Wirtschaft MV : Hoteliers suchen neuen Chef

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Gnoiener Lars Schwarz kandidiert für Dehoga-Spitze. Branche mit den größten Stellenbesetzungsproblemen

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11. November 2017, 08:00 Uhr

Neuordnung am Hoteltresen: Der Hotel- und Gaststättenverband Mecklenburg-Vorpommerns (Dehoga) sucht eine neue Führungscrew. Einer der wichtigsten Arbeitgeberverbände im Land will kommende Woche im Vorfeld des Branchentages des Gastgewerbes in Rostock einen neuen Präsidenten wählen. Nach zwölf Jahren gibt der bisherige Präsident, der Rostocker Hotelier Guido Zöllick, die Führung ab, nachdem er vor einem Jahr zum Präsidenten des Dehoga-Bundesverbandes gewählt worden. Für beide Spitzenämter und den Job als Geschäftsführer übersteige der Aufwand die Möglichkeiten, begründete Zöllick den Rückzug. Er führte seit 2005 den Landesverband und ist Chef des traditionsreichen Sternehotels Neptun in Warnemünde, wo er in den 80er- Jahren als Kellner auch seine Laufbahn begonnen hatte.

Lars Schwarz
Lars Schwarz

Sein Nachfolger könnte der Hotelier und Gastronom Lars Schwarz aus Gnoien im Landkreis Rostock werden. Der Chef des Hotels und Restaurants Nudel-Oper kandidiert bislang als Einziger bei der Direktwahl für das Spitzenamt. Er sei vom Landesverband und seinem heimatlichen Regionalverbandes Güstrow vorgeschlagen worden, bestätigte der 40-Jährige unserer Redaktion. Zu den Schwerpunkten seiner Verbandsarbeit nach der möglichen Wahl zum Präsidenten wollte sich Schwarz im Vorfeld nicht äußern. Schwarz ist seit 1998 Mitglied des Verbandes. Um das Amt des Schatzmeisters wolle sich der bisherige Kassenwart und Chef einer Unternehmensberatung aus Waren, Hans-Jürgen Pingel, bewerben, teilte Verbandsgeschäftsführer Matthias Dettmann mit. Für die weiteren fünf Sitze des Präsidiums wollten sich sieben Kandidaten bewerben.

Der Verband steht vor einer Neupositionierung: Angesichts der anstehenden Personalveränderungen an der Verbandsspitze und der in vielen Betrieben anstehenden Unternehmensnachfolge, sei der Branchentag unter das Motto Zukunft gestellt worden, sagte Dettmann. Schätzungen zufolge ist in MV die Nachfolge in jedem zweiten Unternehmen der Branche gefährdet, vor allem in ländlichen Regionen. Auf dem Branchentag wolle man den Unternehmern Hilfestellung bei der Nachfolgersuche geben. Da sich die Arbeitsmarktlage in den letzten Jahren weiter verbessert habe, „treten nun Stellenbesetzungsprobleme bei Fachkräften immer mehr zutage“, drängte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) auf mehr Ausbildung im eigenen Unternehmen.

Innerhalb des Verbandes bleiben Veränderungen indes aber abzuwarten: Kritiker halten den Verband kaum für erneuerungsfähig. Ex-Präsident Zöllick nimmt für sich zwar in Anspruch, dass der Verband unter seiner Führung wieder mehr Gehör in der Landespolitik gefunden habe. Nach wie vor, so beobachten Branchenkenner, stehe die Verbandsstrategie aber einer auf Qualität ausgerichteten Tourismuspolitik entgegen. So hatte der Verband unter Zöllick zwar seine Verweigerungshaltung aufgegeben und die jahrelange tariflose Zeit mit dem Abschluss neuen Tarifverträge beendet. „Wir haben eine verantwortungsvolle Tarifpolitik gemacht“, resümierte er. Die Branche habe „einen erheblichen Schritt nach vorn gemacht“ – bleibt aber dennoch im Ländervergleich im Schlussfeld.

Das rächt sich: So drängen Hoteliers und Gastronomen neben einer einheitlichen niedrigeren Mehrwertsteuer für alle lebensmittelverarbeitenden Branchen von sieben Prozent vor allem auch auf flexiblere Arbeitszeiten – Themen am Branchentag. Unfreundliche Arbeitszeiten und Niedriglöhne haben die Branche aber schon in Verruf gebracht. Im Hotel- und Gaststättenbereich gebe es die größten Stellenbesetzungsprobleme, heißt es im Arbeitsministerium. Ein Drittel der nicht besetzten Lehrstellen in MV seien in dieser Branche zu finden. Die Zahl frei bleibender Ausbildungsplätze sei „ besorgniserregend“, meinte Glawe: „Es ist wichtig, dass sich Unternehmen auch für vermeintlich schwächere Jugendliche öffnen. Der Blick allein in die Schulzeugnisse greift zu kurz.“ Ein Wandel der angesichts der Fachkräftenot entscheidenden Lohnpolitik des Verbandes ist aber kaum in Sicht: Präsidentschaftsbewerber Schwarz ist seit Jahren als Verhandlungsführer der Tarifkommission für das nach wie vor magere Lohnniveau in der Branche mitverantwortlich.

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