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Ausbildungsreport : Hoteliers beuten ihre Lehrlinge aus

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Mehr Überstunden als es das Gesetz erlaubt, fehlender Ausgleich für Mehrarbeit, schlechte Bezahlung: In zahlreichen Betrieben der Hotel- und Gaststättenbranche hat der DGB drastische Fälle von Ausbeutung festgestellt.

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erstellt am 22.Nov.2011 | 08:49 Uhr

Schwerin | Mehr Überstunden als es das Gesetz erlaubt, fehlender Ausgleich für Mehrarbeit, schlechte Bezahlung: In zahlreichen Betrieben der Hotel- und Gaststättenbranche hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im gestern vorgelegten Ausbildungsreport drastische Fälle von Ausbeutung festgestellt. Mehr als 40 Wochenarbeitsstunden seien in der Branche eher die Regel als die Ausnahme, ergab die Umfrage unter mehr als 2200 Auszubildenden aller Branchen in MV. Zwei von drei Lehrlingen müssten Mehrarbeit leisten, in anderen Branchen seien es nur 13 Prozent. Selbst junge Leute unter 18 Jahren, die laut Gesetz nicht mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten dürften, würden regelmäßig zu Mehrarbeit herangezogen, erklärte DGB-Jugendsekretär Heike Gröpler. Jeder dritte Jugendliche arbeite wöchentlich mehr als zehn Stunden zusätzlich. Zu miesen Bedingungen: Das im Bundesvergleich in MV niedrige Lehrlingsgeld werde in Hotels und Gaststätten noch unterboten: 95 Prozent der Auszubildenden erhalten weniger als 500 Euro im Monat, in anderen Branchen sind es 49 Prozent. Ein Drittel der Auszubildenden erhalte keinen Ausgleich für die Überstunden. Besonders dreist: In einem Fall habe sich ein Arbeitgeber sogar damit rausgeredet, dass seine Lehrlinge freiwillig Überstunden machten und er deshalb keinen Ausgleich leisten müsse, erklärte Ilka Dettmer von der Gewerkschaft NGG.

Gesetze in breitem Stil unterlaufen

Angesichts der Zustände sei der Fachkräftemangel in der Branche ein hausgemachtes Problem, meinte DGB-Landesvize Ingo Schlüter. Gesetze würden in breitem Stil unterlaufen. "Das ist kriminell wie Schwarzarbeit." Land und Kammern müssten die Kontrollen verschärfen und Betrieben bei Verstößen die Ausbildungseignung entziehen.

Bei Hoteliers und Gastronomen wächst indes die Einsicht: Gesetzesverstöße seien nicht zu akzeptieren, sagte Matthias Dettmann, Regionalchef des Branchenverbandes Dehoga. Die Branche kämpfe mit einem Imageproblem. "Wir müssen uns am eigenen Schopf packen und aus dem Tal ziehen." Dehoga-Präsident Guido Zöllick warnte vor überzogener Kritik: Die meisten Betriebe hielten sich an Gesetze. Die Branche habe die Zeichen erkannt und 2010 die Ausbildungsvergütung um 13 Prozent angehoben. Trotz der schlechten Zustände in Hotels und Gaststätten schneidet die Ausbildung in den anderen Unternehmen gut ab. Ausbildung in MV ist ein Erfolgsmodell, meinte Gröpler. Zwei Drittel der Lehrlinge seien mit ihrer Ausbildung zufrieden.

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