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Mecklenburg-Vorpommern : Hollywood dreht anderswo

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Doch Experten sind sicher: Viel mehr würde gedreht, wenn MV Filme wirtschaftlich fördere

Film ab in Mecklenburg-Vorpommern: Rund 20 Produktionen sind im vergangenen Jahr zumindest teilweise im Nordosten gedreht worden. Doch in anderen Gegenden Ostdeutschlands sind viel mehr Filmteams unterwegs, auch aus dem Ausland. Neben Potsdam-Babelsberg, wo moderne Studios zur Verfügung stehen, ist zum Beispiel Görlitz ein beliebter Drehort für internationale Produktionen. Dort entstanden etwa „Grand Budapest Hotel“ mit Ralph Fiennes (2014), Teile von „Inglourious Basterds“ mit Brad Pitt (2009) oder „Der Vorleser“ mit Kate Winslet (2008).

Der Film „Wir sind jung, wir sind stark“ über die ausländerfeindlichen Krawalle am „Sonnenblumenhaus“ in Rostock-Lichtenhagen war nur zu einem kleinen Teil am authentischen Ort aufgenommen worden, erzählt Antje Naß von der Filmland Mecklenburg-Vorpommern GmbH. Das in Schwerin ansässige, gemeinnützige Unternehmen unterstützt Filmcrews, hilft bei der Suche nach geeigneten Drehorten. „Das meiste wurde in Halle-Neustadt gedreht.“

Ein Grund sei die Geldfrage. „Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben zusammen eine mit Millionen ausgestattete wirtschaftliche Filmförderung.“ Damit werden Produktionen unterstützt, die in der Region gedreht werden. Sie müssen das Geld vor Ort ausgeben, etwa für den Kulissenbau oder die Unterbringung der Crew. „Solche Unterstützung ist auch für Hollywood-Produktionen wichtig“, weiß Naß. Als MV in den Jahren 2009 bis 2012 eine wirtschaftliche Filmförderung von jährlich 400 000 Euro hatte, drehte Hollywood-Regisseur Roman Polanski seinen Film „Der Ghostwriter“ zum Teil auf Usedom.

Mancher in der Landespolitik würde die wirtschaftliche Filmförderung gerne wiederbeleben, etwa der Oppositionsführer im Landtag, Helmut Holter (Linke). „Es ist nachgewiesen, dass im Schnitt das 1,5fache des Fördermitteleinsatzes in der Region umgesetzt wird“, sagt er. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Waldmüller, räumt ein: „Andere Bundesländer sind dort eindeutig besser aufgestellt.“ Die CDU-Fraktion sei deshalb grundsätzlich bereit, in diesem Bereich mehr zu tun. Die SPD hält hingegen für ausreichend, was getan wird. So werde die Vermarktung des Drehstandorts MV mit jährlich 200  000 Euro unterstützt, sagte der Abgeordnete Ingulf Doning. Das Land konzentriere sich auf das Machbare. Außerdem gibt das Land jährlich 215  000 Euro für die Kulturelle Filmförderung, mit der besonders hochwertige Streifen oder Stoffe unterstützt werden.

Die Filmcrews, die im Nordosten drehen, kommen vor allem wegen der Landschaft. So setzt die ZDF-Krimiserie „Soko Wismar“ auf das maritime Flair der Welterbe-Hansestadt. Stralsund und Rostock sind ebenfalls regelmäßige Drehorte für Fernsehkrimis. Aber auch die Platte kann für Filmemacher attraktiv sein. Im größten Plattenbaugebiet Schwerins, dem Großen Dreesch, stand Schauspieler Charly Hübner im vergangenen Herbst als schüchterner Hausmeister Roger für den Spielfilm „Anderst Schön“ vor der Kamera.

Auf der Berlinale hat morgen ein Streifen Premiere, der im Mai 2014 in Vorpommern rund um Gützkow und Jarmen gedreht wurde. Der 40-minütige Film „Ein idealer Ort“ des jungen Regisseurs Anatol Schuster erzählt eine tragikomische Geschichte über eine Familie zwischen Techno und Blasmusik und über einen Ort zwischen Naturreservat und Ferkelfabrik. In Stralsund drehte ein Team im Herbst die Westernkomödie „Matthiesens Töchter“ für die ARD. Als eine Familiengeschichte fern der Idylle, mit trockenem Humor und starken Charakteren kündigt der Sender den Fernsehfilm an.

 

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