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DDR-Regierungserbe : Honi-Herberge auf Schienen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Salonwagen aus dem früheren DDR-Regierungszug steht jetzt frisch renoviert als Hotel in Gadebusch

von
erstellt am 25.Aug.2014 | 11:50 Uhr

Walter Ulbricht reiste im DDR-Regierungszug, ebenso Willi Stoph. Erich Honecker, der heute 102 Jahre alt geworden wäre, fuhr mit ihm 1975 zur KSZE-Konferenz nach Helsinki, meist aber kutschierten Diplomaten damit zur Hasenjagd. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der DDR hat ein Salonschlafwagen der rollenden „Honi-Herberge“ in Gadebusch seine Endstation erreicht. Unternehmer Holger Hempel renovierte den historischen Waggon und rüstete ihn in den letzten zehn Wochen zum besonderen Hotel um.

Am Wochenende übernachteten die ersten Gäste ganz „staatsmännisch“ in Klappbetten über den Gleisen. Bis in den Oktober hinein gebe es schon Vorbuchungen, meint Hempel. Freaks, Eisenbahnfans, aber auch Wanderer und Radfahrer aus der Region, aus anderen Bundesländern, Holland, Italien und Spanien hätten sich angemeldet. „Dabei müssen sie auf eine ganze Menge Luxus verzichten“, so Hempel. Denn den Schlafwagen habe er originalgetreu saniert und auf geschichtsverfälschenden Komfort verzichtet. „Sonst geht das ganze Flair ja verloren, der Wagen wäre nicht mehr authentisch.“ Es gebe natürlich keine Flachbildschirme fürs Fernsehen und kein Internet.

Der 1969 für die Regierungs-Sonderzüge der DDR in Görlitz gebaute Wagen mit der Nummer 6150-7080-106-8 hat eine bewegte Historie. Nach 1990 zusammen mit der DDR und „Deutscher Reichsbahn“ ausrangiert, kam er zunächst unter die Fittiche der damaligen Bundesbahn. Deren Reiseveranstalter Bahntours schickte einige der geschichtsträchtigen Salonwagen quer durch Osteuropa, doch die Nostalgietouren „Reisen wie die Roten Preußen“ rentierten sich nicht. Die Bahn AG trennte sich 1997 vom rollenden DDR-Regierungserbe. Die früheren Sonderzüge der DDR-Spitze landeten in Museen. Einige Waggons übernahm der Lokschuppen-Verein Pasewalk, wie dessen Vorsitzender Hans-Jörg Görl erklärt. Wegen Geldmangel verkaufte der Verein einen der Salonwagen nach Gadebusch.

Den ausgedienten Bahnhof der westmecklenburgischen Kleinstadt hatte Holger Hempel 2012 gekauft und zum Restaurant mit Eisenbahn-Museum umgebaut. Fachberater ist der 79-jährige Schweriner Rentner und frühere Lokführer Peter Falow.

In dem Schlafwagen gibt es sechs Doppelkabinen mit Waschbecken, dazu für alle zwei Toiletten und eine Dusche. Tisch, Schrank und Kleiderhaken sind im Stile der 1970er. Die funktionstüchtige Heizung und Schaltzentrale samt Gegensprechanlage im Dienstabteil, vieles davon Westimport, könnten jederzeit besichtigt werden, sagt Hempel. Der Preis für eine Übernachtung im Salonwagen kostet in dieser Saison 25 Euro pro Person. Buchbar ist der unbeheizte Waggon bis Oktober.

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