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Falsches Spiel : „Honorarkonsul“ verurteilt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Als Abgesandter des Königreichs Jordanien lebt ein 64-jähriger ehemaliger SED-Funktionär jahrelang fürstlich bei Friedland – bis die Geldgeber misstrauisch werden. Nun gab es die Quittung.

Ein Mann aus Vorpommern hat sich jahrelang als Honorarkonsul des Königreichs Jordanien ausgegeben – nun muss er dafür ins Gefängnis. Das Amtsgericht Neubrandenburg verurteilte den 64-Jährigen gestern zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Richterin Tanja Krüske befand ihn des gewerbsmäßigen Betruges und des Titelmissbrauchs für schuldig. „Sie haben den Leuten etwas vorgegaukelt, was nicht stimmte“, erklärte die Richterin.

Der ehemalige SED-Funktionär hatte sich zwischen 2009 und 2012 als Honorarkonsul ausgegeben. Er residierte mit seiner Familie und einer Scheinfirma auf Schloss Cosa bei Friedland (Kreis Mecklenburgische Seenplatte), bis ihm gekündigt wurde, und brachte mehrere Geschäftsleute aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg um mehr als 100 000 Euro. „Er hat einen Hang zur orientalischen Fantastik“, sagte Staatsanwalt Klaus Oerters. Die 27 Jahre jüngere Frau des Verurteilten erhielt wegen Beihilfe zum Betrug eine Bewährungsstrafe von acht Monaten.

Der Verurteilte, der aus Loitz in Vorpommern stammt, hatte bis zuletzt bestritten, seine ehemaligen Geschäftspartner betrogen zu haben. Nach zwei Insolvenzen soll der Mann 2009 auch in Amman in Jordanien den Leuten etwas vorgespielt haben, erklärte der Staatsanwalt. Die Firma des Mannes habe nur zwei Mitarbeiter gehabt: Seine Frau und ihn. Kontobewegungen und Firmenunterlagen habe es nicht gegeben. Es kam zwar zur Anmeldung eines Honorarkonsulverfahrens. Dieses sei aber nach kurzer Zeit von der jordanischen Botschaft in Berlin abgebrochen worden.

Unbeeindruckt davon hatte der Mann damals ein Schild an dem mondänen Wohnsitz in Cosa angebracht, sich Visitenkarten und Briefköpfe besorgt und Partys ausgerichtet. Ein Zeuge schilderte, wie ihm der Verurteilte ein amtliches Schreiben zeigte, wonach er frei über 200 000 bis 300 000 Euro monatlich verfügen könne. Außerdem legte der 64-Jährige dem Gericht Schreiben vor, wonach er als „Präsident“ einer Firma auf eine Million Euro eines jordanischen Konzerns Zugriff habe.

Dem schenkte das Gericht keinen Glauben. Zeugen hatten geschildert, wie sich der Mann von Bekannten ein Konzept zum Aufbau einer „weltweit agierenden Friseurkette“ erstellen ließ. Dazu habe er nahe Rostock einen möglichen Firmensitz und eine Villa für das angebliche Honorarkonsulat besichtigt. Den Bekannten versprach er hochdotierte Anstellungen, wofür sie mit Geld in Vorleistungen gingen – und kaum etwas wiedersahen.

Das Schloss Cosa liegt am Rand der Brohmer Berge, war um 1850 erbaut, nach 1945 enteignet und nach der Wende von einem Privatmann erworben worden. Es wurde von 2001 an umfassend saniert. Der Adelssitz verfügt über vier Wohnungen und einen 2,6 Hektar großen Park. Seit dem Auszug des falschen Honorarkonsuls steht das Anwesen leer.

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