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Mecklenburg-Vorpommern

23. September 2017 | 02:08 Uhr

Serie Jung in MV : Holz ist seine Leidenschaft

vom
Aus der Onlineredaktion

Klaas Lovin ist seit einem Jahr selbstständiger Zimmerer – und arbeitet an sechs Tagen in der Woche

von
erstellt am 07.Feb.2017 | 11:45 Uhr

Ende der 1980er-Jahre war der Norden der DDR das Gebiet mit der jüngsten Bevölkerung. Seit der Wende hat sich diese Statistik komplett umgekehrt. In MV leben nun die nahezu ältesten Menschen Deutschlands. In unserer Serie wollen wir zeigen, dass es junge Menschen gibt, die sich bewusst für den Nordosten entscheiden. Die hier Chancen sehen, die andere nicht gesehen haben.

Den jungen Meister zu treffen, ist nicht leicht, denn Klaas Lovins Terminkalender ist voll. Und das, obwohl er gerade erst 13 Monate selbstständig ist. In einem ehemaligen Stall in Grebbin bei Parchim hat der junge Handwerker sich seine Werkstatt eingerichtet. Aber meist fährt er zu seinen Kunden. Denn was er herstellt, passt oft in keine Werkstatt: Dachstühle, Carports, Terrassen, Holzhäuser.

Geboren ist Klaas Lovin in Parchim, hat viele Jahre in Rastow zwischen Schwerin und Ludwigslust gelebt, ist in Pampow zur Schule gegangen. Doch nach der 11. Klasse ließ er das Abitur Abitur sein und ging los auf dem Weg, den er längst als seinen erkannt hatte. „In der Zeit waren ja fast alle auf dem Gymnasium, weil man irgendwie dachte, sonst wird aus denen nichts“, sagt Lovin. „Aber ich habe seit der 9. Klasse in allen Ferien auf den Baustellen meines Vaters gejobbt, der hatte eine Zimmerei.“

Der Umgang mit Holz liegt ihm also im Blut, schon als Junge fuhr er mit seinem Vater zu den Baustoffhändlern. „Nach dem ersten Jahr war mir klar, dass es das ist, was mir gefällt. Und ich wusste, ich wollte so schnell wie möglich mein eigener Chef werden.“

Und so kaufte Klaas sich von dem verdienten Ferien-geld nicht nur sein Motorrad und den Sprit dafür, sondern schon erstes eigenes Werkzeug. Er begann bei einer Schweriner Firma eine Lehre als Zimmerer, wechselte später zu Schlichting Holztechnik. „Das war das Beste, was mir passieren konnte. Heiner Schlichting kennt in Schwerin jeder Architekt, er ist praktisch der Altbau-Sanierungs-König. Da habe ich echt was gelernt und schöne Sachen gemacht.“ Nach der Lehre konnte Lovin sofort mit der Meisterschule anfangen. Noch ein paar Jahre vorher hätte er mehrere Arbeitsjahre als Geselle nachweisen müssen, aber nun waren die gesetzlichen Regelungen geändert. Er beantragte das sogenannte Meister-Bafög und brachte die Vollzeit-Ausbildung zum Zimmerer-Meister hinter sich. Seine Abschlussarbeit brachte ihm 100 von 100 Punkten – „die beste, die sie dort je gesehen hatten“, erzählt er stolz.

Vom Tisch bis zur kompletten Halle kann er jetzt alles planen und bauen. Ab und zu ist auch mal „etwas Schönes“ dabei, wie der junge Meister sagt, etwa ein verziertes Vordach wie das an seiner eigenen Werkstatt.

Hier hat er seit knapp zwei Jahren jedes Regal selbst gebaut, von hier aus startet er zu seinen Kunden – rund 50 Kilometer im Umkreis. Sie trauen dem jungen Meister fachliche Qualität zu – trotz seiner gerade 23 Jahre. „In meiner Arbeit habe ich vor nichts Angst. Was ich nicht kann, kann ich lernen. Ich frage meinen Vater oder einen älteren Kollegen, wenn ich etwas nicht weiß.“

Am 2. Januar 2016 meldete er seine Holzbau-Firma an. Und hat seitdem gut zu tun. Der Erfolg liegt in der langen Vorbereitung, meint er. „Ich hatte drei Viertel meines Werkzeugs schon über die Jahre gekauft, konnte also sofort anfangen. Außerdem kannten mich etliche Leute, weil ich ja schon jahrelang immer mal wieder auf verschiedenen Baustellen gearbeitet hatte. Und ich wusste immer ganz genau, was ich wollte.“

Es ging gemächlich los, aber seit dem vergangenen Sommer arbeitet Lovin an fünf, auch mal sechs Tagen pro Woche. „Es ist manchmal stressig, aber das weiß man ja, wenn man sich selbstständig macht“, sagt er. „Ich bin auch so ein bisschen süchtig danach. Ich fahre manchmal am Wochenende hierher, weil ich einfach was bauen, was herstellen muss.“ Derzeit wohnt Lovin in Crivitz, will aber demnächst mit seiner Lebensgefährtin nach Grebbin ziehen. Dann wird der Weg in seine Werkstatt noch kürzer.

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