„Goldjunge" aus Neubrandenburg : „Holli“ und die SCN-Goldspur

Eine Bank im Zweier-Kajak: Martin Hollstein aus Neubrandenburg und Andreas Ihle (Magdeburg/r.) Foto: dpa
Eine Bank im Zweier-Kajak: Martin Hollstein aus Neubrandenburg und Andreas Ihle (Magdeburg/r.) Foto: dpa

Peking-Olympiasieger Martin Hollstein greift in London im Kajak-Zweier mit seinem Magdeburger Partner Andreas Ihle erneut nach Edelmetall. Er wird bei den Rennen auf dem Eton-Dorney von einer eigenen Fangruppe angefeuert.

svz.de von
16. Juli 2012, 12:04 Uhr

Neubrandenburg | Peking-Olympiasieger Martin Hollstein greift in London im Kajak-Zweier mit seinem Magdeburger Partner Andreas Ihle erneut nach Edelmetall. Der Neubrandenburger wird bei den Rennen auf dem Eton-Dorney von einer eigenen Fangruppe angefeuert.

Die Wettervorhersagen für London im August sind typisch britisch: Regen, größtenteils bewölkt. Egal, den Trip an die Themse haben sie gebucht. Familie Hollstein und Freunde werden spätestens am 8. August zum Finale des Kajak-Zweier über 1000 m auf der Tribüne der Regattastrecke am Eton-Dorney Platz nehmen. "Ja, alle Verwandten ersten Grades, plus Freunde, Bekannte meiner Eltern - man wird die Hollsteins schon hören", freut sich Kanute Martin Hollstein auf die Party an der Themse.

Was keiner so recht wusste, der Peking-"Goldjunge" des SC Neubrandenburg hat praktisch ein zweites familiäres Standbein auf der Insel. London könnte so zu einem "Heimspiel" werden. "Der Bruder meines Opas ist nach dem Krieg dort geblieben, ist sesshaft geworden. Der Kontakt zu diesem Teil der Familie blieb bestehen. Jetzt fahren die Hollsteins zuerst eine Woche nach Edinburgh zum Familientreffen und dann reist der Clan nach London weiter", erzählt Martin Hollstein nicht ohne Vorfreude auf das olympischen Wiedersehen.

An einem der letzten Wochenenden war "Holli", wie ihn alle nur nennen, noch einmal auf Heimatbesuch in Grünow bei Feldberg. Alle waren sie da - Familie, die Nachbarn, Freunde. Gut 25 Leute tummelten sich auf dem Hof. Mutter Hollstein hatte auf die Schnelle einen Schrein errichtet. Mit Zeitungsausschnitten, Erinnerungsstücken, Fotos. Mittendrin war die erste Medaille von Martin Hollstein ausgestellt. "Kanu-Landesmeisterschaften Schwerin 1998" - steht darauf. Ein Stück Bronze - der Anfang von allem. Zehn Jahre später hing in Peking olympisches Gold um den Hals von Hollstein.

Plötzlich Olympiasieger: "Das war schon kurios, wie ich da praktisch auf den letzten Drücker aufgrund von Verletzungen ins Olympia-Team und in den Zweier mit Andreas Ihle gerutscht bin. Und dann ging alles wie im Traum. Start - Ziel - Gold. Wahnsinn", erinnert sich der SCN-Athlet. Diesmal erlebe er die ganze Vorbereitung - praktisch vier Jahre arbeiten Ihle und er an dem Projekt London - viel intensiver. "Ich weiß genau, was ich in den letzten Jahren geknüppelt, aber auch, auf was ich verzichtet habe. Das war nicht leicht - jetzt soll es wenigstens den Lohn dafür in London geben", so "Holli".

Bisher sind beide Asse von Verletzungen verschont geblieben. Lediglich ein Insektenstich in die Hand von Andreas Ihle verhinderte einen Tag das Training. "Die Pranke von Andi war tierisch dick, sah komisch aus, hat uns aber nicht zurückgeworfen", lächelt der Neubrandenburger Kanute. Für einen Spaß ist der lange Blonde ohnehin immer zu haben. Das weiß auch sein Trainer Jürgen Lickfett. Die beiden sind nun schon einige Jahre ein Erfolgsteam und sie arbeiten gemeinsam an so etwas wie der Fortsetzung der "Neubrandenburger Goldspur". Dahinter verbirgt sich eine einzigartige Erfolgsgeschichte: Seit Atlanta 1996 haben Schützlinge von Trainerfuchs Lickfett immer eine "Goldene" von den Spielen mitgebracht. Drei Mal - aus Atlanta, Sydney und Athen - kehrte Canadier Andreas Dittmer mit dem höchsten olympischen Lorbeer zurück - dann folgte Kajakfahrer Hollstein in Peking. Jetzt London…. Und, Lickfett hat angekündigt, mindestens bis Rio de Janeiro weiter machen zu wollen.

Die Anspannung ist bei Hollstein und Ihle in diesen letzte Tagen vor dem Abflug nach London groß. Die Titelverteidiger fühlen sich gut vorbereitet. Aber "Holli" weiß, die Konkurrenz ist stark. Bei der EM, die sie aus dem vollen Training heraus angegangen sind, kamen sie auf den Silberrang. "Das war in Ordnung. Die Ungarn sind ein ganz starkes Rennen gefahren. Sie werden auch in London zu beachten sein, dazu die Schweden, die Russen und auch die Belgier bringen einen guten Zweier aufs Wasser", steckt Hollstein den Favoritenkreis ab. Mittendrin Hollstein/Ihle - das Peking-Gold-Duo. "Klar, wenn du einmal die Goldene geholt hast, magst du die Farbe. Aber Andy und ich sind keine Träumer. Wir haben uns gesagt: Ziel ist eine Medaille - egal, welche Farbe."


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen