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Grüne und Linke : Holt die archäologischen Funde aus den Depots!

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Die Archäologie in MV hat seit 20 Jahren kein Landesmuseum. Schätze lagern in Depots, niemand kann sie betrachten. Das wollen Linke und Grüne im Landtag ändern. Sie legen dem Parlament einen gemeinsamen Antrag vor.

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2012 | 06:52 Uhr

Das seit 20 Jahren immer wieder beklagte Fehlen eines Archäologischen Landesmuseums in Mecklenburg-Vorpommern veranlasst die demokratische Opposition im Landtag jetzt zu geschlossenem Handeln. Linke und Grüne kündigten am Freitag für die nächste Landtagssitzung Ende August einen Antrag an, in dem sie ein Konzept zur dauerhaften Präsentation der archäologischen Kostbarkeiten des Landes verlangen.

"Regelmäßig werden neue kulturhistorisch wertvolle Zeugnisse unserer Landesgeschichte entdeckt. Doch Mecklenburg-Vorpommern ist eines der wenigen Bundesländer, das über kein Archäologisches Landesmuseum verfügt", teilten beide Fraktionen mit. Einst gab es im Schweriner Schloss ein solches Museum - es musste weichen, als Anfang der 90er Jahre der Landtag einzog. Geprüft werden soll jetzt sowohl die Variante eines zentralen Museums als auch eine Aufwertung regionaler Museen, verlangen Grüne und Linke von der Regierung.

"Bis heute hat die Landesregierung noch nicht einmal ein Konzept für die zukünftige Präsentation der archäologischen Funde entwickelt", kritisierte die kulturpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Fraktion, Ulrike Berger. Ihr Kollege von der Linksfraktion, Torsten Koplin, ergänzte: "Einheimische und Gäste haben kaum Gelegenheit, diese Kulturgüter kennenzulernen.

Herausragende Funde müssen aber den Menschen zugänglich gemacht werden, anstatt sie auf unabsehbare Zeit in Depots zu verstecken."

Der Erfolg kleinerer Ausstellungen, zum Beispiel der Funde entlang der OPAL-Erdgastrasse durch Vorpommern, habe das enorme Interesse der Menschen an den Zeugnissen der Landesgeschichte gezeigt, hieß es weiter. Wissenschaftliche Forschung und Tourismuswirtschaft könnten "hier auf wunderbare Weise" verknüpft werden. Koplin bemängelte: "Das Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern verschenkt die Möglichkeit, den Wert und die hohe Anziehungskraft unseres Kulturerbes sinnvoll zu nutzen und damit zugleich ein weiteres saisonunabhängiges Angebot zu schaffen."

Ulrike Berger zufolge haben andere Bundesländer bewiesen, dass archäologische Museen zu Publikumsmagneten werden können. "Man denke an die Ausstellung zur Himmelsscheibe von Nebra in Halle/Saale", sagte sie. Zahlreiche Münzschätze oder Ausgrabungen wie das Bronzezeitliche Schlachtfeld im Tollensetal zeigten das hohe Potenzial für ein Landesmuseum in Mecklenburg-Vorpommern.

Nicht nur das Archäologische Landesmuseum gibt es nicht mehr. Seit Jahren ist auch das Museum für Unterwasserarchäologie in Sassnitz auf Rügen zu - aufgrund notwendiger Sanierungsmaßnahmen, wie es auf der Internetseite des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege heißt.Eine Ausstellung mit 400 Fundstücken von den beiden Erdgastrassen-Baustellen OPAL und NEL im Güstrower Schloss wurde Ende 2011 nach wenigen Monaten wieder geschlossen - das Geld zur Bezahlung des Wachpersonals fehlte. Eine ständige größere Schau archäologischer Fundstücke gibt es lediglich im Freilichtmuseum der Slawenburg Groß Raden im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

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