Branche lehnt dennoch den Mindestlohn ab : Hotels suchen dringend Kellner

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Zu Beginn der Tourismussaison suchen Hotels, Pensionen und Restaurants in Mecklenburg-Vorpommern Hunderte Köche, Kellner und Hotelfachkräfte. Insgesamt sind laut Bundesagentur für Arbeit 1200 freie Stellen gemeldet.

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26. März 2013, 04:41 Uhr

Rostock/Schwerin | Zu Beginn der Tourismussaison suchen Hotels, Pensionen und Restaurants in Mecklenburg-Vorpommern Hunderte Köche, Kellner und Hotelfachkräfte. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende Februar rund 1200 freie Stellen gemeldet.

"Leider können wir zahlreiche Stellen in diesem wichtigen Wachstumsmarkt nicht besetzen", sagte der Sprecher der Regionaldirektion Nord, Horst Schmitt, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Obwohl sich die Tarifgehälter in den vergangenen Jahren erhöht hätten, müsse die Branche weitere Anstrengungen unternehmen, um attraktiver zu werden.

Gesucht werden vor allem Köche mit 482 und Restaurantfachkräfte mit 592 freien Stellen. Gegenüber 2012 hat sich die Situation nicht verändert. Am Donnerstag werden die neuen Arbeitsmarktzahlen vorgelegt.

"Wir werden nicht alle ausgeschriebenen Stellen in allen Regionen besetzen können", sagte der Präsident des Dehoga-Gaststättenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Guido Zöllick. "Ich gehe aber davon aus, dass es auch 2013 keine für den Gast spürbaren Engpässe geben wird." Dort, wo Stellen unbesetzt blieben, werde innerhalb der Betriebe nach Ressourcen gesucht. Immer mehr Mitarbeiter würden ganzjährig beschäftigt, um sie an das Unternehmen zu binden. Viele Betriebe arbeiteten mit Arbeitszeitkonten.

Trotz des Fachkräftemangels lehnt die Branche den von der SPD geforderten flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ab. "Ein gesetzlicher Mindestlohn macht keine regionalen und branchenspezifischen Unterschiede", sagte Zöllick. Viele Betriebe gerieten bei einem solchen Mindestlohn in Existenzprobleme.

Als Ursache für den Fachkräftemangel werden die demografische Situation und das Image der Branche mit als familienunfreundlich geltenden Arbeitszeiten an Feiertagen, am Abend oder Überstunden in den Sommermonaten angesehen. Hinzu kommt die Konkurrenz durch andere Branchen, die ebenfalls nach Mitarbeitern suchen.

Bislang habe die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern die Lücken kompensieren können, sagte der Sprecher des Landestourismusverbandes Tobias Woitendorf. "Es müssen aber Lösungen her, da sich die demografische Situation nicht verbessern wird und der Fachkräftemangel langfristig die Qualität der touristischen Angebote zu gefährden droht." Der Branche macht nach eigener Einschätzung bei der Suche nach Fachkräften ihr schlechtes Image zu schaffen. Die Realität sei besser als der Ruf, sagte der Chef des Dehoga-Regionalverbandes Usedom, Peter Drechsler. Einer Umfrage auf der Insel zufolge habe die übergroße Mehrheit der Beschäftigten angegeben, mit dem Beruf zufrieden zu sein. "Wenn ein Koch rund 2000 Euro brutto verdient, dann kommt in der Regel noch ein ordentliches Trinkgeld dazu."

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