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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 06:45 Uhr

Unter den Hammer : Honeckers Jagdgründe

vom

In Waren wird der ehemalige Jagdsitz des DDR-Staatschefs versteigert – inklusive „Honecker-Suite“ Nummer 63. Der Verkehrswert: 1,86 Millionen Euro. 22 Jahre nach der Friedlichen Revolution in der DDR.

svz.de von
erstellt am 04.Nov.2011 | 09:45 Uhr

Drewitz | Einst jagte hier DDR-Staatschef Erich Honecker, jetzt genießen Touristen die Ruhe am Drewitzer See im ehemaligen Müritzkreis. Trotzdem wird Ende November in Waren (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) der ehemalige Jagdsitz Erich Honeckers versteigert. 22 Jahre nach der Friedlichen Revolution in der DDR.

"Der Verkehrswert liegt bei rund 1,86 Millionen Euro", sagt Matthias Brandt, Leiter des Amtsgerichtes Waren. Ein Geschäftsmann aus Bremen hatte die Nobel-Immobilie im einstigen Sperrgebiet 1998 von der Treuhand erworben. Der Bremer baute das einsame Anwesen im Wald zu einer Jagd- und Naturpark-Residenz mit 22 Ferienhäusern um und erwarb weitere Immobilien in bester Lage in Waren - konnte das Ganze aber irgendwann nicht mehr bezahlen.

Da kam die holländische Van-der-Valk-Hotelgruppe ins Spiel. Die Holländer, deren Hauptsitz im benachbarten Linstow liegt, übernahmen einen Teil der finanziellen Forderungen und betreiben seit 2010 bereits die Hotelanlage am Drewitzer See. "Es läuft gut, die idyllisch gelegene Anlage wird über einen großen deutschen Reiseveranstalter vermarktet", sagt Van-der-Valk-Sprecher Volker Wünsche. Doch um nicht nur Betreiber, sondern auch Eigentümer der 14 Hektar großen Immobilie zu werden, verlangte die Hotelgruppe als Hauptgläubiger jetzt die Versteigerung.

Deren Verlauf am 21. November dürfte spannend werden, schätzt Amtsgerichtschef Brandt. Drewitz gilt als Ort mit Symbolwert für den Osten Deutschlands. An der Seenplatte hatten sich mehrere Funktionäre der DDR-Staatsführung ihre Jagdgebiete gesichert: Ministerpräsident Willi Stoph bei Speck, Maschinenbauminister Günther Kleiber bei Glashütte und Stasi-Chef Erich Mielke sicherte eben Drewitz für seinen "Chef" Honecker und dessen Trophäenjagd. In der Region waren große Teile der Wälder für die Bevölkerung deshalb gesperrt, was für viel Ärger bei den Einwohnern sorgte.

Dieser Ärger brach sich im Herbst 1989 Bahn: Aufgebrachte Bürger erzwangen die Öffnung der von der Staatssicherheit bewachten Nobel-Objekte. In Drewitz zog danach kurzzeitig das Christliche Jugenddorfwerk ein, um benachteiligte Jugendliche auszubilden. Nach ein paar Jahren wollte aber kein Lehrling mehr in die abgelegene Immobilie und die Treuhand verkaufte den Ex-Jagdsitz.

An den Wänden des Restaurants und Hotels mit der noch erhaltenen "Honecker-Suite" erinnern Bilder an die "DDR-Staatsjagd". Das Haupthaus hat fünf Suiten, Schwimmbad, Restaurant und Wellness-Bereich. In der Suite Nr. 63 ist auch fast alles noch beim Alten: Eine rote Couch im Flur, darüber das Honecker-Bild, im hellbraunen, einst typischen Einbau-Bücherregal Werke russischer Autoren. Auch der Schreibtisch stammt noch aus den Zeiten des Kalten Krieges. Das telefonische Interesse an dem Auktionsobjekt sei trotz seiner bizarren Vergangenheit bisher nicht übermäßig groß gewesen, meint der Warener Amtsgerichtsdirektor.

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