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Stuttgart/Schwerin : Hotpants in Schulen: Zu viel nackte Haut!

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kleiderordnung an Schulen sorgt für Diskussion: Leser sind für klare Regeln

von
erstellt am 08.Jul.2015 | 21:00 Uhr

Nach einem Elternbrief wegen zu aufreizender Kleidung von Mädchen in einer Schule in Horb am Neckar bedauert die Schulleiterin nun missverständliche Formulierungen. An ihrer Linie hält sie dennoch weiter fest. „Ich finde es sehr schade, dass die Diskussion in den Medien so schnell auf die Sexualebene gebracht wurde“, sagte Bianca Brissaud gestern. „Wir hatten von Anfang an nicht nur die Mädchen, sondern genauso auch die Jungs im Blick. Deren Kleidung kann ebenso unpassend sein.“

Heiße Temperaturen entfachen an deutschen Schulen allsommerlich die Diskussion über die angemessene Kleidung im Unterricht. In Horb hatte eine Werkrealschule in einem Elternbrief die vorläufige Regel aufgestellt: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants...), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ Eine endgültige Kleiderordnung werde noch gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Eltern erstellt. Nachdem die Regelung bekannt wurde, fragten sich viele: für wen zu aufreizend und warum? Die Antwort gab der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus.  Man müsse sich in die heranwachsenden jungen Männer hineindenken. „Da geht mit dem einen oder anderen das Kopfkino durch.“

Eine Kleiderordnung an Schulen in MV würde ein Großteil der Facebook-Fans unserer Zeitung begrüßen. Das ergab eine Umfrage im Mai. Damals berichteten wir über einen ähnlichen Fall an einem Würzburger Gymnasium. Dort seien immer wieder Jugendliche in sehr knapper Kleidung im Unterricht erschienen. Eine Initiative von Eltern erarbeitete daraufhin zusammen mit Schülern und Lehrern eine Schul-Kleiderordnung. Der Bericht sorgte hierzulande für hitzige Diskussionen. Unsere Facebook-Fans sprachen sich dabei weitestgehend für eine Kleiderordnung bzw. gleich eine Schuluniform aus. Hauptargumente waren der Schutz von Schülern vor Mobbing oder Diskriminierung aufgrund nicht modischer Anziehsachen.

Josef Kraus hält die Appelle für eine Kleiderordnung durch Lehrer für heikel, weil manche Eltern auf Persönlichkeitsrechte der Kinder pochten und letztere zu Trotzreaktionen neigten. „Man kann als staatliche Schule eine dezentere Kleidung genauso wenig anordnen wie eine Schuluniform.“ Im Kultusministerium von Baden-Württemberg sagte eine Sprecherin: „Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen.“ Kleiderregeln gebe es an öffentlichen Schulen nicht. Gefährde ein sexy Outfit allerdings die Ordnung des Unterrichts, dürfe die Schule eingreifen.

Hinweise zur Kleiderordnung in der Schulordnung erachtete das Mecklenburger Bildungsministerium jedoch durchaus für sinnvoll, so ein Sprecher: „Hinsichtlich rechtspopulistischer Kleidung haben sich Regelungen über die Schul- oder Hausordnung bislang immer bewährt.“

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