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Mecklenburg-Vorpommern

22. Oktober 2017 | 14:12 Uhr

„Alki Alki“ : Hollywood in Meck-Pomm

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Regisseur Axel Ranisch dreht für seinen Film „Alki Alki“ in Mecklenburg-Vorpommern - das Ostseeland hat es ihm besonders angetan

von
erstellt am 18.Jun.2014 | 11:50 Uhr

Kabel schlängeln sich entlang des Schweriner Sees. Männer schleppen schwere Kameras und Ton-equipment. Gerade wird die Szene für den neuen Axel Ranisch-Film „Alki Alki“ gedreht, in der der alkoholsüchtige Vater nach langer Therapie erstmals seine Kinder wiedersieht. Die Kulisse: Der See mit der Reha-Klinik für Suchtkranke Lübstorf im Hintergrund. Ein Drehort von vielen – MV wird für Filmproduktionen immer attraktiver.

Axel Ranisch gilt als das neue Wunderkind der deutschen Filmbranche. Mit seinem Debüt-Film „Dicke Mädchen“ feierte er 2011 internationale Festivalerfolge. Ein Jahr später landet das Werk bundesweit in den Kinos. Und auch sein anschließender Film „Ich fühle mich Disco“ wurde zum Triumph.


„Das Ostseeland hat es mir angetan“


Sein neuer Streifen „Alki Alki“ handelt von der tragisch-komischen Beziehung der Freunde Tobias (Heiko Pinkowski) und Flasche (Peter Trabner). Produziert wird der Film zu großen Teilen auch in MV. „Ich wollte in Mecklenburg drehen, weil die Gegend hier eine eigene Atmosphäre hat“, erzählt Ranisch vor Drehbeginn.

Das Ostseeland hätte es ihm schon immer angetan: „Ich habe hier meine Kindheit verbracht – im Sommer am FKK-Strand. Und Schwerin – mein Gott, die Stadt ist so schön. Die schönste Hauptstadt Deutschlands“, schwärmt er.


Orginalschauplätze als Drehorte


Zehn Tage verbringen Ranisch und sein 20-köpfiges Team in Mecklenburg. Gedreht wird neben Lübstorf auch auf der Insel Poel. Die Wahl der Orte war natürlich kein Zufall, erklärt der Regisseur: „Wir wollen an Originalschauplätzen spielen und nichts stellen. Da hat sich die Klinik hier angeboten.“

Neben dem Gelände vor dem See spielen einige Szenen auch direkt in den Therapie-Räumen und Patientenzimmern der Einrichtung. „Das musste alles von langer Hand geplant werden, damit die Bewohner in ihrer Behandlung nicht gestört werden“, erklärt Katrin Parlow. Die Pressesprecherin der Klinik verrät: „Das Konzept hat sehr gut gepasst. In dem Film kommt der Darsteller ja gestärkt aus seiner Behandlung heraus“. Ranisch ist von der Wahl der Klinik als Drehort ganz angetan: „Man kommt hier mit den Patienten direkt in Kontakt. Gleich am ersten Tag hat uns ein Spielsüchtiger gefragt, ob er uns helfen kann und uns erklären soll, was es mit der Sucht auf sich hat.“


Gedreht wird ohne Drehbuch


Genau diese Authentizität ist es, die Ranischs Filme so einzigartig macht. Vieles geschieht vor Ort spontan. Was am Ende genau heraus kommt, weiß selbst der Regisseur nicht genau: „Wir haben kein Drehbuch, aber ein sehr gutes Szenenbuch für diesen Film. Es ist schon klar, was das Ziel ist, aber wie wir dahin kommen, das entwickelt sich erst während der Dreharbeiten.“

Das Thema „Sucht“ liegt Ranisch und seinem Team besonders am Herzen. Vor zweieinhalb Jahren hatte er zusammen mit Pinkowski und Trabner die Idee zu dem Film. Pinkowski, sowohl im Film, als auch im wahren Leben Vater von Delphine, August und Paul, sagt: „Sucht ist ein Thema, das uns alle betrifft.“

Und sein Schauspielkollege Trabner ergänzt: „Wir wollen, dass die Besucher mit einem Lachen aus dem Kino kommen, aber auch mit dem Gedanken, dass wir alle mit Süchtigen zu tun haben und dass das ein Gesellschaftsproblem ist.“

Untergebracht ist das Filmteam im Filmhostel in Wismar. Dort hat es auf dem Gelände des Filmbüros MV Räume für die Produktion, die Maske und den Schnitt angemietet und sichtet ganz komfortabel bereits gedrehte und bearbeitete Szenen. „Das Gelände ist wie ein Obstgarten und das Filmteam kann dort für sich sein“, erklärt Sabine Matthiesen, Leiterin der Kulturellen Filmförderung MV und Geschäftsführerin im Filmbüro.

