Teil 5 der Sommertour : Hotel am Anfang der Welt

Nora (r.) und Nadin Fischer sind die Damen des Hauses in Ehmkendorf.  Fotos: Rahming
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Nora (r.) und Nadin Fischer sind die Damen des Hauses in Ehmkendorf. Fotos: Rahming

In Ehmkendorf kommen Wildkräuter auf Tisch und Teller.

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18. Juli 2014, 11:55 Uhr

Vertrauen – das ist es, was die Gäste bei der Anreise brauchen, Vertrauen in ihre Landkarte oder das Navi. Denn nach dem Abbiegen von der Hauptstraße folgen holprige Dorfdurchfahrten und einspurige Asphaltwege zwischen Obstbaumreihen. Irgendwann aber taucht Ehmkendorf auf und ganz hinten durch das ehemalige Gutshaus.

„Das liegt ja hier am Ende der Welt, sagen manche“, erzählt Nora Fischer, die Dame des Hauses. „Und am Anfang, antworte ich dann.“ Einige trauen sich kaum, über das sattgrüne Gras zum Eingang zu gehen – sie sind vorgegebene Wege gewöhnt. Doch hier ist Rasen-Latschen erwünscht, der weitläufige Garten lädt zum Natur-Genießen ein.

Nora Fischer wohnt mit ihrem Mann Siegfried seit fast 20 Jahren hier. Zusammen eröffneten sie 2007 das Wildkräuterhotel. Inzwischen arbeitet auch Tochter Nadin mit. „Die Leute kommen hierher, um anders wahrzunehmen, anders zu essen“, wissen die Fischers. Die Küche zum Beispiel sei den Wildkräutern verpflichtet. Seit kurzem gibt es kein á la carte-Essen mehr, sondern nur noch Wochenkarten, die sich am Lauf der Natur orientieren.

„Alle zehn Tage etwa ändert sich das Angebot an Kräutern“, so Expertin Nora Fischer. „Eine Zeitlang waren die Lindenblätter ganz zart und passten gut zu Frischkäse. Auch die Blätter der Tulpenblüten schmeckten gut. Kurz darauf findet man schon wieder andere Leckereien.“ Regelmäßig kommen Gäste zu Koch-Abenden, manche bleiben über Nacht in einem der liebevoll ausgestatteten Gästezimmer. Anmelden können sich Einzelpersonen oder vollständige Gruppen ab zehn Personen. Nora Fischer empfängt sie am Nachmittag und führt sie erstmal eine Stunde lang durchs Gelände, lässt riechen, schmecken und pflücken, serviert „Futter für Auge Ohr und Zunge“, wie sie sagt. Zurück im Hotel, bekommen die Gäste Schürzen und Aufgaben. Der alte Herd, der mitten in der Küche steht, muss noch richtig angefeuert werden – meist findet sich ein Mann, der gern dafür zuständig ist. Die Köchin verteilt die Aufgaben, die Gäste schneiden Gemüse und bereiten das Mahl vor.

„Es ist schon etwas Besonderes, wenn sie das verarbeiten, was sie gerade eben in der Natur geerntet haben“, sagt Nora Fischer. Und es gibt immer Neues zu entdecken. So hatte sie probehalber den alten Strunk eines Rotkohls vergraben – daraus gewachsen ist eine wunderschöne Pflanze. Das funktioniert auch mit nicht mehr frischen Radieschen.

Die Hausgäste stehen im Mittelpunkt, für jedermann ist das Haus täglich erst ab 15 Uhr geöffnet. Willkommen sind nicht nur Menschen, sondern auch Pferde. Seit kurzem gibt es neben dem Wildkräuterhotel eine Wanderreitstation. „Das war mein Kindertraum“, schwärmt Nadin Fischer. „Reiter – so wie ich selbst – haben ihr Tier am liebsten immer in Sichtweite, egal ob beim Kaffeetrinken oder über Nacht.“


Tipp: 3. August, 20 Uhr,

Parkbühne am Wildkräuterhotel: Classic Open Air „Nabucco“




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