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Auch Ihre Geschichte ist gefragt : Holzbohle aus Vorkriegstagen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fritz Schriewer hofft mit Hilfe der SVZ die Familie eines Stellmachers zu finden / Auch Ihre Leser-Geschichte ist gefragt

von
erstellt am 06.Sep.2014 | 16:00 Uhr

Ein überraschend schweres Paket erreichte in dieser Woche unsere Redaktion. Ein Holzbrett – eingeschlagen in schützende Folie – wurde zum Anlass zahlreicher Spekulationen unter unseren Redakteuren. Besonders die mit schwarzer Baukreide geschriebene Inschrift gab zunächst einige Rätsel auf. In Sütterlin, der deutschen Schreibschrift, die bis 1942 an den Schulen unterrichtet wurde, verewigte sich hier scheinbar ein Stellmacher mit Namen Groth im Jahre 1939. Folgende Worte hatte dieser in den Vorkriegstagen hinterlassen: „Dieser Fußboden wurde von Stellmacher Groth gelegt. Am 29. August 1939 in den kritischen Tagen mit Polen.“

Die deutsch-polnischen Spannungen, die sich bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs am 1. September 1939 mit dem Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen steigerten, blieben allem Anschein nach auch der Bevölkerung in Schwerin nicht verborgen. An dem besagten 29. August spitzte sich die Situation zu. Die polnischen Truppen machten mobil und die Deutschen befanden sich seit Tagen in Bereitschaft.

Ob auch der besagte Stellmacher befürchtete, eingezogen zu werden, geben die kurzen Aufzeichnungen auf der Bohle nicht her. Eine Geschichte zu dem historischen Fund konnte nur der Absender selbst liefern. Der kleine weiße Zettel, welcher an das rund drei Meter lange Brett geheftet wurde, verwies auf den Schweriner Fritz Schriewer. „Vor etwa acht Jahren ist das Brett in meinen Besitz gekommen“, erinnert sich der 77-Jährige. Zusammen mit einem ganzen Stapel anderer Bohlen hatte er es eigentlich in seinem heimischen Ofen verfeuern wollen, doch dann habe er die Inschrift entdeckt. „Ich habe diese Schreibschrift nicht mehr gelernt und hatte meine Mühe die Buchstaben zu entziffern, doch meine Frau konnte mir dabei helfen“, sagt Fritz Schriewer, der wie der Schreiber der Botschaft selbst einmal Stellmacher gelernt hatte.

„Mein Vater führte eine Stellmacherei in Blieschendorf. Als einziger Sohn sollte ich sie einst übernehmen. Doch dann kam die LPG und das wollte ich nicht. So habe ich Elektriker gelernt und später sogar ein Studium zum Ingenieur gemacht – das war die richtige Entscheidung“.

1966 sei er schließlich nach Schwerin gezogen. Hier hat er auch die Fichtenholz-Bohle entdeckt. Einst zierte sie den Fußboden im Eingangsbereich der Kaserne, die – nach dem Diktator Adolf Hitler benannt – als Wehrmachts-Unterkunft diente. Ende der 1930er-Jahre wurde sie erbaut, nach dem Krieg einige Jahre von der Sowjetarmee genutzt. Nach einer Kernsanierung beherbergt sie heute das Schweriner Polizeihauptrevier Graf-York-Straße.

Die Bohlen wurden nicht mehr benötigt, als der historische Holzboden durch robusten Estrich ersetzt wurde, und so kamen sie in den Besitz von Fritz Schriewer. „Seit acht Jahren habe ich das Brett nun in meinem Schuppen. Immer wenn mich alte Bekannte besuchen, erzähle ich die Geschichte und nun wurde ich durch die Berichterstattung zum Beginn des Zweiten Weltkriegs wieder daran erinnert“, so der 77-Jährige.

Am liebsten würde er den historischen Fund an die Familie des Stellmachers Groth übergeben, doch eigene Nachforschungen blieben bisher ergebnislos. Mit Hilfe der SVZ hofft Schriewer nun Angehörige zu finden.

Wir sind sicher, dass noch in vielen Haushalten Relikte aus vergangenen Tagen schlummern, hinter denen sich eine spannende Geschichte verbirgt. Sollten auch Sie so einen historischen Schatz besitzen, freuen wir uns auch über Ihre Erinnerungen zu berichten.

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