„Von der ersten Idee, die das Team im letzten Jahr während der Berlinale an uns herangetragen hat, bis zu den Beratungen zur Antragstellung bei der Kulturellen Filmförderung vor Ort in Wismar, konnten wir die Vorbereitungen zum neuen Spielfilm von Axel Ranisch aktiv begleiten.“

In den letzten Jahren hätte sich ihrer Ansicht nach in MV einiges für Filmemacher getan und nennt dabei die bessere Infrastruktur und die Filmförderung. Auch in diesem Jahr unterstützt das Land Mecklenburg-Vorpommern die Projekte des Filmbüros. „Das Geld wird nicht nur ausgegeben, um Filme auf die Leinwand zu bekommen, sondern unterstützt auch die Menschen vor Ort“, schildert Matthiesen.

Ranisch selbst ist von den Bedingungen vor Ort begeistert: „Zum Ende hin habe ich das Gefühl, als wäre die Zeit total schnell vergangen“, meint er. Übermorgen reisen er und sein Team wieder nach Berlin. Bis September soll der Film fertig sein. Wo er Premiere feiert – das entscheidet sich spontan.

DER FILM


„Alki Alki“ von Axel Ranisch
Architekt Tobias (Heiko Pinkowski) hat Frau (Christina Große) und drei Kinder (Delphine, August und Paul Pingkowski), Flasche hat Tobias (Peter Trabner). Beide zusammen machen die Nacht zum Tag, den Tag zum Katerfrühstück. Irgendwann geht es für Tobias bergab. Frau Anika haut mit den drei Kindern ab, Führerschein und Job gehen flöten und Kompagnon Thomas hat eh mit Praline zu tun. Da kann auch die russische Investorin Galina Iwanowna Schnurkinowa (Iris  Berben)  nicht mehr retten. Ein Autounfall mit fast fatalen Folgen führt zwar zur Einkehr, aber wahre Freundschaft hört nicht auf.

 

Drehort Ostseeland

Besonders die  charmanten, alten Herrenhäuser und die Seebäder an der Ostseeküste machen Mecklenburg-Vorpommern zum beliebten Drehort für Filmemacher:

2013
Elisabeth I. als Teil von „Frauen, die Geschichte machten“   wurde in Ahrenshoop verfilmt.
Weiter als der Ozean mit Robert Gwisdek in Stralsund.
Polizeiruf 110 drehte 2013 in Rostock.
Stralsund wurde in der gleichnamigen Hansestadt verfilmt.
Die Dreharbeiten für Wir sind jung. Wir sind stark fanden in Graal-Müritz, Rostock und Umgebung statt.

2012
Die Frau, die sich traut  wurde in Graal-Müritz gedreht.
In Ahrenshoop: Love Steaks .
Schaustätte für Großstadtklein von Til Schweiger und dem Rostocker  Tobias Wiemann war  fast ganz MV.

2011
Das Blaue vom Himmel von Hans Steinbichler wurde in Seebad Heiligendamm gedreht.

2010
Pfarrer Braun ARD-Serie  mit Ottfried Fischer: verfilmt im Ahlbecker Hof.
Der Film The Ghost von Roman Polanski wurde  in Peenemünde gedreht.

2009
Whisky mit Wodka, ein Film von Andreas Dresen  in Binz gedreht.

2007
Mord in bester Gesellschaft (Alles Böse zum Hochzeitstag) ARD-Krimiserie von Peter Sämann.
Die Flucht Film von Kai Wessel mit Maria Furtwängler wurde auf Schloss Bothmer gedreht.
Das Schloss Johannestorf war Drehort für  Das weiße Band, ein  Film von Michael Haneke.

2001
Die ZDF-Serie Hallo Robbie!  mit Karsten Speck wurde auf Rügen gedreht.

1991
Die deutsche Komödie Pappa ante portas  von Loriot,  mit Evelyn Hamann wurde in Ahlbeck gedreht.

 

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