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Hotel „Stadt Güstrow“ : Hotel marode - Pächter gibt auf

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Ist das das Ende des traditionsreichen Hotels am Güstrower Markt? Die Hoteliers geben die Bewirtschaftung nach zehn Jahren auf. Eine Verlängerung des auslaufenden Pachtvertrages haben die Betreiber abgelehnt.

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erstellt am 03.Jan.2012 | 06:25 Uhr

Güstrow | Ist das das Ende des traditionsreichen Hotels am Güstrower Markt? Karin und Detlef Hertzsch geben die Bewirtschaftung des Hotels "Stadt Güstrow" nach zehn Jahren auf. Eine Verlängerung des am 31. März auslaufenden Pachtvertrages hat Familie Hertzsch abgelehnt. Grund: Das Haus habe so viele Baumängel, dass sich ein weiterer Betrieb zu den gegebenen Bedingungen nicht trage, so Detlef Hertzsch gegenüber unserer Zeitung. "Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren allein mehr als 50 Wasserschäden", sagt der Hotelier. Zu den maroden Installationen würden eine energieverschwenderische und störungsanfällige Heizungs- und Lüftungstechnik sowie die inzwischen mehrfach gerissene Gips-Stuckdecke im Ballsaal hinzukommen. "Investitionsrisiken in Millionenhöhe", so Detlef Hertzsch.

Mit Verpächter nicht über Kaufpreis einig geworden

Familie Hertzsch hatte ihren Verpächter mehrfach angeboten, die Immobilie zu kaufen und in Ordnung zu bringen. "Bezüglich des Kaufpreises ist man sich aber nicht einig geworden", sagt Hertzsch. Er wollte im Hotel "Stadt Güstrow" seine eigenen Ideen auf solider Basis umsetzen, vor allem auch das Restaurant und die Küche ins Erdgeschoss verlegen. Verpächter des Sahnestücks am Güstrower Markt ist eine insolvente Grundstücksgesellschaft, vertreten durch eine Bank. Die hat offensichtlich bereits einen Käufer für das Hotel gefunden: die "Voyage" Hotelbetriebsgesellschaft mbH Unna, eine 100-prozentige Tochter der BAG Bankaktiengesellschaft. Die BAG ist eine spezialisierte Bank für notleidende Kredite, wie einer auch auf dem 2002 insolvent gewordenen Hotel "Stadt Güstrow" lastet. "Die Voyage Hotelgesellschaft hat einen höheren Kaufpreis als wir geboten. Ich gehe aber davon aus, dass Voyage den tatsächlichen baulichen Investitionsstau massiv unterschätzt", so Hertzsch.

Hertzsch hat anscheinend mit dem Hotelstandort am Markt bereits abgeschlossen. Ohne den entsprechenden Kauf- oder Pachtvertrag haben er und seine Frau inzwischen 15 von 30 Mitarbeitern entlassen, das Marketing wurde eingestellt und sogar die Buchungswünsche der Gäste für die kommende Saison wurden abgesagt. "Güstrow ist ein äußerst schwieriger Hotelstandort ohne eine ausreichende geschäftliche Übernachtungsnachfrage", schreibt er dem kommenden Besitzer ins Stammbuch. "Wir haben fast alle Gäste des Hotels durch äußerst intensive Marketing- und Verkaufsmaßnahmen bei gleichzeitig sehr geringen Übernachtungsraten zusätzlich nach Güstrow geholt."

Dennoch: Wenn das Hotel "Stadt Güstrow" von einem finanzstarken Investor wieder in Ordnung gebracht und als niveauvolles Vier-Sterne-Hotel mit einer ansprechenden Gastronomie im Erdgeschoss und vielleicht einem zeitgemäßen Wellness-Bereich ausgestattet werde, habe es große Chancen, sich wieder zum gesellschaftlichen Mittelpunkt in Güstrow zu entwickeln, ist Hertzsch überzeugt. "Schlimmer wäre es für Güstrow gekommen, wenn der Verpächter das Hotel geschlossen und versteigert hätte."

Familie Hertzsch will ab April mit ihren eigenen beiden Güstrower Hotels "Am Tierpark" und "Altstadt" weitermachen. Auch die Übernahme eines weiteren Hotels, diesmal jedoch nicht in Güstrow, ist geplant, so Hertzsch. Das Hotel "Am Tierpark" übernehme die "Ringhotel-Mitgliedschaft" des Hotels "Stadt Güstrow" und die Dependance "Ringhotel Altstadt" bleibe wieder ganzjährig geöffnet. Im Hotel "Am Tierpark" will der Hotelier zudem im März ein Steak-House eröffnen und im Sommer einen großen Biergarten.

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