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Bahn bremst Waggon aus : Honis Schlafwagen hat Verspätung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Salonwagen aus dem früheren DDR-Regierungszug soll Herberge in Gadebusch werden

svz.de von
erstellt am 24.Mai.2014 | 15:55 Uhr

Walter Ulbricht reiste im DDR-Regierungszug, ebenso Willi Stoph. Erich Honecker fuhr mit ihm 1975 zur KSZE-Konferenz nach Helsinki, meist aber kutschten Diplomaten damit zur Hasenjagd. Eiskunstläuferin Katarina Witt und Skispringer Jens Weißflog durften auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajevo den Luxus auf Schienen genießen.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der DDR soll nun ein Salon-Schlafwagen der rollenden „Honi-Herberge“ in Gadebusch einfahren. Unternehmer Holger Hempel will den historischen Waggon zum illustren Hotel umrüsten. Doch der „Sonderzug nach Gadebusch“ hat Verspätung. Nachdem der insgesamt 100 Tonnen schwere Spezialtransporter bereits Ende April nicht rollen durfte, fehlte auch für die in der Nacht zu gestern geplante Waggon-Beförderung von Pasewalk eine wichtige Genehmigung, wie Hempel erklärte. Die Spedition brauche eine extra Erlaubnis zum Passieren beschrankter Bahnübergänge. So machten rund 40 Schaulustige in den frühen Morgenstunden vor dem alten Bahnhof Gadebusch lange Gesichter, als nur die beiden Radsätze von „Honeckers Schlafwaggon“ eintrafen. Der Wagen selbst soll nun möglichst am Wochenende nachkommen.

Der 1969 für die Regierungs-Sonderzüge der DDR in Görlitz gebaute Wagen mit der Nummer 6150-7080-106-8 hat nicht nur unzählige Kilometer in den Rädern, sondern auch eine bewegte Historie. Nach 1990 mit DDR und „Deutscher Reichsbahn“ ausrangiert, kam er zunächst unter die Fittiche der damaligen Bundesbahn. Deren Reiseveranstalter Bahntours schickte einige der geschichtsträchtigen Salon-Wagen quer durch Osteuropa, doch die Nostalgietouren „Reisen wie die Roten Preußen“ rentierten sich nicht. Die Bahn AG trennte sich 1997 vom rollenden DDR-Regierungserbe. Die früheren Sonderzüge der DDR-Spitze landeten in Museen.

Einige Waggons übernahm der Lokschuppen-Verein Pasewalk, sagte der Vorsitzende Hans-Jörg Görl. Gefördert von der „Kommunalgemeinschaft Pomerania“ Schwedens, Polens und Deutschlands wurden die Wagen in den Länderfarben lackiert. Wegen Geldmangels verkaufte der Verein den im Rot-Weiß Polens gehaltenen Wagen nach Gadebusch.

Doch der Transport des 25 Meter langen und 58 Tonnen schweren „Honi-Schlafwagens“ über die A 20 gen Westen erweist sich als hürdenreich. Ausgerechnet die Bahn bremst den Sonderzug nun vorerst aus. Davon will sich Eisenbahnfreak Holger Hempel, der sich den alten Bahnhof von Gadebusch 2012 zum Restaurant umbaute, aber nicht schrecken lassen. „Der Salonwagen wird bis zum Sommer in seinen Originalzustand zurückgebaut“, versprach er. Außen dann wieder im tarnfarbenen Tannengrün gestrichen solle auch das alte DDR-Wappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz den einst „staatstragenden“ Schlafwagen zieren. Statt acht würden sechs Doppelkabinen mit Waschbecken eingerichtet, dazu zwei Toiletten, das müsse reichen. „Wir wollen nichts verfälschen, besonderen Luxus gab's früher auch nicht in diesen Salonwagen der Regierung.“ Nur einen Kompromiss an modernen Komfort lasse er zu: eine Dusche.

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