakt vier Monaten Zwangseinstallung dürfen Hühner, Enten und Gänse in Teilen Mecklenburg-Vorpommern erstmals wieder ins Freie. Mehrere Landkreise gaben am Freitag bekannt, dass die Stallpflicht für Nutzgeflügel nur noch in Orten in Küstennähe, im Umkreis von Seen oder in Flussniederungen gilt. Diese Auslegung des am Mittwoch vom Agrarministerium in Schwerin verkündeten Erlasses stieß dort aber auf Widerspruch, worauf vereinzelt die Lockerung der Stallpflicht wieder zurückgenommen wurde.

Die Vielzahl der Anträge hatte unter anderem in den Verwaltungen der Landkreise Nordwestmecklenburg, Rostock Land und Mecklenburgische Seenplatte dazu geführt, den Ministeriumserlass umzukehren. Statt - wie vorgeschrieben - Einzelfälle zu prüfen, wurde für ganze Regionen die Stallpflicht aufgehoben. Daraufhin intervenierte das Agrarministerium.

Als erster und bis Freitagabend einziger nahm der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte seine Maßnahmen zur Lockerung der Stallpflicht für Geflügel zurück. Das Vorgehen habe zwar der Geflügelpestverordnung entsprochen. Dem aber sei das zuständige Ministerium vehement entgegengetreten. „Trotz der Argumente, Erwartungshaltung und dem tatsächlichen Handeln der Tierhalter wurde dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte verboten, wie angekündigt zu verfahren“, hieß es in einer Mitteilung.

Nach zunehmenden Protesten vor allem von Kleintierhaltern gegen das fortwährende Freilandverbot hatte das Agrarministerium den Kreisen die Möglichkeit eingeräumt, nach genauer Risikobewertung einzelne Ausnahmegenehmigungen zu gewähren. Daraufhin wurden die Veterinärämter mit Anfragen überhäuft. Auch im Agrarministerium in Schwerin standen dem Vernehmen nach die Telefone nicht still.

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim sollte die neue Verordnung am Samstag in Kraft treten. Auch dort ist geplant, die Stallpflicht mit Ausnahme der sogenannten Risikogebiete mit vielen Wildvögeln und Virusnachweisen aufzuheben.

Da sich an Gewässern derzeit Zugvögel zum Weiterflug sammeln, ist die Übertragungsgefahr des Vogelgrippe-Virus dort höher als im wasserarmen Binnenland. Auch für gewerbliche Betriebe, in denen viele Tausend Tiere gehalten werden, gilt laut Mitteilungen im Wesentlichen weiterhin strikte Stallpflicht.

Die Kreisverwaltung von Vorpommern-Rügen teilte mit, dass die Veterinärbehörde dort mit Hochdruck an einer Verfügung zur Lockerung der Stallpflicht arbeite. Der Landkreis sei landesweit am stärksten von Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus H5N8 betroffen und es stünden noch Untersuchungsergebnisse von Totfunden aus. Mit 900 Kilometern Küstenlinie zähle die Region derzeit zudem zu den Hauptrastgebieten der Zugvögel. Am Montag solle bekanntgegeben werden, in welchen Gebieten des Kreises die Stallpflicht aufgehoben werde. „Es wird empfohlen, bis dahin von Anträgen auf Befreiung zur Stallpflicht abzusehen“, hieß es in einer Mitteilung.

Am 9. November 2016 war auf der Insel Riems bei Greifswald eine tote Reiherente gefunden worden, bei der in der aktuellen Seuchensaison erstmals in Mecklenburg-Vorpommern das Virus H5N8 nachgewiesen wurde.

Am Tag darauf hatte Backhaus eine landesweite Stallpflicht für Nutzgeflügel verhängt. Ein Tierhalter aus dem Landkreis Rostock will vor Gericht klären lasen, ob dieses restriktive Vorgehen rechtens war.

Unterdessen sieht das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems keine Anzeichen für ein Abklingen der Seuche in Deutschland. Allein in den zurückliegenden sieben Tagen habe es bundesweit 60 positive Befunde bei Wildvögeln, sechs Ausbrüche in Geflügelbeständen sowie einen Vogelgrippefall in einem Tierpark gegeben, sagte eine Sprecherin des Bundesinstituts für Tiergesundheit.

Das Institut hält weiter an seiner Einschätzung vom 13. Februar fest, in der von einem hohen Eintragungsrisiko ausgegangen wird, und empfiehlt eine risikobasierte Stallpflicht. Ausnahmen seien unter bestimmten Bedingungen möglich und auch generell in der Geflügelpestverordnung festgelegt.

Der nahende Frühling nährt Hoffnungen auf ein Abklingen der Seuche.

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wird das Virus bei höheren Temperaturen und Trockenheit schneller inaktiv. Auch eine stärkere UV-Strahlung wirkt negativ auf den Vogelgrippe-Erreger.

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