Polizeiliche Ermittlungen zum A-19-Crash im Sandsturm abgeschlossen : Horror-Unfall: Bisher 7 Beschuldigte

Beim Massenunfall auf der A 19 starben am 8. April acht Menschen. Foto: Archiv
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Beim Massenunfall auf der A 19 starben am 8. April acht Menschen. Foto: Archiv

Fünf Monate nach dem entsetzlichen Massenunfall auf der A 19 werden die ersten Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sieben Autofahrer sollen durch unangepasste Geschwindigkeit die Massenkarambolage mit verursacht haben.

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08. September 2011, 11:58 Uhr

Rostock | Die Bilder der ausgebrannten Autowracks hatten bundesweites Entsetzen ausgelöst. Acht Menschen starben, 131 wurden verletzt, als in den Mittagsstunden des 8. April auf der A 19 südlich von Rostock über 100 Autos ineinander rasten. Fünf Monate nach dem entsetzlichen Massenunfall werden die ersten Ermittlungsverfahren gegen Beschuldigte eingeleitet.

"Wir werden gegen bislang sieben Autofahrer wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung", sagte der Rostocker Oberstaatsanwalt Andreas Gärtner gegenüber unserer Zeitung. Sie sollen durch unangepasste Geschwindigkeit die Massenkarambolage mit verursacht haben. Die polizeilichen Ermittlungen seien zwar abgeschlossen und insgesamt 120 Zeugen vernommen worden, doch stehen noch Dekra-Gutachten zu technischen Fragen aus. "Wir haben die Gutachter um eine beschleunigte Fertigstellung gebeten", so der Oberstaatsanwalt. Doch werde erst Ende Herbst mit einem abschließenden Ergebnis gerechnet.

Haftstrafe bis zu fünf Jahren

Die Einzelheiten aus den Gutachten sollen dann in der Rostocker Ermittlungsbehörde mit den Zeugenaussagen aus polizeilichen Vernehmungen abgeglichen werden. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit weiteren Beschuldigten. "Wir schließen nicht aus, dass auch Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet werden", sagte Gärtner. Den Fahrern drohen im Maximalfall eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen. Ob es tatsächlich zu Anklagen oder Strafbefehlen kommt, lasse sich aber erst nach Abschluss der Ermittlungen sagen.

Gärtner verwies darauf , dass es bei der schrecklichen Massenkarambolage zwei Unfallstellen gegeben hatte. Die sieben Ermittlungsverfahren beziehen sich auf das Unfallgeschehen auf der A 19 in Richtung Berlin, wo 23 Autos zusammenstießen. Bei der Unfallstelle auf der Gegenfahrbahn in Richtung Rostock, wo 60 Autos ineinandergefahren waren, gestalten sich die Untersuchungen zur Schuldfrage schwieriger. Hier brannten Autos und starben die acht Menschen, unter ihnen ein Ehepaar und zwei Männer aus dem heutigen Landkreis Rostock. Die anderen Opfer stammen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Sie waren zwischen 34 und 75 Jahre alt. Bundespräsident Christian Wulff sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus.

Flexible Begrenzungen der Geschwindigkeit

Der verheerendste Massencrash der vergangenen 20 Jahre in Deutschland war durch einen Sandsturm ausgelöst worden. Starker Wind hatte große Mengen Sand von einem Acker an der Autobahn aufgewirbelt. Augenzeugen sagten, man habe nur noch etwa zehn Meter weit sehen können.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gab der Agrarindustrie eine Mitschuld am Entstehen des Sandsturms. "Durch die jahrelange Vernachlässigung der Bodenstruktur haben die Böden immer weniger Humusgehalt, sie degradieren", sagte der BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff. Eine wesentliche Rolle spielten auch die riesigen Felder.

Das Verkehrsministerium des Landes erstellt derzeit ein Kataster mit sturmgefährdeten Straßenstellen, an denen bis zum Frühjahr beispielsweise Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt oder Warnschilder aufgestellt werden könnten, sagte eine Sprecherin.

Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe. Drei Tage dauerten die Aufräumarbeiten. Auch die Autobahn musste großflächig ausgebessert werden, da die Brände den Asphalt zerstört hatten. Für einige Tage wurde die Geschwindigkeit an der Unfallstelle noch begrenzt, inzwischen ist sie wieder freigegeben. An der A 19 erinnert nichts mehr an das Inferno.

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