Die Stadt Werder spendiert sich für 18 Millionen Euro ein Edelbad : Hohe Wellen um Blüten-Therme

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So soll die Blütentherme in Werder einmal aussehen.russew

Trotz Überangebot geht der Bau von Spaßbädern und Thermen in Brandenburg weiter. In Werder/Havel setzt sich die Stadt für 18 Millionen Euro eine Edeltherme mit zwölf Becken, neun Saunen und eine Riesenrutsche hin.

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25. Januar 2013, 08:07 Uhr

Werder/Havel | Trotz Überangebot geht der Bau von Spaßbädern und Thermen in Brandenburg weiter. In Werder/Havel setzt sich die Stadt für 18 Millionen Euro eine Edeltherme mit zwölf Becken, neun Saunen und eine Riesenrutsche hin. Im September 2013 soll eröffnet werden. Befürchtungen, dass das Projekt mangels Besuchern scheitern könnte, hat man in der Stadtverwaltung nicht. "Wir hätten sonst keine zweistellige Millionensumme in die Hand genommen", sagt Werders stellvertretende Bürgermeisterin, Manuela Saß. "Unsere Therme trägt sich. Das haben uns Experten per Gutachten bestätigt", erklärt sie.

"Bäder-Pabst" Klaus Batz sieht dies ganz anders. Er hat für das Land Brandenburg vor zehn Jahren das Bädergutachten verfasst. Sein Fazit damals und heute: "Der Markt ist dicht. Die Marktsättigung ist erreicht." Vor allem Südbrandenburg verfüge über eine riesige Bäderdichte. Aktuell gebe es zwischen Elbe und Oder mehr als 25 Spaßbäder und Thermen. "Da wird es für neue Angebote schwer, sich zu etablieren", meint Batz.

Um wirtschaftlich arbeiten zu können, sind 400 000 bis 800 000 Einwohner im Umkreis von 45 Autominuten notwendig. "In Brandenburg leben aber nur 2,5 Millionen Menschen", sagt Batz. Bei 25 Bädern wären dies aktuell 100 000 Einwohner für ein Bad. "Besser aufgestellt - allein schon von der geografischen Lage - sind Bäder im Berliner Speckgürtel, weil es in der Hauptstadt nur wenige wellness- und freizeitorientierte Angebote gibt", erklärt er. Dieser Fakt könnte für die neue Blütentherme in Werder sprechen, meint der Bäderexperte. Um Überleben und gut wirtschaften zu können, sind Alleinstellungsmerkmale zwingend notwendig. Bestes Beispiel: Tropical Island. "Brand hat sich zu einem Übernachtungsressort à la Centerparks nur sehr viel größer gemausert und wächst immer weiter", sagt Batz und dieses Konzept scheint zu tragen.

Rückendeckung bekommt der "Bäder-Pabst" aus dem Sportministerium. "Jede neue Therme führt zu einer Verschärfung der Konkurrenz und womöglich zur Verdrängung", sagt Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Wegen der Marktsättigung hat das Land 2007 die Förderung eingestellt. Bis dahin seien mehr als 150 Millionen Euro in Neubauten geflossen.

Manuela Saß kann die Aufregung nicht verstehen. "Wir haben alles durchdacht und neun Millionen Euro für das Projekt angespart. Werders Alleinstellungsmerkmal sei das 25-Meter-Sportbecken. "Die Stadt hätte so oder so Millionen für ein eigenes Hallenbad in die Hand genommen - allein schon wegen des Schulsports", erklärt sie. Die Therme sei das Bonbon obendrauf. Mit der Kristall Bäder AG ist ein Pachtvertrag über 25 Jahre abgeschlossen worden. "Wir zahlen jährlich 350 000 Euro. So kann Werder die anderen neun Millionen gegenfinanzieren", erklärt Kristall Bäder-Chef Frank Nägele. Er sieht durch Werder keine Konkurrenz für seine eigenen Thermen in Ludwigsfelde und Bad Wilsnack.

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