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Tarifvertrag bei Hüttemann unterzeichnet : Holzindustrie zahlt höhere Löhne

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Lohnzuwachs an der Küste: In der Holzindustrie in MV gilt wieder ein Tarifvertrag. 170 Beschäftigte des Holzproduzenten Hüttemann bekommen ab 1. August 2013 zwischen drei und zehn Prozent mehr Geld.

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erstellt am 29.Jul.2013 | 06:55 Uhr

Schwerin/Wismar | Lohnzuwachs an der Küste: In der Holzindustrie in MV gilt wieder ein Tarifvertrag. 170 Beschäftigte des Holzproduzenten Hüttemann bekommen ab 1. August 2013 zwischen drei und zehn Prozent mehr Geld. Das sieht ein gestern vorgestellter, von der IG Metall und Hüttemann vereinbarter Tarifvertrag vor. In den kommenden beiden Jahren gibt es je bis zu zehn Prozent drauf, dazu 30 statt bisher 26 Urlaubstage und erstmals ein Weihnachtsgeld. Der Abschluss bedeute für die Beschäftigten auch mehr Sicherheit, erklärte IG-Metall-Tarifsekretär Friedhelm Ahrens: "Sie haben künftig tarifvertraglich gesicherte Rechte." Der Vertrag habe Symbolkraft, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). MV werde im Wettbewerb um Fachkräfte nur mithalten können, wenn die Beschäftigten "bei uns im Land gute Arbeitsbedingungen haben und faire Löhne erhalten".

Die Vereinbarung lässt auf höhere Einkommen in der mit Millionen geförderten aber weitgehend tariffreien Holzindustrie hoffen: Netto-Löhne von 1000 Euro bei einer Sechs-Tage-Woche und im Drei-Schicht-System seien keine Seltenheit, erklärte Maik Schwaß von der IG Metall in Wismar. Inzwischen seien auch für das Großsägewerk Ilim Nordic Timber und den Palettenservice Wismar Tarifkommissionen gewählt worden. Schwaß zufolge sollen in beiden Unternehmen im Herbst Tarifverhandlungen beginnen. Dann könnten etwa 2000 Beschäftigte im Wismarer Holzzentrum mit höheren Löhnen rechnen.

Einige Firmenchefs in MV sehen Tarifverträge indes als Mittel, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. "Der Tarifvertrag hilft uns bei der Suche nach Fachkräften", erklärten die Gesellschafter Regina Hüttemann und Mathias Herbst-Hüttemann in Wismar. Das scheinen Funktionäre in Arbeitgeberverbänden noch nicht so zu sehen: Die Firmen wollten flexibel bleiben und der "Knute der Flächentarifverträge" ausweichen, hatte Thomas Klischan, Vorstand des tarifungebundenen Allgemeinen Verbandes der Wirtschaft Norddeutschland (AGV) Ende Juni gegenüber unserer Zeitung erklärt. Die Tarifkritik bringt Klischan jetzt auf seinem Doppelposten als Chef des tarifgebundenen Arbeitgeberverbandes Nordmetall und als Chef des tarifungebundenen Verbandes AGV in Bedrängnis: Klischan schließe einerseits mit den Gewerkschaften Tarifverträge ab und lobe sie als zukunftsweisend, während er andererseits als AGV-Chef gegen Tarife wettere - "das passt nicht zusammen", kritisierte Tarifsekretär Ahrens. Klischans Einschätzung decke sich nicht mit der Situation in den Betrieben. "In den Unternehmen beginnt ein Sinneswandel", so Ahrens. Die Chefs würden erkennen, dass sie ihren Mitarbeitern etwas bieten müssten, um die Fachkräfte zu halten. Seit 2010 sei es der IG Metall gelungen, für 2000 Beschäftigte u. a. beim Kranbauer Liebherr und dem Röhrenhersteller EEW in Rostock, beim Gussteileproduzenten MAT in Ueckermünde sowie beim Messwandler-Fabrikanten Alstrom in Ludwigslust Tarifverträge durchzusetzen. Das zieht Kreise: So würden nach 20 Jahren Tariflosigkeit z. B. mit der Sanitär-Heizung-Klima-Branche Ende August Tarifverhandlungen beginnen, sagte Ahrens. 2012 war nach zwölf Jahren ohne Vereinbarung mit dem Tischlergewerbe in MV ein Flächentarif geschlossen worden.

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